Zerbst l Da flatterte Post in die Briefkästen einiger Jütrichauer, auch in Leps, Eichholz und Kermen waren Briefe zu finden. Post von der Telekom. Briefe überschrieben mit „Kündigung ihres Vetrages“ oder „Bitte handeln Sie jetzt – sonst wird ihr Anschluss abgeschaltet.“ Und das in Zeiten, in denen in den Ortschaften der Breitbandausbau vorangetrieben wird – allerdings nicht von der Telekom, sondern von der MDDSL. „Es kann nicht sein, dass die Telekom dort Verträge kündigt, wo MDDSL ausbaut“, schloss sich Denis Barycza (Freie Fraktion Zerbst; FFZ) seiner Fraktionskollegin, der Lepser Ortsbürgermeister Anika Johannes an. Sie nutzte die jüngste Stadtratssitzung, um darauf hinzuweisen, dass mehrere Einwohner Schreiben der Telekom erhalten haben, in denen ihnen die Abschaltung ihres Anschlusses angekündigt wurde.

Alte Verträge laufen über altes Netz

Die Stadt sollte sich diesbezüglich positionieren und das Gespräch mit dem Unternehmen suchen, fand Denis Barycza, dem der Sachverhalt als Ortsbürgermeister von Jütrichau ebenfalls bekannt war. Einfach die Verbindungen zu kappen – zu Anfang Dezember – nur, weil man dort künftig nicht mehr der Anbieter ist, sei kein haltbarer Zustand „Wir greifen das gern auf und geben es weiter“, erklärte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) noch in der Sitzung.

Die Vertragskündigungen begründet die Telekom in ihren Anschreiben mit der „Umstellung auf das Telekommunikationsnetz der Zukunft“, mit dem Daten künftig noch schneller übertragen werden. Die laufenden Verträge seien noch auf das bisherige Netz abgestimmt und könnten nicht unverändert weiterlaufen. Künftig sollen sogenannte IP-basierte Anschlüsse genutzt werden, für die Internet nötig ist.

Neue Verträge Neue Vert

Aus diesem Grunde würden die betroffenen Kunden gebeten, sich bezüglich des Abschlusses eines neuen Vertrages mit der Telekom in Verbindung zu setzen. Denn eigenständig dürfe das Unternehmen Verträge nicht ändern. Betroffen sind jeweils alle Produkte und Leistungen, die zu einem Anschluss hinzugebucht wurden.

Georg von Wagner, Pressesprecher der Deutschen Telekom, bestätigt die Vertragskündigungen auf Volksstimme-Nachfrage. Diese seien allerdings nicht auf Zerbst und Umgebung beschränkt, sondern betreffe alle Anschlüsse in ganz Deutschland, betont der Pressesprecher. Wie er schildert, treibe das Unternehmen schon seit etwa sechs Jahren bundesweit die Modernisierung seiner Festnetzanschlüsse voran. „Dabei geht es darum, dass die alte, analoge Plattform einer neuen digitalen Plattform weicht“, erläutert von Wagner.

Neue Tarife sollen günstiger sein

In Folge dessen werde das alte Netz sukzessive außer Betrieb genommen. Dazu wiederum sei es nötig, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) anzupassen. „Darüber informieren wir die Kunden, in dem wir sie über diese Änderungen in Kenntnis setzen und bitten sie gleichzeitig in einen neuen Tarif der Telekom zu wechseln“, schildert der Pressesprecher.

Die erforderlichen Vertragswechsel würden auch etwas Positives mit sich bringen: Die neuen Tarife seien in der Regel günstiger als die jetzigen und würden mehr Qualität bieten. „Mit der Änderung der AGB einher geht aber auch, dass wir Kunden, die sich trotz unserer mehrmaligen Anschreiben nicht zurückmelden, signalisieren müssen, dass ihr jetziger Vertrag ausläuft und auch nicht verlängert wird“, bemerkt von Wagner. Und somit die Nummer des Vertragspartners dann abgeschaltet werden würde.

Bürger wollen laut werden

Was dabei aber anscheinend nicht bedacht wurde: Was ist, wenn es kein Internet gibt? Stadträtin Anika Johannes wohnt in einer der Ortschaften und hat es selbst erlebt. „Eichholz und Leps wurden jetzt von der MDDSL ausgebaut. Hier kann man jetzt anscheinend auch wechseln. Das Unternehmen zeigt sich verständig. Was man von der Telekom nicht behaupten kann. Doch was ist mit Kermen? Da gibt es keinen Ausbau. Da sitzen die Leute jetzt ohne Telefon da. Das kann doch nicht sein?!“, erzählt sie.

Es habe Bürgerinformationsabende vor dem Ausbau gegeben, an denen aber nie die Rede davon gewesen sei, dass die Telekom plötzlich alles aufkündigt. Jetzt wollen sich die Bürger stark machen und laut werden, kündigt sie an.