Zerbst l „Ich bin überrascht, dass so viele gekommen sind“, gesteht Michael Kirchner. Er ist Vorsitzender des Zerbster Anglervereins, der am Sonnabendvormittag einen Arbeitseinsatz am Schlossteich durchführt. Über 20 Vereinsmitglieder haben sich trotz der hochsommerlichen Temperaturen eingefunden, um das künstlich angelegte Gewässer von Unrat und hineingefallenen Zweigen und Ästen zu befreien. Unter ihnen befinden sich der Nachwuchsangler Lukas Rätzel und Maurice Wille, der seinen Vater begleitet hat und ebenfalls tüchtig anpackt, anstatt seinen 14. Geburtstag zu genießen.

„Totholz ist an sich nicht verkehrt, aber zu viel ist nicht gut und Müll erst recht nicht“, sagt Kirchner. Und der derzeit niedrige Wasserstand biete sich an, das Ufer zu beräumen. „So holen wir jetzt erstmal alles raus, was wir mit Muskelkraft rauskriegen“, bemerkt er, während rund um den Teich eifrig Hand angelegt wird. Mit Harken und selbst gebauten Wurf-rechen wird emsig versucht, das lose Material rauszuholen.

Einsatz ist erster Schritt

Als „aktive Zerbster“, wie sie sich selbst bezeichnen, haben sich Justin Wurbs und Lukas Bergholz unter die Angler gemischt. Schließlich waren alle interessierten Bürger aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen. Allerdings braucht es keine vier Finger, um alle zu zählen. Deutlich mehr hingegen haben sich in den zurückliegenden Wochen in die Diskussion um den Zustand des Schlossteiches eingeschaltet – vor allem über das soziale Netzwerk facebook. „Viele haben gemeckert“, sagt Michael Kirchner und bedauert die geringe Resonanz. Umso mehr freut er sich über den Einsatz der beiden jungen Männer.

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Justin Wurbs und Lukas Bergholz ist bewusst, dass am Schlossteich Handlungsbedarf besteht. „Es muss dazu kommen, dass weitere Maßnahmen ergriffen werden. Das heute ist der erste Schritt“, formuliert es Lukas Bergholz, bevor er die Harke wieder ins trübe Wasser taucht. Neben reichlich Geäst und leeren Muschelschalen verfangen sich modrige Blätter in den Zinken.

Ausbaggern wäre notwendig

„Ausbaggern wäre nicht schlecht, damit der Teich nicht nur stinkt, sondern schön aussieht“, meint einer der Anglerfreunde. Er hat sich als einziger mit der Wathose mehrere Schritte in den Schlossteich hineingewagt. „Am Ufer ist der Schlamm gut einen Meter tief“, sagt er. Bis zur Hüfte sei er dort im Morast versunken. Das ist auch ein Grund, weshalb nicht der gesamte Schilfgürtel zurückgeschnitten wird, sondern nur das Röhricht entlang des westlichen Ufers.

Während die Sonne heiß vom Himmel brennt, schaffen die Teilnehmer des Arbeitseinsatzes einiges. Rasch fühlen sich die zwei Container, die die Stadt bereitgestellt hat. Sie ist immerhin Eigentümerin des Schlossteiches, der nach wie vor mit einem Problem zu kämpfen hat, das den Lebensraum der Fische zunehmend einschränkt: fehlendem Frischwasser. Ursache ist neben der anhaltenden Trockenheit der unzureichende Zufluss durch die Hauptnuthe.

Alten Zufluss wieder herstellen

Aus dem Grund hatten sich einige Angler kürzlich auf die Suche nach einem alten Rohr gemacht, das den Schlossteich früher mit Wasser aus einem anderen Nuthearm versorgte – der Stadtnuthe. Und sie wurden fündig. Inzwischen sind auch die beide Enden des Betonrohres freigelegt. Nun ist zu prüfen, ob der Zufluss von allein funktionieren würde, sprich, ob das Gefälle stimmt. Ansonsten muss eine wasserrechtliche Genehmigung eingeholt werden, um den Nuthearm anzustauen. Auch, ob das Rohr ohne Weiteres wieder genutzt werden kann, ist abzuklären.