Zerbst l In den vergangenen Tagen und Wochen hatte die Zerbster Tafel-Chefin Ute van Tulden mit ihren Mitarbeitern, Ehrenamtlichen und zahlreichen fleißigen Helfern eine wahre logistische Meisterleistung zu stemmen. Möbel, Kühlgeräte, Küchentechnik und nicht zuletzt Massen an Lebensmitteln mussten von den bisherigen Räumlichkeiten im ehemaligen „Kreml“ in der Jeverschen Straße ins neue Domizil, der ehemaligen Grundschule im Ankuhn in der Grünen Straße transportiert werden.

Doch zum Durchatmen haben die Ehrenamtlichen rund um Ute van Tulden keine Zeit. Kaum ist der Umzug abgeschlossen, wartet eine schon eine neue Herausforderung. „Die Corona-Pandemie beeinflusst natürlich auch unsere Arbeit enorm“, sagt die Tafel-Chefin. Vor allem hapere es an Schutzutensilien wie Desinfektionsmittel, Einweghandschuhen oder Mund- und Nasenschutzmasken. Der Landkreis habe vor wenigen Tagen Schutzmaterialien verteilt, „an die Tafel hat da aber niemand gedacht“, so Ute van Tulden.

Lieferservice sei machbar

Van Tulden: „Die Raben-Apotheke auf dem Markt hat uns freundlicherweise Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt – kostenfrei“, freut sich die Tafel-Chefin. Doch auch Handschuhe und ein paar Schutzmasken wären hilfreich. Man behelfe sich irgendwie selbst. „Wir wollen die Bedürftigen in diesen schwierigen Zeiten nicht im Stich lassen“, sind sich van Tulden und ihre Helfer einig. Keine habe auch nur einen Moment gezögert, als die Frage im Raum stand, weitermachen oder pausieren? Sogar ein Lieferservice sei machbar.

Bilder

„An Lebensmitteln fehlt es derzeit eher nicht. Am Anfang der Corona-Krise sind die Spenden zurückgegangen. Mittlerweile hat sich das wieder eingepegelt“, erklärt van Tulden. Auch der Bundesverband der Tafeln bemühe sich derzeit mehr um Lebensmittelspenden – mit Erfolg. „Es gibt viele Großspenden aus der Industrie, ganze Paletten, die dann unter den Tafeln verteilt werden müssen“, so die Zerbster Tafel-Chefin. Das bedeute natürlich auch eine Menge Fahrerei und höhere Benzinkosten.

Spender helfen Zerbster Tafel

„Auch mehrere Spender aus Zerbst und den umliegenden Ortschaften haben an uns gedacht“, freut sich van Tulden und ist dankbar für die Unterstützung. So habe die Kita Lindau nach der Schließung beispielsweise das restlich Obst, das sie noch auf Lager hatten zur Tafel gebracht und sogar noch eine kleine Geldspende dagelassen.

„Auch das Rittergut Loburg hat direkt an uns gedacht, als sie schließen mussten. Da sind wir jetzt bereits zum dritten Mal gewesen und haben Lebensmittel geholt“, sagt van Tulden. Bei den Supermärkten habe sich im Prinzip nicht viel geändert. „Ich verstehe nicht, was andere Tafeln gerade sagen, denn Grundnahrungsmittel wie beispielsweise Nudeln oder Konserven haben wir auch vor Corona eher selten bekommen. Von den Märkten erhalten wir meist Obst und Gemüse“, erklärt die Tafel-Chefin.

Einnahmen fehlen

Was im Moment problematisch sei, es fehlten die Einnahmen der Suppenküche. „Mit den Einnahmen finanzieren wir zum Teil die anfallenden Nebenkosten, wie unter anderem das Benzin für den Transporter“, erläutert van Tulden die momentanen Schwierigkeiten. Ähnlich sehe es auch mit der Absage des Bollenmarktes aus. „Auch diese Einnahmen unseres Standes helfen, die Nebenkosten zu stemmen“, so van Tulden.

Einen kleinen Lichtblick gebe es allerdings. Die Suppenküche, also das „Restaurant mit Herz“, könne wieder öffnen. „Wir werden am Dienstag nach Ostern die Suppenküche wieder in Betrieb nehmen, allerdings nur zur Abholung. Also in unseren Räumen darf nicht gegessen werden, aber die Leute können ihr Mittagessen mitnehmen“, freut sich van Tulden auf hoffentlich ein paar Euro Einnahmen.

Lebensmittel- und Geldspenden sind willkommen

Van Tulden ist froh, das ihre ehrenamtlichen Helfer trotz aller Schwierigkeiten weiter alles geben, um den Bedürftigen zu helfen, natürlich unter Beachtung der momentan geltenden Bestimmungen. „Weitere Helfer brauchen wir derzeit nicht, Lebensmittel- und Geldspenden sind aber immer willkommen“, betont Ute van Tulden.