Zerbst. „Wir sollten als Stadtrat und Verwaltung nicht zusehen, wie die Fische sterben.“ Mit diesen klaren Worten wendet sich Alfred Schildt (Linke) an die übrigen Mitglieder des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses. Er nutzt die Sitzung am Dienstagabend, um den derzeitigen Zustand des Schlossteiches anzusprechen. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und des unzureichenden Zulaufes aus der Nuthe ist der Wasserstand deutlich gesunken. Der Lebensraum von Karpfen, Schleien, Plötzen und Hechten ist bedroht.

Das beschäftigt ebenfalls die Mitglieder des Zerbster Anglervereins, die das Gewässer bewirtschaften, das sich im Eigentum der Stadt befindet. Alfred Schildt gehört zu ihnen. „Ich bin selbst aktiver Angler“, verrät er gegenüber der Volksstimme. Unterdessen berichtet er im Ausschuss von einer Begehung des Schlossteiches, an der neben ihm selbst der Vereinsvorsitzende Michael Kirchner und sein Stellvertreter Gerhard Wurche sowie zwei weitere Angler teilnahmen. „Gemeinsam haben wir uns angeschaut, wie der Teich gespeist wird und wo das Wasser wieder abläuft“, berichtet Alfred Schildt.

Fischsterben verhindern

Zusammen wurde überlegt, wie in Anbetracht der prekären Situation ein Fischsterben verhindert werden kann. „Eine Alternative wäre das Abfischen“, erläutert der Linken-Politiker im Volksstimme-Gespräch. Zwar könnten die Angler mit Wathosen in den Teich gehen, würden aber sofort tief im Schlick versinken, beschreibt Alfred Schildt die schwierige Umsetzung eines solchen Vorhabens. Ein Boot hingegen würde bei dem niedrigen Wasserpegel sofort auf dem Grund schleifen.

Eine Notlösung wäre, die Nuthe etwas anzustauen, erklärt er im Ausschuss. Diesbezüglich sei die Untere Wasserbehörde kurzfristig zu einem Gespräch bereit, hat Schildt in Erfahrung gebracht und stellt den Antrag, dass sich die Verwaltung mit der beim Landkreis angesiedelten Wasserbehörde in Verbindung setzt.

Kies vom Bauhof

Angedacht sei, so Alfred Schildt, dass der Bauhof Kies anliefert, den die Angler dann entsprechend einbauen. Die Initiative müsse aber von der Stadt ausgehen, betont er.

Wie Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) schildert, ist die Verwaltung bislang nicht untätig gewesen. Im Gegenteil. So sei man derzeit bemüht, für die Wehranlage, mit der der Nuthezufluss in den Teich reguliert werden kann, das Staurecht zu übernehmen und sich dieses dauerhaft zu sichern. Momentan gibt es kein gültiges Wasserrecht zur Bewirtschaftung des so genannten „Schreck‘schen Wehres“ in der Magdeburger Straße.

Zustand der Anlage

Laut Aussage von Kreissprecher Udo Pawelczyk (Volksstimme vom 31. Juli) befindet sich die lange Zeit nicht genutzte Anlage allerdings in einem „sehr desolaten Zustand“, weshalb rein technisch eine Wasserregulierung nicht möglich sei. Vom tatsächlichen Zustand der Anlage überzeugte sich gestern Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella gemeinsam mit ihrer Kollegin Heike Krüger vom Bau- und Liegenschaftsamt.

Alfred Schildt nahm ebenfalls an der Besichtigung teil. Denn wie er im Ausschuss betonte, ist eine langfristige Lösung notwendig, um den Schlossteich als attraktives und fischreiches Gewässer zu erhalten. Dabei müsse das Thema auch im Zusammenhang mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie gesehen werden.

Rückbau von Stauanlagen

Diese zielt darauf ab, Flüsse wie die Nuthe in einen „guten ökologischen Zustand“ zu versetzen. Das beinhaltet unter anderem den ersatzlosen Rückbau von Stauanlagen, den Umbau von Sohlgleiten oder auch die Anbindung an Altläufe – sprich, die Renaturierung der Fließgewässer, die nicht zuletzt für Wanderfischarten wieder durchgängig passierbar sein sollen.

Das trifft auch auf die Nuthe zu, in die regelmäßig tausende von jungen Meerforellen und Lachsen ausgesetzt werden. Und das mit Erfolg. Inzwischen konnten bereits mehrere zum Laichen zurückgekehrte Fische dokumentiert werden.