Walternienburg l Eine Straße weiter, da war die alte Schule in Walternienburg, fügte Schulleiterin Birka Heinsdorf in ihre Ausführungen zur Geschichte der Schule kurz ein. Wann sie eigentlich gegründet wurde, ist unbekannt. Sie entstand wahrscheinlich aus einer Kirchenschule. Bekannt ist, dass der erste Schulmeister von 1600 bis 1620 Jeremias Lohmann war. 1816 lernten 100 Schüler an der Schule, 1858 schon 184 in zwei Klassen. 1878 gab es drei Klassen.

In dem Abriss ging die Schulleiterin nicht nur auf die Entwicklung der Schülerzahlen und die Lehrer ein. Sie erinnerte an örtliche Gegebenheiten, Bedingungen der damaligen Zeiten und die Veränderungen.

Vor 1924 kein elektrisches Licht

Gespannt lauschten die Kinder und Gäste, die wegen des Regens in der Turnhalle untergekommen waren, den Ausführungen. Dass es vor 1924 kein elektrisches Licht in den Klassenzimmern gab, dass wegen Kohlemangels im Winter 1919 nur ein Klassenraum geheizt werden konnte oder, dass es 1923 eine erste ärztliche Untersuchung aller Schüler gab, war für die heutigen Grundschüler schwer vorstellbar.

Bilder

Die Zeiten der Zentralschule Walternienburg und die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule, die es dann ab 1959 gab, dürften derweil noch einigen Eltern und Großeltern im Gedächtnis geblieben sein. 1971 war dann der Neubau der jetzigen Schule fertig. Schon im Vorfeld war die Turnhalle mit Gemeindeküche eingeweiht worden. 162 Schüler besuchten die neue Schule, die ab 1979 die POS „Wilhelm Pieck“ war – bis zur Wende.

Um Erhalt der Schule gekämpft

1990 fuhren dann die 7. bis 10. Klassen zum Unterricht nach Güterglück. Ein Jahr später wurde die Schule zur Grundschule. Es wurde investiert und gekämpft um den Erhalt der Schule. Traditionen wurden begründet und Aktionen gestartet. Es wurde saniert und modernisiert, und das soll fortgesetzt werden.

Für Birka Heinsdorf, die erst seit diesem Schuljahr die Leiterin ist, war es interessant, sich anlässlich der Namensgebung intensiv mit der Schulgeschichte auseinanderzusetzen. Auf einem Zeitstrahl hat sie Leiter und Lehrer zusammen gestellt. Nach der Aufarbeitung der Geschichte folgt nun ein neuer Abschnitt.

Die Namensfindung hat noch zu Zeiten von Schulleiterin Sigrid Kratky stattgefunden. Kinder und Eltern wurden einbezogen. „Das war gar nicht so einfach“, erinnerte sie sich. Denn „An der Burg“ oder die „Elbaue“ zum Beispiel waren ja schon vergeben. Man entschied sich in der Gesamtkonferenz für den Fluss, der schulnah durch Walternienburg fließt.

Namenszug an der Fassade

In dem Fluss schwimmt nun der Namenszug an der Fassade der Grundschule. Der Köthener Kunstmaler Steffen Rogge hat das neue Logo mit dem Baum dank eines Sponsors an die Wand gemalt. Gemeinsam mit den Kindern wurde das Logo an der Schule entworfen. Unter dem Beifall der Gäste wurde gestern die Verhüllung entfernt.

Nachdem jede Klasse die Veranstaltung in der Turnhalle mit einem Lied oder Gedicht bereichert hatte, überbrachte der Zerbster Bürgermeister An-dreas Dittmann (SPD) seine Glückwünsche zur Namensgebung. „Jede Zeit hat der Schule ihren Stempel aufgedrückt“, sagte er, „aber sie hat allen, die hier gelernt haben, den Weg bereitet.“ „Auch die Namen haben sich verändert im Lauf der Zeit, wie auch eure Wege sich von Zeit zu Zeit ändern werden“, so Dittmann und erinnerte, wie zuletzt gemeinsam mit den Eltern gekämpft wurde, die Lehrersituation zu verbessern.

Schüler sind Zukunft

Da setzte auch der Walternienburger Ortsbürgermeister Jörg Hausmann an, der Stadt zu danken, dass sie sich für den Erhalt der kleinen Grundschulstandorte einsetzt. Wie die Stadt hinter den Grundschulen stehe, merke man daran, dass investiert wird, jedes Jahr, Stück für Stück. Schon seine Urgroßeltern, Großeltern und Eltern sowie er selbst seien hier zur Schule gegangen, ließ Jörg Hausmann wissen, und er freue sich über alle, die jetzt und künftig die Schule besuchen. „Alle, die hier zur Schule gehen, sind ein Stück Zukunft für uns“, sagte er. Der Bestand der Grundschule „An der Nuthe“ ist vorerst definitiv bis 2024/25 festgeschrieben. Schon im nächsten Jahr soll hier wieder groß gefeiert werden – nämlich 50-jähriges Bestehen.