Zerbst l „Unterricht wird ausfallen, solange noch Lehrkräfte fehlen“, konstatierte Heike Bengner zu Schuljahresbeginn. Selbst mit den gegenwärtigen Klassenzusammenlegungen würden die verfügbaren Stunden nicht ausreichen, alle Fächer zum einen durchgehend und zum anderen überhaupt abzudecken, erklärte die Leiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule.

Keine geeigneten Bewerber

Die äußerst angespannte Situation an der Bildungseinrichtung ist dem Landesschulamt in Halle bekannt. „Hier waren zwei Stellen ausgeschrieben“, sagt Pressesprecherin Silke Stadör und berichtet auf Volksstimme-Nachfrage von einer „durchaus guten Bewerberlage“. Allerdings seien sehr viele Mehrfachbewerbungen darunter gewesen. „Und die Bewerber haben sich für jeweils andere Stellen entschieden“, erzählt sie. Einige Seiteneinsteiger hätten indes die Einstellungsvoraussetzungen nicht erfüllt. „Das trifft vor allem auf die Musik-Stelle zu, für die wir keinen geeigneten Bewerber gefunden haben“, erklärt Stadör. Im Allgemeinen seien Musikstellen im Grundschulbereich schwer zu besetzen.

Nach wie vor offen ist ebenfalls die Stelle für Ethik an der Ganztagsschule Ciervisti – einem Prüfungsfach. „Wir mussten deshalb Stunden kürzen, denn die Kollegin kann allein nicht alle Stunden abdecken“, schilderte Schulleiterin Kirsten von Mandel beim Blick auf das neue Schuljahr. Die Stellenausschreibung sei bislang erfolglos gewesen, wusste sie.

„Es fand sich keine geeignete Lehrkraft“, bestätigt Silke Stadör. „Landesweit ist die Schulform Sekundarschule am schwierigsten mit Fachlehrern zu besetzen“, erklärt die Sprecherin des Landesschulamtes.

Eine Zusage

Nur eine positive Meldung kann sie nach Abschluss des Ausschreibungsverfahrens für das Schuljahr 2018/19 für Zerbst verkünden: „Wir haben lediglich eine Zusage für die Stelle am Gymnasium erhalten.“ Dort konnte ein neuer Biologielehrer im Kollegium begrüßt werden, wie Francisceumsleiterin Veronika Schimmel im Gespräch mit der Volksstimme vorm ersten Schultag informierte. Zugleich merkte sie jedoch an, dass noch ein Kunst- sowie Mathe-/Physik-Lehrer benötigt werde.

Die Stellensuche seitens des Landes geht nun weiter. Die Neuausschreibung, die in Kürze veröffentlicht werden soll, gehört zu den Maßnahmen, mit denen auf die prekäre Situation reagiert werden soll. „Daneben setzen wir auf befristete Einstellungen“, erklärt Silke Stadör. Bei der Besetzung der Stellen werde man noch stärker auf Seiteneinsteiger zurückgreifen müssen, so die Pressesprecherin.

Leicht wird das nicht. Denn „der Landkreis Anhalt-Bitterfeld gehört insgesamt zu den Regionen, die für neue Lehrkräfte weniger attraktiv sind als zum Beispiel die Ballungsräume wie Halle oder Magdeburg. Selbst Stellen an Gymnasien lassen sich nur schwer vermitteln“, weiß Silke Stadör.

So konnten von den kreisweit insgesamt 55 ausgeschriebenen Stellen querbeet durch alle Schulformen letztlich nur 24 besetzt werden und damit weniger als die Hälfte. „Insofern muss eventuell über Anreizsysteme nachgedacht werden. In unserer letzten Ausschreibung gab es bereits Stellen, für die bei Besetzung eine Zulage gezahlt wird“, berichtet Silke Stadör.

Um die aktuelle Situation in Zerbst zeitnah zu entspannen, will das Landesschulamt „in den nächsten Wochen“ verschiedene Personalmaßnahmen ergreifen. „Das heißt, wir werden zwischen den Schulen der Region ausgleichen“, erzählt Silke Stadör von der angedachten Abordnung von Pädagogen. „Möglicherweise wird es Unterstützung durch Lehrkräfte anderer Schulformen geben“, ergänzt sie. Das bedeutet, dass ein Gymnasiallehrer auch an einer Grundschule eingesetzt werden kann.