Walternienburg l Schulleiterin Sigrid Kratky ist schon damit beschäftigt, ihre Spuren im Schulhaus zu beseitigen. Am Monatsende beginnt für sie diesmal ein neuer Lebensabschnitt mit dem Eintritt in den Ruhestand. Die letzten Tage habe sie noch in der Schule zu tun, sagte sie. Doch sie hat sich schon längere Zeit auf den Ende vom Schuldienst vorbereitet.

Viel Aufregung

Die vergangenen Jahre waren dabei besonders anstrengend, weil auch die Grundschule in Walternienburg den landesweit immer wieder Schlagzeilen machenden Personalprobleme im eigenen Haus spürte. Lehrer gingen damals in den Ruhestand, einen Ersatz gab es nicht. Über einen längeren Zeitraum musste sie den Schulbetrieb mit vier Klassen und drei Lehrern organisieren. Das ging kurz vor dem Ruhestand noch einmal an die Substanz. Immer wieder setzte sie sich dafür ein, zeitnah mehr Personal zu bekommen.

Zumindest beruhigt zeigte sie sich bereits vor einem halben Jahr, was die Nachfolge angeht. Das Landesschulamt hatte lange vor ihrem Ruhestand bereits eine Nachfolgerin gefunden, freute sie sich. Nicht an allen Grundschulen geht der Wechsel so reibungslos über die Bühne. Wenn sie zum Monatsende den Schuldienst verlässt, ist das Haus gemacht, sagte sie gestern freudig. Es gebe eine Schulleiterin im neuen Schuljahr und alle Stellen seien besetzt. Die Grundschule verfüge sogar über eine Pädagogische Mitarbeiterin. Das seien auch für die Zukunft sehr gute Voraussetzungen, schätzt sie ein. Wenn nach den langen Sommerferien der Unterricht wieder startet, könnten alle Stunden besetzt werden, wenn es keinen Ausfall gibt. Außerdem können die Lehrer sich dann ebenso intensiv mit der digitalen Tafel befassen, die die Schule bekommen hat.

In der Vergangenheit konnten sich die Lehrer mit dem neuen Equipment kaum befassen, da die Zeit dafür einfach fehlte. Dabei soll die digitale Tafel der Schule die Möglichkeit geben, in der digitalen Gegenwart anzukommen und den Unterricht entsprechend anders zu gestalten. Trotz des bevorstehenden Ruhestandes beschäftigte sich Sigrid Kratky mit der Technik und zeigte sich sehr interessiert über die neuen Möglichkeiten und Einsatzgebiete im Unterricht der Grundschule. Den Weg in das digitale Zeitalter werden ihre Kollegen nun fortsetzen und die Technik im Unterricht in den Klassen einsetzen.

Lücke geschlossen

Längst nicht an allen Schulen im Zerbster Umland sieht die Personalversorgung so rosig aus. Defizite meldet aktuell die Grundschule Lindau für das kommende Jahr. Dort hoffen die Lehrer noch, dass sie die bislang bestehende Personallücke noch bis zum Schuljahresbeginn gefüllt bekommen.

Das Land hat inzwischen auch reagiert und hat den Anreiz für Lehrer erhöht, Stellen im ländlichen Raum anzunehmen. Gerade junge Lehrer streben nach der Ausbildung nicht unbedingt auf das Land. Gern bleiben sie in den Großstadt, werden dort heimisch und gründen eine Familie. Auf der Strecke bleiben die ländlich geprägten Regionen. In Zukunft kann es sich für Lehrer aber auszahlen, wenn sie auf das Land gehen. Bleiben ausgeschriebene Stellen mehrfach unbesetzt, weil es keine Bewerber für die Posten gibt, kann das Landesschulamt seit einiger Zeit den Anreiz erhöhen und Zuschläge zahlen, um Lehrer zu gewinnen. Mit der Strategie hofft das Bildungsministerium die offenen Stellen im ländlichen Raum besser besetzen zu können. Die Zukunft muss aber zeigen, ob das Kalkül aufgeht und die Zahl der offenen Stellen verringert werden kann, wenn die Lehrer dort besser bezahlt werden. In Walternienburg hat die Personalsuche jedenfalls geklappt.

Im neuen Schuljahr wird die Zeit schnell vergessen sein, in der die Lehrer nur mit Mühe die Kernfächer geben konnten, weil mehr nicht möglich war. Auch wenn die Sommerferien erst begonnen haben, laufen doch an den Schulen bereits die Vorbereitungen für das kommende Schuljahr. Schließlich soll der Schulbetrieb nach den sechs Wochen Pause reibungslos starten und die neuen Schüler vorbereitet in den neuen Lebensabschnitt starten.