Der Wettbewerb

Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für biologische Vielfalt erklärt. Hintergrund ist, dass die Artenvielfalt weltweit stark abnimmt. Zentrales Instrument ist – neben der Öffentlichkeitsarbeit – der Wettbewerb für UN-Dekade-Projekte und -Beiträge. Eine Expertenjury trifft die fachliche Auswahl. An der Abstimmung des Monatsprojektes kann jeder teilnehmen. Aus allen Monatsprojekten eines Jahres wählt die Jury ein Jahresprojekt, das ein Preisgeld von 1000 Euro erhält.

Steckby l Freudestrahlend hält Antje Weber die Urkunde in Händen, die ihr Umweltstaatssekretär Klaus Rehda gerade überreicht hat. Es ist die Würdigung der Verdienste der mehr als 80 Ehrenamtlichen, die sich landesweit im Arbeitskreis Biberschutz engagieren und dessem Vorstand die junge Frau angehört. Sie hat die Bewerbung für den Wettbewerb der UN-Dekade Biologische Vielfalt verfasst, der jetzt zur Auszeichnung als Monatsprojekt führte.

Im Projekt „Alles im Fluss – der Elbebiber und sein Lebensraum“ hat Antje Weber die vielfältigen Tätigkeiten des Arbeitskreises dargestellt, der mittlerweile seit über 40 Jahren existiert. „Wann genau wir uns gegründet haben, ist unklar“, nennt Vorstandsmitglied Peter Ibe den Zeitraum zwischen 1973 und 1975, vielleicht auch schon 1971. Trotz intensiver Recherchen lässt sich bislang kein Datum nachweisen, wie er auf der Tagung zum „Biberschutz in Sachsen-Anhalt“ erklärt.

Steckby ist Wiege des Biberschutzes

Über 40 Teilnehmer zählt die Veranstaltung, die am Sonnabend in Steckby stattfindet – an „historischer Stätte“, wie Ibe anmerkt. Er erinnert unter anderem an den Amtmann Max Behr (1857-1934), der mit dem Pflanzen von Weiden und Errichten von Biberrettungshügeln den Grundstein des aktiven Biberschutzes in der Region legte. Immerhin war der Nager in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast ausgerottet. Nur im Bereich der mittleren Elbe überlebten einige Tiere, die als Unterart von Castor fiber zu betrachten sind – die Elbebiber.

Behr ist zu verdanken, dass 1929 zwischen Tochheim und Aken ein Gebiet zum Schutz des gefährdeten Nagers ausgewiesen wurde – die Urzelle des Biosphärenreservates Mittelelbe. Ibe schildert, wie sich immer wieder Menschen für den Biber einsetzten, so dass sich der Bestand erholen konnte.

Biberbestand hat sich erholt

Gab es 1972 nur 559 Biber in 165 Revieren, waren 2015 bereits rund 1030 Reviere mit etwa 3400 Tieren besetzt, nennt Annett Schumacher die aktuellsten Zahlen. Sie ist eine von derzeit zwei Mitarbeitern der Landes-Referenzstelle für Biberschutz, welche die Ergebnisse der jährlichen Kartierung des Biberbestandes zusammenführt.

Die kontinuierliche Erfassung und Dokumentation der Nager seit über vier Jahrzehnten übernehmen die vielen Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Biberschutz, der sich nach der Wende dem Naturschutzbund (Nabu) Sachsen-Anhalt angeschloss. Darüber hinaus helfen sie beratend vor Ort mit, Konflikte mit Bibern zu lösen.

Handlungsempfehlung bei Konflikten mit Bibern

Auch bei der Erarbeitung der noch druckfrischen „Handlungsempfehlungen für die Biber in Sachsen-Anhalt“ wirkte der Arbeitskreis mit. Denn: „Der Biber ist eine streng geschützte Tierart in Sachsen-Anhalt und das soll so bleiben. Wir werden keine Obergrenze festlegen und keinen Biber wie in Bayern zum Abschuss freigeben“, betont Klaus Rehda.

Dennoch sei zu schauen, wie mit Konflikten umzugehen ist. So sei angedacht, die Gewässerunterhaltungsverbände zu entschädigen, wenn Mehraufwendungen wegen des Bibers entstehen, so der Staatssekretär. Auch soll in einem Jahr geschaut werden, inwieweit die Handlungsempfehlungen nachzubessern sind.

Naturschutz nur dank Ehrenamt möglich

„Ohne Ehrenamt wäre der Naturschutz in der Fläche nicht zu leisten“, dankt Rehda den Anwesenden für ihr Engagement. Dann überreicht er die Auszeichnung, die der Arbeitskreis seinem langjährigen Leiter Dr. Dietrich Heidecke (1945-2011) widmet. „Er war ein excellenter Wissenschaftler und wir vervollständigen das, was er angefangen hat“, erklärt der jetzige Vorsitzende René Driechciarz.