Zerbst l Keine Frage, die Karl-Marx-Straße ist schön geworden – kein Vergleich zum alten Kopfsteinpflaster, das Jahrzehnte das Straßenbild prägte. Zwischen Bahnhofstraße und Jannowitzbrücke ist nun auf 510 Metern Strecke Autofahrers Traum entstanden – glatter Asphalt, Parktaschen, frische Baumbepflanzung und ein neu gepflasterter Gehweg.

Punkt 11 Uhr war es Freitag so weit. Zerbsts Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD), baubeteiligter Firmen sowie Landes- und Lokalpolitik versammelten sich auf der grundhaft sanierten Straße, um das Ergebnis selbst zu begutachten. Allenthalben Händeschütteln und zufriedenes Schulterklopfen. Berechtigt? Jein.

Beitrag für die Wirtschaft

„Der Ausbau der Straße ist gleichzeitig ein Beitrag zur Wirtschaftsförderung“, sagt Bürgermeister Andreas Dittmann bei der offiziellen Übergabe. „Die ansässigen Unternehmen sind jetzt besser angeschlossen. Ich denke, das ist genau das richtige Signal seitens der Stadt. Dankeschön an alle Beteiligten, insbesondere an den Stadtrat, der die Entscheidung zum Ausbau mitgetragen hat. Ich hoffe, dass es auf der Straße und beim zweiten Bauabschnitt unfallfrei weitergeht.“

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Weiterhin merkte er an, dass dies eine denkwürdige Baumaßnahme ist. „Gleich ein paar Sachen finden hier das letzte Mal statt. Zum einen geht die Förderperiode des Landes zu Ende, aus der wir Mittel erhalten haben. Zum anderen ist es vermutlich die letzte Straße, die mit Straßenausbaubeiträgen ausgebaut wurde. Bei den jetzigen Diskussionen im Landtag bin ich gespannt, wann der Stichtag zur Abschaffung der Beiträge sein wird.“ Anstatt den Anliegern anteilig die Kosten des Ausbaus aufzuerlegen, müssen dann andere Töpfe gefunden werden. Welche das sein sollen, ist aber bisher unklar.

Die Bauarbeiten dauerten knapp neun Monate, etwas länger als geplant. „Ein paar alte Leitungen, sind bei den Arbeiten zu Tage gekommen und mussten verlegt werden. Es gibt zwar Bestandspläne, doch die sind nicht immer exakt. So sieht man alte Leitungen und Rohre erst, wenn man die Straße aufgerissen hat“, erklärt Matthias Neckmann, Geschäftsführer der Zetieba Straßen- und Tiefbau GmbH, der bauausführenden Firma. Immerhin hat der Verzug nicht mehr gekostet. Anders als auf anderen Baustellen ist man im Kostenrahmen geblieben. „Es war offensichtlich gut ausgeschrieben, und das Planungsbüro hat gute Arbeit geleistet“, sagt Matthias Neckmann.

Neue Straße, aber einfach war es nicht

Viel Licht wirft aber auch manchmal Schatten. Für einige der in der Karl-Marx-Straße ansässigen Unternehmen waren die monatelangen Bauarbeiten mehr als eine Herausforderung. „Die Arbeiter waren sehr bemüht, die Einschränkungen für uns in Grenzen zu halten. Dennoch war es ein schwieriges Jahr“, sagt Michael Heinrich, Geschäftsführer der Autolackiererei Heinrich und Richter.

Der Umsatz im Privatkundenbereich sei während der Bauarbeiten um 50 Prozent zurückgegangen. „Das ist schon eine Hausnummer“, erklärt Heinrich. Die Straße sei zwar im Prinzip offen gewesen, doch die Kunden hätten sich oft nicht getraut, sie zu nutzen. „Andere waren da weniger ängstlich. Durchgangsverkehr hatten wir hier jede Menge und seit die Straße mehr oder weniger fertig ist, wird hier bereits förmlich durchgeflogen“, ärgert sich der Unternehmer. Er hoffe wieder auf eine 30 km/h Begrenzung wie vor dem Ausbau.

Wenn er die letzten Monate kurz zusammenfassen solle, fällt ihm sofort ein treffendes Wort ein: „Beschissen!“ Heinrich: „Nichtsdestotrotz sind wir froh, dass die Straße jetzt fertig ist und der Kundenverkehr hoffentlich wieder wie vor den Arbeiten laufen kann.“

30 km/h auf der neuen Rennstrecke?

Mirko Enke, Geschäftsführer der an der Karl-Marx-Straße anliegenden Mechanischen Werkstatt Enke GmbH, kann den Frust von Unternehmen mit Privatkundenverkehr nachvollziehen. „Wir haben den Vorteil, dass wir nur Lieferverkehr haben und auch zwei Zufahrten zu unserem Gelände über die Karl-Marx -Straße und den Industrieweg. Für andere war es da schwieriger“, sagt er. Sich dieses Umstandes bewusst, hat die Firma tagsüber ihr Gelände geöffnet, so dass der öffentliche Verkehr darüber erfolgen konnte. Ansonsten lobt er die Zusammenarbeit mit Stadt und Baufirma. „Es waren stressige Monate, aber man ist auf unsere Bedenken und Vorschläge eingegangen.“

Einige Sorgen bereitet ihm aber die neu ausgebaute Straße. „Es ist jetzt eine richtige Rennstrecke.“ Er würde sich eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h wünschen. Dem erteilte Bürgermeister Andreas Dittmann auf Nachfrage jedoch zunächst eine Absage.

„Für uns war die alte Straße eine super Teststrecke“, sagt Matthias Schmidt, Niederlassungsleiter der Semcoglas GmbH, ebenfalls ansässig an der Karl-Marx-Straße. „Alles, was diese Straße überlebt hat, ist heil beim Kunden angekommen“, lacht er. „Aber natürlich freuen wir uns über die neue Straße“, so Schmidt.

Teil 2 startet

Schon am Montag, 9. Dezember, soll mit dem grundhaften Ausbau am zweiten Bauabschnitt in der Karl-Marx-Straße begonnen werden.  Dieser erstreckt sich von der Einmündung zur Jeverschen Straße bis zur Bahnhofstraße. Auf der 7,50 Meter breiten Fahrbahn soll ein Radfahrstreifen markiert werden. Parkseitig sollen 26 Parkplätze geschaffen werden.

Auf der bebauten Seite der Karl-Marx-Straße wird künftig ein Grünstreifen den Fußweg von der Fahrbahn trennen. In diesen werden zehn Linden gesetzt, die als Ersatz für die zu fällenden Bäume gepflanzt werden. Außerdem werden sechs neue Straßenlampen aufgestellt.

Begonnen wird am Montag im Kreuzungsbereich  an der Jeverschen Straße. „Dazu erfolgt die halbseitige Sperrung des Kreuzungsbereiches ohne Ampelbetrieb“, informierte Stadtsprecherin Antje Rohm. Es erfolgt der Straßenaufbruch im Bereich der Regen- und Schmutzwassertrasse und deren Neuverlegung und der provisorische Deckenschluss mit einer zehn Zentimeter starken bitu- minösen Tragdeckschicht.

Wurfzettel sollen Anlieger informieren

„Das wird etwa 14 Tage dauern“, so die Stadtsprecherin. Anschließend werde das Vorhaben in Richtung Adolf–Otto–Straße fortgeführt. Für die Tiefbauarbeiten sei es notwendig, diesen Abschnitt für den Durchgangsverkehr voll zu sperren.

Hier werden die Kanäle, die Trinkwasserleitung, die Gasleitung und das Kabel für die Straßenbeleuchtung erneuert. Die Einbindung der Trinkwasser- und Gasleitung in den Kreuzungsbereich Jeversche Straße werde zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt. „Die betroffenen Anlieger werden durch die ausführende Firma über den vorzeitigen Vorhabenbeginn in Form von Wurfzetteln informiert“, betont Antje Rohm. Später werden die Arbeiten bis zur Einmündung zur Bahnhofstraße fortgesetzt.

Angedacht war, dass die Arbeiten erst am 1. März starten und bis 31. Oktober abgeschlossen sein sollten.