Nutha l Im Herbst 2018 war Sylvia Rothe noch guter Dinge, wenn sie auf die geforderte Bushaltestelle an der Mühle ihrer kleinen Ortschaft Nutha angesprochen wurde. Nichts sollte dazu in der Zeitung erscheinen, um den Erfolg nicht zu gefährden. Wochenlang hatte sie mit dem Landkreis um eine Haltestelle der abseits gelegenen Siedlung gerungen. Die Schulkinder sollten morgens in der Dunkelheit nicht über die unbeleuchtete Straße einen weiten Weg durch Wind und Wetter nehmen müssen, sondern nah an ihren Wohnhäusern in den Schulbus steigen können.

Die Forderung nach einer Bushaltestelle für die kleinsten Mitglieder der Gesellschaft hat sich inzwischen gejährt. Aus dem Wunsch, für die betroffenen Familien in der Nähe eine Haltemöglichkeit für den Bus zu schaffen, sei nichts geworden, ist Sylvia Rothe sauer auf den Landkreis. Im vergangenen Jahr, erinnert sie sich noch, habe es geheißen, der Kreis werde die Satzung für den Busverkehr ändern und dann sei die Umsetzung der Nuthaer Forderung kein Problem. „Die Satzung wurde geändert“, sagt sie. „Das Bushalteschild kam nicht“, fügt sie hinzu.

Ärger über Landkreis

Jetzt heiße es, dass die Bushaltestelle so ausgebaut sein müsse, dass dort ein sehr großer Bus anhalten und abfahren könne. „Der würde dort nie hinfahren“, sagt sie. Es komme immer nur ein kleiner Bus. Mit dem Eigentümer des Grundstücks sei gesprochen worden, beschreibt sie. Der habe sich einverstanden erklärt, dass eine Bushaltestelle auf seinem Grund eingerichtet werde. Sie habe das Gefühl, dass nun nur noch nach Begründungen gesucht werden solle, um die Haltestelle nicht einzurichten.

Nachmittags wüssten die Schulkinder, die in der Mühle wohnen nie, wie sie nach Hause kommen, weil der Bus immer wieder mal woanders halte, beschreibt sie die Situation. Morgens werden die Eltern ihre Kinder nicht mehr immer mit dem Auto fahren können. Sie sind dann auf den Bus angewiesen.

Eine Lösung für die Forderung ist aktuell nicht in Sicht, bedauert sie. Dabei hätte alles so einfach sein können, ist sie überzeugt. Anstatt Probleme zu lösen, würden die Behörden immer neue Bedenken und Forderungen aufmachen. Das sei nicht im Sinne der Bürger und erschwere zudem das Leben von Familien mit Kindern im ländlichen Raum. Die Behörden müssten die Menschen auf dem Land genauso behandeln wie die Menschen in den Städten, sagt sie.

Kinder nicht genug im Blick

Permanent werde immer wieder von der Angleichung der Lebensverhältnisse des ländlichen Raums mit denen der Städte gesprochen. Wenn es dann mal tatsächlich ein Problem, wie mit einer Haltestelle gebe, könne dies nicht zeitnah gelöst werden. Die Bürger verlieren dann das Vertrauen in die Behörden, ist sie überzeugt. Wer von gleichen Lebensbedingungen spreche, müsse dann auch in der Praxis dafür sorgen, dass sie erreicht werden, fordert sie.

Immer wieder heiße es zudem, dass Kinder die Zukunft seien. Doch wenn es konkret werde, sei davon keine Rede mehr. Sie werde sich trotz der Rückschläge weiter dafür einsetzen, dass an der Nuthaer Mühle eine Haltestelle eingerichtet werde, kündigte sie an. Die Forderung, dass dort ein großer Linienbus wenden können müsse, halte sie für übertrieben. So ein Bus sei nicht auf der Strecke unterwegs.

Die Angleichung der Lebensbedingungen zwischen ländlichem Raum und den Ballungsgebieten ist in einigen Ortschaften der Stadt ein Thema. Damit steht Sylvia Rothe nicht allein. Seit Jahren fordert bereits der Lindauer Ortsbürgermeister Helmut Seidler, mehr für den ländlichen Raum zu tun.

Auch er kritisiert, dass außerhalb der Sonntagsreden nicht viel passiere. Das beginne für ihn schon beim Öffentlichen Personennahverkehr. Kaum ein Bürger würde sich in der Praxis darauf verlassen, dass die Busse fahren. Vor allem in den Ferien sei das Angebot der Linien immer sehr ausgedünnt. Die Bürger seien auf das eigene Auto angewiesen. Nur die Kinder könnten darauf nicht ausweichen. Da sie keinen Führerschein und kein Auto besitzen, seien sie auf die Busse morgens und am Nachmittag angewiesen, um zur Schule und wieder zurück zu kommen. Deshalb sei es für sie wichtig, dass es eine gute Infrastruktur mit vielen Haltestellen gibt, ist auch er der Meinung. Nur so könne der ländliche Raum auch in Zukunft noch weiter für die Familien attraktiv bleiben, auch wenn die Eltern zur Arbeit pendeln müssen.