Zerbst l Am 10. September wurde in Brandenburg erstmals ein Fall von Afrikanischer Schweinepest offiziell bestätigt. Seither wurden dort fast 40 weitere Fälle registriert – allesamt Wildschweine. Sachsen-Anhalt hat die Tierseuche bislang nicht erreicht. Dennoch laufen auch hierzulande die Vorbereitungen für den Tag X, an dem das Virus auftaucht, das zwar für Menschen ungefährlich, für Schweine allerdings tödlich ist. So zielen die per Verordnung festgelegten Maßnahmen vor allem darauf ab, Hausschweine zu schützen – das betrifft neben der privaten vor allem die landwirtschaftliche Tierhaltung.

Zu den Schweinehaltern in der Region gehört die Agrargenossenschaft Bornum mit Sitz in Trüben. Allein 480 Sauen besitzt der Betrieb. Samt Ferkeln und Tieren für die Mast stehen insgesamt rund 5000 Schweine in den Ställen, wie Geschäftsführer Mario Gaube sagt. Er erzählt vom strengen Hygienestandard, der hier bereits seit 2009 umgesetzt wird.

Angst vor Sperrzone

Demnach sind es nur vier Mitarbeiter, die direkten Kontakt mit den Tieren haben. Um die Übertragung von Krankheiten möglichst auszuschließen, gehören Duschen und das Wechseln der Kleidung für sie längst zum Arbeitsalltag. „Alles andere muss durch die Schleuse und wird desinfiziert“, ergänzt Gaube. Zudem sei die Anlage eingezäunt. „Wildschweine sollten nicht reinkommen“, sagt er. Seine größte Angst ist auch nicht, dass sich die Schweine mit der tödlichen Tierseuche infizieren, „sondern, dass wir in die Sperrzone geraten“, sagt Mario Gaube.

Sobald ein nachweislich mit dem Virus angestecktes Wildschwein entdeckt wird, greift ein vorgegebener Einsatzplatz, bei dem rund um den Fundort Restriktionszonen eingerichtet werden. Nach Aussage des Landkreises Anhalt-Bitterfeld umfasst die Kernzone, die mit einem Elektrozaun umgrenzt werden würde, einen Radius von rund vier Kilometern. Für diese Gebiet würde ein striktes Betretungsverbot gelten. Noch weiter – bis acht Kilometer – reicht demnach das so genannte gefährdete Gebiet. In beiden Bereichen wäre das weitere Bewirtschaften der dortigen Nutzflächen genauso verboten wie das Verbringen – sprich der Verkauf – von Schweinen.

Angst vor Verkaufsverboten

Und genau davor hat Mario Gaube die meiste Angst. Zumal die Preise schon eingebrochen sind. Gab es vor dem Ausbruch der Tierseuche noch 1,80 Euro für das Kilogramm Schweinefleisch, sind es jetzt nur noch 1,27 Euro. „Und China und Südkorea haben schon einen Importstopp für Schweinefleisch aus Deutschland verhängt. Das trifft voll“, sagt er.

So steht bei der Agrargenossenschaft Bornum mittlerweile durchaus die Frage im Raum, ob an der Schweinehaltung festgehalten wird. „Das haben wir schon diskutiert“, gesteht Mario Gaube. „Eigentlich wollen wir es noch ein paar Jahre machen“, sagt er. Doch auf Dauer nur zuzahlen, das könnten sie sich nicht leisten.

Versicherung soll vor Ausfällen schützen

So ist die Schweinepest unter den hiesigen Landwirten momentan das beherrschende Thema. Regelmäßig unterrichtet der Bauernverband „Anhalt“ seine Mitglieder über die aktuelle Situation, wie Geschäftsführer Mirko Bader schildert. „Wir haben schon vor Monaten zu einer zusätzlichen Versicherung geraten, die nicht nur die Tiere, sondern auch die Ackerkulturen absichert und damit die Ausfälle versichert“, erzählt er.

Ansonsten erwarte der Verband natürlich schnelle Hilfe von den Behörden. Zudem sollten die Elektrozäune nicht nur zur Attrappe stehen, spielt Mirko Bader auf einige Fälle in Brandenburg an, wo Zäune Löcher aufwiesen und Drähte keinen Strom führten.

Virus darf nicht eingeschleppt werden

Oberstes Ziel ist es zu verhindern, dass infizierte Wildschweine das Virus einschleppen. Aus dem Grund würde das Schwarzwild beim Nachweis der Schweinepest innerhalb der bis 16 Kilometer großen Pufferzone auch intensiv bejagt werden.