Zerbst l Ein „städtebaulicher Missstand“ soll endlich beseitigt werden. Von einem solchen sprach Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst) 2012, als er eine Lösung für den desolaten Zustand der Klosterhöfe einforderte. Immer wieder versuchte er, das unter Denkmalschutz stehende Viertel ins Bewusstsein zu rücken. Jedoch war die Schwerpunktsetzung hinsichtlich der Prioritätenliste für das seit 1992 bestehende Sanierungsgebiet „Altstadt Zerbst“ zunächst eine andere.

Inzwischen ist Seidler Vorsitzender des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses, der sich nun tatsächlich mit der Verbesserung der schlechten Straßen- und Wegeverhältnisse im Kleinen Klosterhof beschäftigte – der Große soll folgen. Insgesamt 590.000 Euro sind im Haushaltsplan 2020 für das ganze Wohn- und Geschäftsquartier eingestellt. Zwei Drittel der Gelder werden über das Programm „Stadtumbau Ost“ gefördert. Der Bescheid über die rund 393.300 Euro liegt bereits vor.

Maßnahme startet September oder Oktober

„Unser Ziel ist es, im September / Oktober mit der Maßnahme zu beginnen“, sagt Lutz Voßfeldt vom Zerbster Ingenieurbüro Wasser und Umwelt. Auf der jüngsten Ausschusssitzung stellte er drei Varianten zur Sanierung des Kleinen Klosterhofes vor. Bei der Erarbeitung der Vorschläge orientierte sich der Planer an Pflastervarianten, die in der Stadt schon vorhanden sind – auf der Schloßfreiheit oder dem Markt.

Momentan dominiert holpriges, unebenes und mit teils tiefen Dellen und so einigen Stolperstellen versehenes Kopfsteinpflaster den insgesamt knapp 300 Meter langen U-förmigen Straßenzug des Kleinen Klosterhofes. Einzig der Abschnitt von der Marienpforte zur Breite verfügt über einen mit glatteren Steinen angelegten Mittelstreifen, der noch am sichersten zu Fuß oder mit dem Rad passierbar ist. Genau diese Gestaltung greift die erste der beiden vom Bauausschuss favorisierten Ausführungsmöglichkeiten auf.

Graue Granitsteine oder Kleinpflaster

Bei dieser Variante 1 wird der 1,50 Meter breite mit grauem Granitsteinen gepflasterte Streifen in der Mitte beidseitig – jeweils getrennt von einer schmalen Gosse – von Findlingspflaster gesäumt, das bis zu den Häusern heranreicht. Kleinpflaster wie im Gehwegbereich auf dem Markt, die sogenannte Zerbster Mischung, sieht hingegen Variante 3 vor, die sich ebenfalls auf den gesamten Kleinen Klosterhof bezieht.

„Der noch vorhandene Gehweg verschwindet“, erläutert Lutz Voßfeldt. Zugleich betont er, dass geschnittene Materialien zum Einsatz kommen. Ältere Menschen mit Rollator sollen die Strecke künftig ebenso gefahrlos nutzen können wie beispielsweise Rollstuhlfahrer. Angedacht sei zudem, den Kleinen Klosterhof als Einbahnstraße auszuweisen, erzählt der Planer.

Platten könnten kaputt gehen

Abgewählt wurde die Variante 2 mit den mittig gesetzten Granitplatten im Granitpflaster. Grund war die Befürchtung, dass die Platten vielleicht kaputt gehen könnten, wenn regelmäßig Autos darüber fahren.

„Der Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung ist am Dienstag raus“, hofft Lutz Voßfeldt auf einen raschen Termin mit der Behörde. Immerhin soll die Sanierung des Kleinen Klosterhofs wie erwähnt im Herbst starten. Vorab müssen die Ausschreibung und die Vergabe der Leistungen erfolgen. Übrigens sollen im Zuge der Tiefbaumaßnahme auch die Trinkwasserleitung und der Schmutzwasserkanal erneuert werden.