Zerbst l Die Anregung, eigene Technik anzuschaffen, um die Straßenunterhaltung zu verbessern, kam von den Ortsbürgermeistern der Einheitsgemeinde Zerbst. Im Umland gibt es zahlreiche landwirtschaftliche Wege, die einst mit Fördermitteln angelegt wurden und sich teils in einem schlechten Zustand befinden.

Um dies zu ändern, hatte Stadtratsmitglied Thomas Wenzel (Freie Fraktion Zerbst; FFZ), zugleich Moritzer Ortsbürgermeister, die Anschaffung einer Bankettfräse oder eines Wegehobels für den städtischen Bau- und Wirtschaftshof vorgeschlagen. Damit allein ist es allerdings nicht getan. Aus dem Grund unternahmen die Mitglieder des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses im Juni 2019 einen Ausflug nach Wittenberg, wo die Kommunalservice GmbH solche Ausbesserungs- und Reparaturmaßnahmen an befestigten Wegen übernimmt. Die Gesellschafteranteile werden zu 51 Prozent von der Lutherstadt und zu 49 Prozent von den Wittenberger Stadtwerken gehalten. Dort erfuhren die Zerbster, welche Technik sinnvoll und notwendig und mit welchem personellen Aufwand zu rechnen ist.

Kostenvergleich wirft Fragen auf

Die Erkenntnisse flossen in die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Verwaltung ein, die Grundlage für die Entscheidung ist, ob die Straßenunterhaltung weiterhin über Drittfirmen oder als neue Kostenstelle zukünftig über den Bau- und Wirtschaftshof erfolgen soll. Die „akribische Zusammenstellung von so vielen Tabellen“, wie es Helmut Seidler (FFZ) ausdrückte, lag dem Bau- und Stadtentwicklungsausschuss nun auf seiner aktuellen Sitzung vor. „Da werden wir heute wohl nicht alles ausdiskutieren können“, vermutete der Ausschussvorsitzende und sollte mit seiner Annahme richtig liegen.

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) verteidigte die detaillierte Darstellung. Ziel war es, ausführlich darzustellen, zu welchen Konditionen die Stadt die Dienstleistung auf dem freien Markt bekommen könnte und was es kosten würde, die Wegeunterhaltung zukünftig komplett allein zu erbringen. Neben der Investition in notwendige technische Ausstattung fließen die Ausgaben für einzusetzendes Personal in die Betrachtung ein, um letztlich die Frage zu beantworten: Welche Variante ist die günstigere?

„Es handelt sich um eine fiktive Berechnung“, betonte Anja Behr, Leiterin des Amtes für Steuern, Beiträge und Beteiligungen. Wie sie darlegte, basieren die Zahlen unter anderem auf Rechnungslegungen vergangener Jahre. Mitunter wurden Durchschnittswerte ermittelt, Kosten hochgerechnet, aber auch Preissteigerungen bedacht, erläuterte sie mit Blick auf die Kalkulationen.

Unterm Strich kam heraus, dass jährlich unter günstigen Witterungsbedingungen Unterhaltungsmaßnahmen auf einer Gesamtfläche von 91.800 Quadratmetern realisiert werden könnten. Voraussetzung ist die Einstellung von drei Beschäftigten, die sich im Wegebau auskennen und von denen zwei jeweils vor Ort tätig sind, während sich einer um die organisatorischen Dinge kümmert und alles plant, so Anja Behr. Auch eine gewisse Technik sei vorzuhalten und neu anzuschaffen.

Angebote einholen und Details vertiefen

„Einen Wegehobel halte ich nicht für die geeignete Technik“, sagte Jürgen Borgsdorf (CDU). Denn dieser sei nur bei reinen Schotterstrecken einsetzbar, gab er zu bedenken. Auch mit dem Ergebnis der Stadtverwaltung, dass die Beauftragung einer Drittfirma die preiswertere Lösung ist, ging er nicht mit und zweifelte einige der Zahlen an.

„Ich kann nur empfehlen, die Unterhaltung selbst zu machen. Dann hast du es in der eigenen Hand“, betonte Jürgen Borgsdorf nicht zuletzt hinsichtlich der Qualität der Ausführung. „Es selbst besser zu machen, setzt voraus, dass wir versierte Mitarbeiter finden“, merkte Dittmann an.

Der Ausschuss verständigte sich zum einen, das Thema noch einmal zu vertiefen. Zum anderen soll ein Leistungspaket ausgeschrieben werden, um konkrete Firmenangebote zu bekommen und letztlich eine Entscheidung fällen zu können.