Zerbst l Spaziergänger haben am Donnerstagmorgen am Stadtrand ein totes Reh entdeckt. „Wir gehen täglich diese Runde mit unserem Hund“, sagt die Leserin, deren Namen nicht genannt werden soll (Name ist der Redaktion bekannt). Viele Anwohner aus der Siedlung am Amtsmühlenweg würden die Feldmark nutzen, um mit ihren Hunden eine Runde zu drehen, schildert sie.

Das Tier hat zwar Verletzungen unter dem Auge und am Hinterkopf, Bissspuren an der Kehle des Rehs waren äußerlich zu erkennen. Ob es sich bei dem getöteten Tier also um einen Wolfsriss handelt, kann wohl nur ein Fachmann nach Inaugenscheinnahme beurteilen. „Hier ist eigentlich immer etwas los, es gibt kaum eine Tageszeit, wo man hier keinen Bewohner der Siedlung mit seinem Vierbeiner trifft“, erzählt die junge Frau. Angst habe sie keine. „Dennoch ist das schon ein seltsames Gefühl zu wissen, dass sich vielleicht Wölfe so nah an der Siedlung, also an bewohnten Gebieten, aufhalten“, sagt die Anwohnerin.

Wolf im Verdacht

Was ihr auch aufgefallen sei, seit einigen Tagen sind weit weniger Rehe auf den Feldern zu beobachten als sonst üblich. Ob dieser Umstand mit dem toten Tier und Wölfen zu tun hat, die sich vielleicht nahe der Felder aufhalten, bleibt fraglich.

Jonas Döhring, der Wolfsbeauftragte der Zerbster Jägerschaft hält das tote Tier aller Wahrscheinlichkeit nach für einen Wolfsriss. Es gebe einige Hinweise, dass hier vermutlich ein Wolf das Reh gerissen hat. Das tote Tier hatte ein Lebendgewicht von etwa 20 Kilogramm.

Schleifspur

„Wir haben hier eine Schleifspur, wo der Wolf den Pansen aus dem Körper rauswürgt, damit er das Fleisch fressen kann“, erläutert Jonas Döhring die Spurenlage.

Kehlbiss

Das eindeutigste Indiz, dass für einen Wolfsriss spricht, sei ein Kehlbiss. „Das erkennt man an den beiden Einblutungen unter der Haut, die durch die beiden Eckzähne des Wolfes entstanden sind. Diese haben einen Abstand von etwa 4,5 bis 5 Zentimetern“, erklärt der Wolfsbeauftragte.

Ein weiterer Hinweis auf den Wolf sei die Spurenlage am Fundort des toten Rehs. „Auch die Fährte in diesem Bereich lässt den Schluss zu, dass hier vermutlich ein Wolfsriss vorliegt“, ist sich Döhring ziemlich sicher. Vermutlich sei der Wolf gestört worden, ließ darum von seiner Beute ab und habe das Weite gesucht. Das Wolfskompetenzzentrum habe er informiert und den Vorfall protokolliert.

„Meldungen über Wolfssichtungen, unter anderem im Raum Hohenlepte, hat es bereits gegeben. Hier fehlt aber ein eindeutiger Beweis, wie beispielsweise ein Foto“, sagt Jonas Döring.