Zerbst l Mike Keller kann die aktuellen Corona-Maßnahmen nicht nachvollziehen. Ihn ärgert vor allem die Widersprüchlichkeit in den verhängten Verboten. Während Profi-Fußballer weiter Spiele bestreiten dürfen, müssen Amateursportler in den Vereinen pausieren. „Geht es nur noch um Politik oder um die Menschen?“, fragt er sich. Dies sei der Grund für die zunehmende Aggressivität in der Bevölkerung gegenüber den Eindämmungsverordnungen. Das Vertrauen in den Staat schwinde und rufe stattdessen Wut hervor, glaubt der Studioleiter.

1996 eröffnete er die Fitnessworld Zerbst, die er zunehmend zu einem Gesundheitscenter entwickelte. Und das habe „nichts mit einer Muckibude“ gemein, betont Mike Keller. Ihn frustriert, dass dieses Vorurteil immer noch besteht und das wohl der Grund ist, dass Fitnessstudios bis heute nicht als Gesundheitsanbieter anerkannt werden. „Man merkt, dass wir keine Lobby haben“, bedauert er.

Präventionsgedanke fehlt

Zugleich vermisst er im Kampf gegen Corona den Präventionsgedanken. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Einhalten der Abstandsregeln reicht seiner Meinung nach nicht aus. Vielmehr müssten auch die eigene körperliche Widerstandsfähigkeit, die Abwehrkräfte, gefördert werden.

Statt jedoch ihr Immunsystem sowie Herz und Kreislauf durch Sport zu stärken, werden die Menschen daran gehindert, wie Mike Keller kritisiert. Bluthochdruck, Diabetes oder auch Osteoporose seien die Ursachen, weshalb die Leute zu ihm kommen, schildert er. Mike Keller berichtet von vielen Risikopatienten, die bei ihm trainieren und das regelmäßig.

Unsicherheit beim alleine Trainieren

Während der zehnwöchigen Schließung der Fitnessstudios im Frühjahr nach Ausbruch der Virus-Pandemie konnten die Leute noch ins Freie ausweichen. „Aber jetzt steht der Winter vor der Tür“, sagt er. Daneben gibt Mike Keller zu bedenken, dass manch einer unsicher ist, wenn er allein Sport treibt – ohne dass der Puls permanent kontrolliert wird, ohne dass ihm ein Trainer betreuend und beratend zur Seite steht. Geschweige denn, dass die entsprechenden Geräte fehlen. Hinzu komme der soziale Kontakt, der besonders den Senioren und Alleinstehenden genommen werde, argumentiert Mike Keller.

Ihn frustriert, dass gerade Menschen, die besonders auf ihre Gesundheit achten, durch die Corona-Einschränkungen ausgebremst werden. „Das ist das Schizophrene“, kann er nur den Kopf schütteln. Zumal „ich die geforderten Hygienemaßnahmen zu hundert Prozent und mehr umsetze“, erzählt er von hohen Investitionen. „Und dann kriegt man einen Tritt in den Hintern und bekommt nur Hiobsbotschaften zu hören“, so Mike Keller.

Warten auf Ausfallzahlung im November

Wirtschaftlich betrachtet sei es eine schwere Zeit, gesteht der Studioleiter, der ebenfalls Verantwortung gegenüber seinem Personal hat. Zwei Festangestellte und zwei Stundenkräfte beschäftigt Mike Keller. Er hofft deshalb auf die angekündigte Ausfallzahlung. Bis zu 75 Prozent des November-Umsatzes will der Bund vom Lockdown betroffenen Branchen erstatten. Wann die Nothilfe fließe, bleibe abzuwarten, bemerkt er.

An die Erhöhung der Beiträge für seine Kunden denkt der Studioinhaber momentan dennoch nicht. Im Gegenteil. „Im November buche ich nicht ab“, sagt er. Im Frühjahr sei das anders gewesen, da habe er die Beiträge noch eingezogen und „eine sehr große Solidarität erlebt“, erzählt Mike Keller. „Aber das kann man nicht ausreizen“, ergänzt er.

Reha-Sport-Verein darf weitermachen

Einen Lichtblick allerdings gibt es: „Wir haben einen integrierten Reha-Sport-Verein und der darf weitermachen.“ Voraussetzung sei eine ärztliche Reha-Verordnung, die man sich von der Krankenkasse bestätigen lassen müsse, erläutert Mike Keller.

Sabine Koch ist froh über diese Möglichkeit, aktiv bleiben zu können. „Ich bin wegen meiner Rückenprobleme hier“, verrät sie. Seit 20 Jahren leide sie darunter. Ihr Arzt habe ihr Krafttraining empfohlen, erzählt sie und sagt: „Das ist mit das einzige, was langfristig hilft.“

Angst vor längerer Schließung

Auch Isolde Hänsel ist glücklich, über den Reha-Sport-Verein weiter trainieren zu können. „Ich bin bereits seit zwölf Jahren hier“, blickt sie zu Mike Keller hinüber. Die wochenlange Schließung im Frühjahr belastete sie. Ihr fehlten die Kurse, die sportliche Gemeinschaft, die direkte Rücksprache mit dem Trainer. „Das macht dich unzufrieden“, gesteht sie. Dass Fitnessstudios nun erneut nicht öffnen dürfen, betrachtet sie als Katastrophe. „Und mit vier Wochen ist das wohl nicht erledigt“, befürchtet Isolde Hänsel.

Momentan gilt die aktuelle Eindämmungsverordnung bis 30. November. „Wenn sie dann endet, können wir aufatmen“, sagt Mike Keller. Doch Zweifel liegen in der Stimme des Studiobetreibers. „Ich vermute, dass wir erst im April, Mai wieder öffnen dürfen“, sagt er.