Zerbst l Knapp 50 Eltern wagten sich vor Kurzem an jenen Ort zurück, den sie schon lange hinter sich gelassen hatten: Die Schulbank! Auf dem Lehrplan der freiwilligen Unterrichtseinheit in der Aula des Francisceums stand „Das Lernen lernen.“ Dazu konnte Lerncoach Jens Kühn vom Berliner Verein „LVB Lernen“ gewonnen werden.

„Der Vortrag heute richtet sich ausschließlich an die Eltern. Wir wurden von der Schulleitung angefragt und haben mit ihr gemeinsam heute diesen Abend organisiert. Unser Verein setzt sich für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit ein. Erklärtes Ziel ist es, dass die Kinder motivierter lernen und Spaß dabei haben“, sagt Jens Kühn.

Charmant und amüsant gestalteter Abend

Und damit das auch gelingt, sollte den Eltern im Rahmen des zweistündigen Vortrages ein besseres Verständnis für die Schul- und Lernprobleme ihrer Kinder vermittelt werden.

Das Wort „Vortrag“ an sich klingt wenig spannend, ja eher das Gegenteil. Doch Jens Kühn schaffte es auf charmante und amüsante Weise unter steter Einbeziehung der Eltern, die zwei Stunden wie im Flug vergehen zu lassen.

Der Abend war dazu in zwei Teile gegliedert. „In Teil eins geht es um logische Dinge wie Lerntechniken und Lernmethoden, und wie das eigentliche Lernen genau abläuft“, erklärt der Coach. „In Teil zwei geht es um die ebenso wichtige emotionale Komponente. Wir alle sind ja unterschiedliche Lerntypen. Dazu haben wir eigenes Lerntypenmodell entwickelt, das ich den Eltern vorstelle“, sagt er weiter.

„Denken Sie doch bitte mal an einen Zipperot“, bittet er die Eltern gleich zu Beginn des Vortrages. Allenthalben leere, fragende Gesichter. „Sehen Sie, so geht es Ihren Kindern auch. Tagtäglich werden sie im Unterricht mit Begriffen konfrontiert, die sie nicht einordnen oder mit Erfahrungen verknüpfen können. Nur durch wiederholtes Lernen, Strukturieren und Einordnen bleibt aber Neues auch im Gedächtnis.“ Der Begriff war natürlich ausgedacht.

Ordnung und Struktur helfen beim Lernen

Später teilt Jens Kühn Zettel aus. Darauf stehen 20 Begriffe. Die Eltern haben zwei Minuten Zeit, sich diese zu merken. Nach Ablauf der Zeit bittet er Freiwillige, die Begriffe in der richtigen Reihenfolge zu nennen. Die ersten Freiwilligen schaffen vier bis sechs Begriffe. Weiter vorn in der Aula sitzt jedoch eine Mutter, die tatsächlich alle 20 Begriffe aufzählen kann. Applaus.

Jens Kühn klärt auf: „Es stehen auf allen Zetteln die gleichen Begriffe. Auf denen in den hinteren Reihen jedoch ungeordnet, auf denen, die ich weiter vorn ausgeteilt habe, geordnet in Spalten und nach passenden Kategorien.“ Ein wunderbares Beispiel, wie wichtig Ordnung und Struktur beim Lernen ist - unter anderem auch in der Hefter-Führung. Das Experiment war ein wahrer Augenöffner.

In dieser praxisnahen Art, mit vielen Tipps und Hinweisen zum richtigen Lernen, verflog der Abend wie im Nu, und die Eltern bekamen so mehr Verständnis für ihre Kinder vermittelt. Jens Kühn erklärte den Eltern, wie Lernen funktioniert, wie man Lernstoff aufnimmt und wie man sich mit den richtigen Lerntechniken - wie Ordnung, Struktur, mittels Geschichten lernen, über Reime oder Bilder lernen - den Lernstoff länger und besser merken kann, um das dann an ihre Kinder weiterzugeben.

Vier Lerntypen werden unterschieden

Vor allem das Lerntypenmodell war erhellend. Jens Kühn unterschied dabei vier Typen: den logisch-abstrakten, den sicherheitsliebenden, den emotionalen Lerntypen und den kreativen Chaoten. Und so gingen die Eltern am Dienstagabend mit dem Wissen nach Hause, welcher Lerntyp sie sind und welcher ihr Kind ist und vor allem, warum es an manchen Stellen zu Kommunikationsproblemen kommt und wie man diese umgehen kann.