Deetz l Langsam hatte das Leben wieder Fahrt aufgenommen, im Schullandheim von Deetz. Die Jugendbauernhof war bereits durch den ersten Lockdown im Frühjahr stark betroffen. Über Nacht blieben die Schulklassen aus. Das Haus stand wochenlang leer.

Im Sommer kehrten die kleinen Gäste dann zurück. Es gab die Ferienspiele, Klassen kamen wieder und informierten sich am Rande des Flämings über das Leben auf dem Land. Mit dem neuen Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens wird die Einrichtung zum zweiten Mal in diesem Jahr drastisch getroffen, sagt Ulrich Weimeister. Der Chef des Hauses hat in diesem Jahr mehr Tiefen als Höhen durchlebt.

Lehrer und Eltern sind verunsichert

Ohne die Hilfen des Staates für das Schullandheim hätte die Einrichtung schon schließen müssen. Auch jetzt wartet er wieder auf Finanzhilfen, um über das restliche Jahr zu kommen. „Wir warten auf die Entscheidung zu beantragten Überbrückungshilfen“, sagt er. Denn auch ohne Gäste hat die Einrichtung Fixkosten zu bezahlen. Doch längst wirkt sich der neue Lockdown bereits auf das kommende Jahr aus. „Die Menschen sind verunsichert“, sagt er. Klassenlehrer seien sich nicht sicher, ob sie schon für das kommende Jahr eine Klassenfahrt buchen sollen, hat er erlebt.

Inzwischen wirbt die Einrichtung mit einem Frühbucherrabatt, um das Haus im kommenden Jahr wieder zu füllen. Doch die erhoffte Welle der Buchungen bleibe bislang aus, bedauert er. Bislang habe die Corona-Pandemie für rund zwei Drittel weniger Buchungen gesorgt. Breiter aufgestellt hatte sich das Haus mit dem Ausbau eines Stalls. Hier können auch Bürger einen großen Raum mieten. Doch große Feiern sind nun auch wieder verboten. Das mache sich ebenso bemerkbar, bedauert Ulrich Weimeister. Die Veranstaltungen, die vor Monaten von Bürgern angemeldet wurden, müssten nun wieder ausfallen.

Zusammenarbeit mit lokalen Landwirten

Seit Jahren bemüht er sich als Interessenvertreter der Schullandheime im ganzen Land, den Einrichtungen mehr Aufmerksamkeit von Seiten der Politik zu widmen. Die Schullandheime sind längst nicht mehr die preiswerten Bettenburgen für die Schulen, wird er nicht müde zu erklären. Die Schullandheime sind längst in der Bildungslandschaft angekommen und widmen sich dabei den verschiedenen Themen. Das wird in Deetz mehr als deutlich. Das Haus hat sich dem ländlichen Leben gewidmet. Hier können Schüler erleben, was Landleben heute bedeutet. Die Einrichtung arbeitet mit Landwirten in der Region zusammen und ermöglicht den Schülern so, Einblicke in die landwirtschaftliche Produktion. Hier können Kinder erleben, wie Kühe gemolken werden. Wie die moderne Landwirtschaft funktioniert.

Mit den alten Bildern hat der moderne Landwirtschaftsbetrieb heute kaum noch etwas zu tun. Die Unternehmen sind durchrationalisiert. Der ständige Wettbewerb mit den Landwirten in anderen Teilen der Erde zwingt sie dazu. Der Einblick in die moderne Landwirtschaft zeigt auch, dass die Zeiten der Sozialromantik vorbei sind. Immer weniger Menschen produzieren immer mehr Lebensmittel, das ist ein Trend, der seit Jahrzehnten die moderne Landwirtschaft bestimmt.

Nicht mehr nur Bettenburgen

Dennoch gibt es aber auch in der Landwirtschaft ein Umdenken und auch neue Wege, wie mehr naturnäher zu wirtschaften. Auch diesem Thema will sich der Jugendbauernhof widmen und darstellen, was es bedeutet.

Mit der Fülle von Seminaren und Veranstaltungen haben die Schulandheime ihre Rolle als reine Bettenburgen längst verlassen, sagt Ulrich Weimeister. Das Schullandheim im 20. Jahrhundert sei eine Bildungseinrichtung, in der auch übernachtet werden könne. Mit der Aussage zielt er vor allem auf die Waldschulheime, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen und den Kindern im Schulalter den Lebensraum Wald näher bringen wollen. Im Unterschied zu den Schullandheimen befinden sich die Waldschulheime allerdings in Trägerschaft des Landes. Die Einrichtungen könnten dabei viel entspannter in die Zukunft blicken und müssten sich nicht ständig mit Existenzängsten beschäftigen, sagt Ulrich Weimeister.

Arbeitskräftemangel ist auch Problem

Deshalb fordert er vom Land ein Stück weit Gleichbehandlung und eine Sockelfinanzierung im Jahr, um über die Runden zu kommen. Reich werden könne man mit einem Schullandheim nicht, erklärt er. Die Kosten müssten niedrig gehalten werden, damit die Klassen kommen. In den Frühlings- Sommer- und Herbstmonaten baue sich das Haus in normalen Jahren ein kleines Polster auf, um über die Wintermonate zu kommen. Dann starte der Saisonbetrieb wieder durch. In diesem Jahr konnte das Haus das Polster nicht erwirtschaften. Die Augen sind deshalb auf die kommende Saison bereits gerichtet.

Mit Finanzhilfen hofft er, die kommenden Monaten zu überbrücken. Dann sollte das Geschäft wieder anlaufen. Ein zunehmendes Problem könnte dann wieder der Arbeitskräftemangel werden. Bereits in der Vergangenheit hat die Einrichtung oft nach Mitarbeitern gesucht. Vor allem Leute mit guter Ausbildung sind rar gesät. Nach der Rückkehr in das gesellschaftliche Leben dürfte sich die Situation wieder einstellen. Besonders für die Durchführung der Ferienfreizeiten ist das Haus auf die Mitarbeit von Helfern angewiesen. Bislang gelang es immer noch, ausreichend Leute zu finden.

Ganz schnell will er dieses Jahr vergessen und hofft, dass es in einigen Wochen mit einem Impfstoff eine Möglichkeit gibt, die Infektionskrankheit nachhaltig zu besiegen. Das sei auch für die Schulen und die Eltern gut, um die Zeit der Ungewissheiten hinter sich zu lassen. „Die Verunsicherung ist sehr groß“, sagt er und erinnert an die zahlreichen Telefongespräche, die er regelmäßig führe. Die Verunsicherung der Menschen sei das größte Problem, meint er.