Polenzko/Zerbst l In Zernitz, Reuden und Moritz sorgten sie, wie die Volksstimme berichtete, bereits für Diskussion: die öffentlichen Schaukästen. Nun beschäftigte das Thema auch den Ortschaftsrat von Polenzko auf seiner aktuellen Sitzung. Die Polenzkoer waren es wohl gewesen, die die Problematik überhaupt angestoßen haben, als sie nachfragten, als sich ein Schaukasten nicht mehr öffnen ließ. In der Folge wurde in der Stadtverwaltung generell hinterfragt, ob die Schaukästen überhaupt noch vorgehalten werden müssten.

Notwendig für gesetzlich erforderliche Bekanntmachungen sind sie nicht mehr, da diese im Amtsblatt der Stadt Zerbst erfolgen, was allen Haushalten kostenlos zugestellt wird. „Damit entfiel auch die Pflicht, die Kästen als notwendiges Veröffentlichungsmedium vorzuhalten“ griff der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) am Mittwochabend im Stadtrat die angestoßene Debatte auf. Um „ein wenig die scheinbare Brisanz zu mildern“, nahm er Stellung zur bisherigen Empörung, dass die Schaukästen künftig nicht mehr von der Stadt unterhalten werden.

Nicht einfach abgebaut

„Wir haben aber nicht einfach verfügt, sie abzubauen“, betonte der Rathauschef. Vielmehr seien alle Ortsbürgermeister angeschrieben und gebeten worden, darüber zu entscheiden, was mit den Schaukästen in ihren Ortsteilen geschehen soll. „Das beinhaltete auch die Möglichkeit, diese Kästen weiterhin zu nutzen“, sagte Dittmann.

In dem Fall müssten die Ortschaften die Unterhaltung der Kästen jedoch aus ihrem Verfügungsfond finanzieren und anfallende Reparaturen – beauftragt über die Stadtverwaltung – selbst bezahlen. „Alternativ wurde ein Rückbau der Schaukästen empfohlen“, informierte der Bürgermeister. Diese Kosten müssen nicht von den Ortschaften getragen werden, wie er bemerkte.

Viele schauen in die Schaukästen

Im Polenzkoer Ortschaftsrat sprach man sich dafür aus, die Schaukästen – jeweils einen in allen drei zur Ortschaft gehörenden Dörfern – zu belassen. Hier finden sich Vereinsaushänge und andere Hinweise für die Bürger. Darauf will man nicht verzichten, auch wenn die Schaukästen nicht mehr so frequentiert werden, wie früher. Es gebe schon noch Leute, die in die Schaukästen gucken, meinte Christian Bernich.

Ortsbürgermeisterin Ruth Buchmann erinnerte an die zentralen Zustellanlagen, wo die Leute ihre Post abholen mussten. Bis Anfang der 1990-er Jahre müsse das so gewesen sein. Dahin kamen alle, und an den Stellen wurden dann auch die Schaukästen errichtet.

Bürger wollen Kästen selbst reparieren

Die Schaukästen in Mühro, Polenzko und Bärenthoren sollen also bleiben. Die Bürgervertreter lehnen es aber ab, dass Reparaturen durch die Stadt beauftragt werden. Das will man dann auch alleine in die Hand nehmen.