Zerbst. Stolze 36 Tonnen wiegt das anschlussfertige, von der Firma Driescher gebaute Trafo. An starken Seilen hängt es in der Luft. Als Schwerlasttransport ist die Umspannstation gestern gegen 6 Uhr eingetroffen. Nun, kurz vor Sonnenaufgang, soll sie auf dem Gelände der Zerbster Maschinenfabrik ihren festen Standort finden. Nur wenige Minuten dauert es, bis das Häuschen ausgerichtet auf das Fundament niederschwebt.

Über zwölf Kilometer Kabel verbaut

Marcel Schöbel beobachtet alles ganz genau. Er ist Prokurist bei der Getec green energy, die hier ein Projekt zur regenerativen Energieerzeugung umsetzt. Allerdings nicht allein, sondern erstmals in Zusammenarbeit mit einem anderen Unternehmen und zwar in Kooperation mit der EMAG, die zukünftig hauptsächlich mit Solarstrom produzieren will. Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 2600 Kilowatt peak sollen dazu errichtet werden.

Mitte Oktober begann der erste Bauabschnitt, der inzwischen abgeschlossen ist. „Alles lief reibungslos“, blickt Thomas Scholz zurück. Gemeinsam mit Marcel Schöbel wagt er sich über zwölf Meter hoch hinaus auf die Dächer der drei aneinandergebauten Hallen, auf denen die ersten 2307 Module montiert wurden. Sie sollen künftig das Sonnenlicht einfangen und als Energie nutzbar machen.

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Zusammen haben sie eine Leistung von 750 Kilowatt, wie Marcel Schöbel erzählt. Unterdessen erwähnt Thomas Scholz die enorme Kabelmenge, die verlegt wurde – immerhin rund 12,5 Kilometer, wie der Getec-Prokurist ganz genau weiß. Die Umwandlung des erzeugten Gleichstroms in Wechselstrom wird der bereits errichtete Wechselrichter übernehmen. Einzig die Verteilerkästen fehlen jetzt noch. Der Umschluss ist für Anfang Januar geplant.

Überschussstrom fließt ins Netz

Nächstes Jahr im Sommer soll es dann weitergehen mit dem zweiten der vier Bauabschnitte. Vorgesehen ist, das Projekt 2022 erfolgreich zu beenden. Nach der Fertigstellung will die EMAG gut 75 Prozent des CO2-neutralen Stroms selbst nutzen. „Damit deckt die Anlage rund 25 Prozent des gesamten Stromverbrauchs des Produktionsstandortes ab“, erläuterte Florian Sens bei der Vorstellung des Gemeinschaftsvorhabens im September.

Wie der zweite Geschäftsführer der Getec green energy damals verdeutlichte, vermeidet die Maschinenfabrik mit der Umsetzung des Projektes jedes Jahr rund 1400 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Der Solarstrom, der nicht in die Fertigung der Werkzeugmaschinen fließt, wird unterdessen in das öffentliche Netz eingespeist und erhöht somit den Anteil an so genanntem grünen Strom im Strommix in der Region.

Weitere Projekte sollen folgen

Der Kooperationsvertrag zwischen den beiden Unternehmen beinhaltet, dass die Getec rund drei Millionen Euro in die Photovoltaikanlagen investiert, die der EMAG anschließend über einen Pachtvertrag zur Verfügung gestellt werden. Angedacht ist übrigens, dass weitere gemeinsame Vorhaben in Zukunft realisiert werden und dieses Projekt zur nachhaltigen, umweltfreundlichen und zugleich wirtschaftlichen Energieerzeugung erst der Auftakt ist.