Zerbst l Interaktive Klassenzimmer stehen schon länger auf der Wunschliste der Schulen. Und damit auch auf der der Verwaltung. Als das Land Sachsen-Anhalt eine Fördermaßnahme passig auf solcherlei Projekte ausschrieb, griff man in Zerbst sofort zum Stift und bewarb sich. Mit dem Ergebnis: Kein Geld für Zerbst.

„Die geballte Vorfreude auf den Technikeinzug in unseren Grundschulen findet leider mit dem heutigen Bericht vorerst ihr Ende“, verkündete Evelyn Johannes, stellvertretende Bürgermeisterin, auf der jüngsten Stadtratssitzung, als sie im Bericht des Bürgermeisters über die 2. Förderung des Zugangs zu Informations- und Kommunikationstechnologien an Schulen (Interaktive Klassenzimmer) spricht.

Für alle sechs städtischen Grundschulen – An der Stadtmauer, Astrid-Lindgren, Dobritz, An der Elbaue, An der Burg Lindau, Walternienburg – hatte die Stadt Zerbst einen Förderantrag beim Land gestellt. Die entsprechenden Ablehnungsbescheide sind – gleichlautend für jede Schule – dann bei der Stadtverwaltung eingegangen.

Nur eine Million Euro für alle Schulen

Kernaussage in den Bescheiden ist, dass nur eine Million Euro Fördersumme zur Verteilung für das gesamte Land Sachsen-Anhalt zur Verfügung standen, wobei aber eine Schule bis zu 200 000 Euro beantragen konnte. Was im Umkehrschluss heißt, dass etwa fünf Schulen eine Förderung bekommen konnten, wenn das Antragsvolumen jeweils ausgereizt wurde. Hinweis am Rande: Sachsen-Anhalt hat etwa 800 öffentliche Schulen.

Das sich mehr Schulen auf solch eine Förderung bewerben, scheint das Land überrascht zu haben, denn um dann eine Verteilung der Mittel unter den 31 Bewerbern zu gewährleisten, wurde ein Punktesystem angesetzt, wobei die Schulen mit der höchsten Punktzahl den Zuschlag bekamen.

Die Antragsteller mussten für dieses Punktesystem ein IKT-Konzept (Informations- und Kommunikationstechnologien) und ein Medienpädagogisches Konzept erstellen. Das IKT-Konzept wurde beim Ministerium für Finanzen und das Medienpädagogische Konzept beim Landesschulamt eingereicht, geprüft und bewertet. Die Bewertung der Unterlagen und die Punktevergabe erfolgten nach festgelegten Auswahlkriterien. Um überhaupt Fördermittel zu beantragen, war eine Mindestpunktzahl von 219 Punkten erforderlich.

Mindestpunktzahl nicht erreicht

In den Ablehnungsbescheiden war dann zu lesen, dass man für eine Förderung mindestens 335 Punkte bringen musste. Die Grundschulen in den Zerbster Ortsteilen erreichten eine Punktzahl von 315 Punkten, die Grundschulen in der Kernstadt 325 Punkte.

Warum die Zerbster Grundschulen nicht die 335 Punkte erreichten, hat die Verwaltung in Erfahrung bringen können. „20 Punkte sind in der Bewertung verloren gegangen, weil es in keiner unserer Grundschulen eine Schülerfirma gibt“, erklärt Evelyn Johannes.

Die stellvertretende Bürgermeisterin zeigt wenig Verständnis, wie dieses Verfahren gelaufen ist. „Bitte fragen Sie jetzt nicht, wieso Schülerfirmen für die Förderung des Zugangs zu Informations- und Kommunikationstechnologien in unseren Schulen bedeutsam sind. Dies erschließt sich schlichtweg nicht. Grundsätzlich erschließt sich mir ebenso wenig, wieso das Land, das für pädagogische Inhalte der Schulbildung – in der optimalen Gestaltung des Unterrichts – selbst verantwortlich ist, im Rahmen eines Förderwettbewerbes bewirkt, dass nicht allen Kindern gleiche Bedingungen in der pädagogischen Betreuung geboten werden.“

Förderung in zweiter Auflage

Das Landesministerium für Bildung will jetzt aber nachlegen und hat eine zweite Auflage der Förderung beschlossen. Dieses Mal sollen sechs Millionen Euro zur Verteilung unter den Schulen kommen.

Zum nächsten Stichtag, dem 30. September, wird die Stadtverwaltung die Anträge also erneut stellen, sagt Johannes.

Sollte auch in diesem Förderabschnitt keine Zusage für Fördermittel kommen, bestehen weitere Fördermöglichkeiten.

„Deshalb soll in Zusammenarbeit mit den Schulleiterinnen im vierten Quartal 2017 eine Überarbeitung der Medienpädagogischen Konzepte erfolgen, um eine höhere Punktzahl zu erzielen. Hierbei wird wesentlich das Thema Schüler-Firma zu bearbeiten sein. Denn nur dieser Aspekt war, wie erwähnt, für die Nichtberücksichtigung entscheidend“, kündigt Johannes an. Diese überarbeiteten Konzepte sollen dann wiederum eingereicht werden. Die Stadtverwaltung bleibt also dran, dass statt Kreide, Bits und Bytes mehr Einzug in die Grundschulen finden.