Zerbst l „In den Anfangszeiten haben wir nur mündlich verwarnt, mittlerweile erheben wir gleich ein Verwarngeld, und selbst das wirkt nicht“, sagt Anja Wernicke. Trotz der immer wieder durchgeführten Kontrollen habe sich an der Situation von der Grundschule An der Stadtmauer bislang nichts geändert, konstatiert die Polizistin. Stets zeigt sich das gleiche Bild: Eltern ignorieren das bislang einseitige Halteverbot. Sie parken direkt vorm Schultor oder auf dem Gehweg, während die Kinder zwischen den vielen Fahrzeugen umherwuseln, die sich zeitgleich in den Sackgasse aufhalten.

Über die unnötige Unfallgefahr kann Stephan Seeger nur den Kopf schütteln. „Hier muss was geschehen“, findet der Vorsitzende der Gebietsverkehrswacht Zerbst. Sein Vorschlag lautet, das absolute Halteverbot auf die gesamte Straße auszuweiten. Für Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella spricht nichts dagegen. „Das Schild kommt“, verspricht sie beim Vor-Ort-Termin am Donnerstag. Zugleich bezweifelt sie allerdings, dass mit der Beschilderung das Problem gelöst wird.

Eltern sollen Vernunft zeigen

„Es liegt an den Eltern. Sie sind ein schlechtes Vorbild und bringen ihre Kinder damit in Gefahr“, sagt Kerstin Gudella. „Wir können nur an ihre Vernunft appellieren, sich an die Straßenverkehrsordnung zu halten, um ihren Kindern einen sicheren Schulweg zu gewährleisten“, meint sie.

Das Problem sei, dass die Eltern meist unter Zeitdruck ständen, meint die Ordnungsamtsleiterin. „Dann muss man eben rechtzeitig losfahren“, stellt dies für Anja Wernicke kein triftiges Argument dar. „Das sind alles nur Ausreden“, meint die Polizeiobermeisterin. Ihrer Ansicht nach spielt Bequemlichkeit eine entscheidende Rolle. So sind es nur wenige Gehminuten vom nahen Parkplatz am Breitestein bis zur Grundschule, wobei die Kinder nicht mal eine Straße überqueren müssten.

Beschilderung ignoriert

„Im Amtsmühlenweg hatten wir die gleiche Situation“, erzählt Anja Wernicke. Auch vor der dortigen Grundschule und der benachbarten Kita sei es anfangs „unmöglich“ zugegangen, beschreibt die Regionalbereichsbeamtin das Ignorieren der geltenden Beschilderung. Inzwischen funktioniere es, dass die Eltern dort parken, wo es erlaubt sei, und ein paar Schritte mehr laufen.

„Nur hier klappt es nicht“, sagt Anja Wernicke. Oft seien es die gleichen, die sie erwischen. „Manche kommen einem noch dumm“, erzählt sie. Die stetigen Kontrollen in unregelmäßigen Abständen durch Polizei und Ordnungsamt Am Plan fruchteten einfach nicht.

Um Sicherheit der Schulkinder besorgt

Auch seitens der Schule werde das Thema immer wieder aufgegriffen, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Uta Richter von entsprechenden Hinweisen in Info-Briefen und auf den Elternversammlungen. Auch ihr ist das Unfallrisiko bewusst, das sich ergibt, wenn die Kinder durch die Autos laufen, die teils in zweiter Reihe stehen oder den Gehweg blockieren. Zumal es sich Am Plan eben nicht um eine Durchfahrtsstraße handelt, sondern eine Sackgasse – jedes hereinfahrende Auto muss wenden und wieder hinausfahren.

Mit Sorgen blickt Uta Richter da auf das neue Schuljahr, wenn 244 Erst- bis Viertklässler Am Plan unterrichtet werden. Sicher werden nicht alle mit dem Pkw gebracht, aber viele. Deshalb steht sie hinter der Entscheidung, dass nun ein absolutes Halteverbot für die gesamte Straße – ausgenommen sind natürlich die Parkbuchten – angeordnet wird. Stephan Seeger ist ebenfalls dankbar für die schnelle Lösung. „Das war mir eine Herzenssache“, sagt er.