Zerbst l Sie haben eineinhalb Jahre die Schulbank gedrückt, und jetzt ist es vollbracht: Zerbst hat drei neue Gästeführer. Susanne Baumgart, Brunhild Wuttig und Uwe Marczok werden künftig neben den neun anderen Gästeführern, die ausgebildet und zertifiziert in Sachen Zerbster Stadtgeschichte sind, Touristen und Geschichtsinteressierte durch die Stadt geleiten können.

Eineinhalb Jahre lang für den Job als Gästeführer einmal pro Woche Geschichte lernen, das ist kein Pappenstiel, weiß auch Tourismus-Chefin Viola Tiepelmann. Um so mehr freut es sie, dass der Kurs der Kreisvolkshochschule Anhalt-Bitterfeld mit dem Standort Zerbst zustande kam. Sechs Teilnehmer starteten den Kurs, viele einfach aus geschichtlichem Interesse, drei von ihnen machten am Ende auch die Prüfung – schriftlich wie auch praktisch.

In der Praxis Feuer gefangen

„Dass das geklappt hat, freut uns sehr. Wir brauchen die Unterstützung, vor allem jetzt, wo wieder die Saison beginnt“, so Viola Tiepelmann. Aber was war ausschlaggebend, dass die zwei Frauen und ein Mann sagten: „Wir wollen das lernen?“

Zusammenhänge sehen

„Ich hab schon lange Interesse dafür. Ich komme aus Buhlendorf und habe da auch die Geschichte des Buhlendorfer Speichers mit aufgearbeitet. Viele Besucher dort interessierten sich auch über die Buhlendorfer Grenzen hinaus für die Geschichte, und ich wollte da einfach auch etwas zu sagen können. Jetzt kann ich es, und es ist schön, auch die Zusammenhänge zu sehen und erklären zu können. Zerbst gehört eben auch zur Buhlendorfer Geschichte“, sagt Susanne Baumgart.

Uwe Marczok hatte schon vorher in der Praxis etwas Blut geleckt. Er wirkt bereits seit Jahren bei den begehrten Nachtführungen in Zerbst als Darsteller mit. „Viola Tiepelmann brachte mich auf die Idee, das mit dem Kurs zu vertiefen, und da habe ich Feuer gefangen“, verrät er und beschreibt den Kurs nicht nur als reinen Unterricht, sondern auch als Erlebnis. „Wir hatten viele verschiedene Vorträge an ganz verschiedenen Orten. Viele Zerbster gaben uns ihr Wissen weiter, vom Pfarrer, über den Bürgermeister bis zur Museumsleiterin. Und wir durften in dem Zuge auch mal an Orte gehen oder Dinge sehen, die normalerweise verschlossen sind“, schwärmt er schon fast.

„Solche engagierten und interessierten Leute sprießen nicht einfach so aus dem Boden“, weiß Viola Tiepelmann. Denn auch wenn die Zahl der Gästeführer sich erst einmal gut anhöre, sei es trotzdem schwer, damit zu haushalten. Im Jahr finden rund 100 Führungen in Zerbst statt, mit unterschiedlichen Zeiten, Themen, Routen und auch Sprachen. Die Gästeführer machen die Einsätze gegen einen kleinen Obolus und werden frei eingeteilt. „Es hat immer mal jemand Urlaub, ist krank oder kann ganz einfach nicht, oder es sind an einem Termin so viele Nachfragen, dass wir ins Schleudern kommen“, erklärt Tiepelmann. Drei mehr, auf die man zurückgreifen könne, seien da ein großes Glück.

Die Saison hat begonnen

In den vergangenen 27 Jahren haben drei solcher Gästeführer-Kurse seitens der Kreisvolkshochschule Anhalt-Bitterfeld Standort Zerbst stattfinden können. „Ohne diese Mithilfe und die Organisation der Kreisvolkshochschule gäbe es keine neuen Gästeführer“, betont Viola Tiepelmann. Die Tourist-information könnte so eine Ausbildung in der Organisation nicht allein stemmen, sagt sie.

Wann die ersten Führungen für die drei „Neuen“ stattfinden, weiß Tiepelmann jetzt noch nicht. Aber es wird sicherlich nicht lange dauern, denn die Saison hat begonnen.