Zerbst l Mit Gummistiefeln an den Füßen, einer Schaufel in den Händen und einer gehörigen Portion Eigeninitiative haben sich Katja und Wilfried Beck Anfang des Monats den Zerbster Schlossteich vorgeknöpft. Das Ehepaar aus Bias hat den Zulauf zum Teich entschlammt und von Ästen und Laub befreit – auf freiwilliger Basis wohlgemerkt. Zuvor haben sich die Becks im Ordnungs- und Grünflächenamt der Stadt die Erlaubnis für diesen Einsatz geholt. Zudem hat die Stadt einen Container für den Schlamm bereitgestellt.

Viel aus dem Teich geholt

Dieser war nach mehreren Stunden auch gut gefüllt. Die Becks haben Laub, Äste, Schlamm und jede Menge Müll aus dem Teich geholt. „Jetzt hat das Wasser auch wieder eine Chance in den Teich zu fließen“, sagt Wilfried Beck.

Warum sie sich uneigennützig, freiwillig und vor allem unentgeltlich um den Teich kümmern, begründet Wilfried Beck so: „Es geht mir um die Fische. Ich will ihren Lebensraum erhalten. So wie der Teich aussieht, muss man sich um die Tiere sorgen.“ Er ist der Meinung, dass der Schlossteich „verheerend“ aussieht. Die Stadt habe viel zu lange nichts unternommen, kritisiert der 66-Jährige.

Und tatsächlich: Die letzte große Entschlammung des Schlossteiches liegt mittlerweile schon etwa 15 Jahre zurück, wie Ute Schilling vom Grünflächenamt der Stadt Zerbst bestätigt. Eine weitere Entschlammung ist vorerst nicht vorgesehen, sagt Schilling. Der Grund dafür sind die hohen Kosten, denn die letzte Entschlammung des Gewässers hat mit rund 60 000 Euro zu Buche geschlagen. Dass die Stadt „nichts“ unternehme, sei nicht korrekt. „Letztes Jahr wurden unter anderem die Randbereiche gesäubert und Bruchholz aus dem Teich geholt“, sagt Ute Schilling.

Beck zeigt sich entäuscht

Wilfried Beck zeigt sich enttäuscht, dass die Zerbster selbst nichts unternehmen. „Ich bin aus Bias, eigentlich geht mich der Teich nichts an. Die Zerbster oder der Angelverein sollten selbst aktiv werden. Ich glaube, die wissen gar nicht, was für ein fischreiches Gewässer sie da haben“, sagt Hobby-Angler Beck.

Vor allem der niedrige Wasserpegel besorgt das Ehepaar aus Bias. „Wenn es noch heißer wird, dann droht der Teich zu kippen“, meint Wilfried Beck. „Und wenn dann alle Fische tot sind, stelle ich mich an den Schlossteich und koche für alle eine Fischsuppe. Vielleicht wird dann mal jemand auf das geschichtsträchtige Gewässer aufmerksam“, sagt er mit einer Prise Sarkasmus.

Niedrige Wasserstände

„Das Problem des niedrigen Wasserstandes ist uns bekannt. Die Möglichkeiten dem entgegenzuwirken, sind indes beschränkt“, sagt Ute Schilling. Denn auch die Nuthe, die den Schlossteich speist, hat einen niedrigen Pegel. In erster Linie sei man deshalb auf Regen angewiesen. Schilling ist sich sicher: „Der niedrige Wasserstand wird uns noch viel Kopfzerbrechen bereiten.“