Zerbst l Mit 19 Prozent der abgegebenen Stimmen geht die CDU als Gewinner bei der Wahl des Zerbster Stadtrates hervor. Mit 18,3 Prozent muss sich die FFZ knapp geschlagen geben bei dem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen, das bis zur Auszählung des letzten Wahllokales andauert. Am Ende siegen beide und holen jeweils sieben Mandate.

Christdemokraten verzeichnen Verluste

Für die Christdemokraten bedeutet dieses Ergebnis dennoch einen herben Verlust von drei Sitzen. „Es war zu erwarten, dass wir Plätze verlieren. Mit so vielen habe ich aber nicht gerechnet“, gesteht CDU-Spitzenkandidat Wilfried Bustro. Seiner Ansicht nach spiegelt sich in dem Resultat die allgemeine Unzufriedenheit der Menschen wider, die aus Protest die AfD wählten.

In Zerbst ist die Alternative für Deutschland erstmals bei der Stadtratswahl angetreten. 14,8 Prozent der Wähler sicherten ihnen gleich fünf Mandate. „Wir sind motiviert und zuversichtlich, uns für die Interessen der Bürger von Zerbst einzusetzen“, freut sich der Ortsgruppenvorsitzende Dirk Tischmeier, dass sich die AfD nun als „echte Oppositionskraft im Stadtparlament“ wirken kann.

Ideen weiter einbringen

„Wir sind überglücklich, dass uns die Wähler so viele Stimmen geschenkt haben“, kommentiert Mario Rudolf den Ausgang der Wahl für die FFZ. „Das Ergebnis zeigt, dass uns die Wähler vertrauen und wir in der letzten Legislaturperiode nicht alles falsch gemacht haben“, erklärt der Fraktionsvorsitzende. „Wir haben immer viele Ideen und die wollen wir weiter einbringen“, sagt Rudolf.

Als „sehr bedrückend“ charakterisiert Alfred Schildt das Gesamtbild der Stadtratswahl mit Blick auf den hohen Zuspruch, den die AfD erhalten hat und der die anderen Parteien Stimmen kostet – auch seiner Partei Die Linke. Diese verlor zwei Mandate und ist künftig nur noch zu Dritt vertreten. „Aber das ist das Ergebnis und damit müssen wir umgehen und werden weiterhin eine vernünftige Politik für die Stadt machen“, so Alfred Schildt und ergänzt: „Mal schauen, wie sich die anderen verhalten.“

Liberale verlieren einen Sitz

Auch die FDP muss fortan auf einen Sitz verzichten. „Die AfD hat Stimmen abgezogen“, ist sich Fraktionsvorsitzender Steffen Grey bewusst. Statt vier haben die Liberalen fortan drei Mandate.

„Schade, dass wir unser Wahlziel nicht erreicht haben, einen Sitz dazuzugewinnen“, erklärt Nicole Ifferth. Zwar freut sie sich, dass die Unabhängige Wählergemeinschaft Zerbst (UWZ) erneut dem Stadtrat angehört, zugleich bedauert sie, dass die UWZ-Fraktion von drei auf zwei Vertreter schrumpft. „Nichts desto trotz wollen wir eine gute Arbeit machen“, bemerkt Nicole Ifferth.

Unveränderte Situation

Unverändert zu Zweit werden Die Grünen im Zerbster Parlament bei der Kommunalpolitik ein Wörtchen mitreden. „Wir hatten uns mehr erhofft und wollten den Schwung aus dem Bundestrend mitnehmen“, gesteht Christiane Schmidt. Dennoch ist sie mit der stabil gebliebenen Zahl an Mandaten zufrieden.

„Dieses Mal war es eng“, erklärt Günter Benke. Schließlich habe es aber doch noch geklappt, dass die Wählerliste Sport in seiner Person nach wie vor im Stadtrat aktiv sein kann. „Das Wichtigste ist, dass wir Fördermittel für den Sport bekommen“, ist er schon wieder mittendrin im politischen Tagesgeschehen.

Sitz gesichert

Obwohl es anfangs nicht so aussah, konnte die SPD am Ende einen Sitz mehr holen als bisher und zwar sechs. Damit etablieren sich die Sozialdemokraten als zweitstärkste Kraft hinter CDU und FFZ. „Das freut uns tatsächlich sehr, damit haben wir nicht gerechnet“, erklärt SPD-Mitglied Sebastian Siebert. Zumal dies eine Entwicklung entgegen des bundesweiten Trends sei.

Die meisten Stimmen von allen 83 angetretenen Bewerbern konnte Mario Rudolf (FFZ) auf sich vereinen. 1582 Kreuze machten die Wähler neben seinem Namen. „Ich mache die Arbeit im Stadtrat sehr gern“, bemerkt er hinsichtlich dieses positiven Votums.

Wirken aus der Opposition

Das zweitbeste Resultat mit 1491 Stimmen erzielte Steffen Dammann von der AfD, der sich im Kampf um das Bürgermeisteramt gegen Amtsinhaber Andreas Dittmann (SPD) geschlagen geben musste. „Mit so einem Ergebnis habe ich nicht gerechnet. Ich war wirklich überrascht, aber freue mich natürlich“, sagt Dammann. Aus der Opposition heraus, wie es schon Dirk Tischmeier angekündet hat, möchte er auf die Politik einwirken. „Man wird von uns hören“, versichert er.

Rang 3 in dieser Wertungsliste belegt Wilfried Bustro (CDU) mit 1221 Stimmen. „Da bin ich auch sehr stolz drauf“, gesteht der bisherige Stadtratsvorsitzende, der gern wieder seinen Hut für diese Funktion in den Ring werfen würde.

Wahlbeteiligung steigt

Die Wahlbeteiligung bei der Stadtratswahl lag dieses Mal bei 51,7 Prozent. 2014 traten nur knapp 42 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen.

Der Wahlausschuss der Stadt Zerbst tagt morgen ab 17 Uhr im Sitzungsraum des Rathauses. Dann werden die endgültigen Ergebnisse der Stadtratswahl festgestellt.