Zerbst l 2020 sollte der noch unbefestigte Teil des Brauereiweges im Rahmen einer Erschließung ausgebaut werden. Die Ausgaben für das Projekt, das auch die Verlegung eines Regenwasserkanals beinhaltete, waren mit rund 51. 000 Euro kalkuliert. Dieses Jahr sollte die Planung erfolgen, wofür im Haushalt 46.700 Euro eingestellt wurden.

90 Prozent der Kosten tragen

Das Vorhaben liegt nun erst einmal auf Eis, nachdem sich 37 Anlieger gegen einen Ausbau des bislang nur geschotterten Straßenabschnitts ausgesprochen hatten. Über den Eingang einer entsprechenden Unterschriftenliste unterrichtete Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) Mitte Mai den Bau- und Stadtentwicklungsausschuss. „Es gab sogar den Vorschlag, den Brauereiweg zur Lepser Straße hin zur Sackgasse werden zu lassen“, bemerkte er damals.

Fakt ist: Bei einer Erschließung müssen die Besitzer der angrenzenden Grundstücke 90 Prozent der Kosten tragen. Die Beiträge für den Ausbau des Brauereiweges zwischen Dr.-Hermann-Wille-Straße und Lepser Straße waren mit insgesamt rund 432.000 Euro veranschlagt.

Nach der Berichterstattung in der Volksstimme hat sich eine Bürgerinitiative „Pro Gehweg“ Steinstücke gebildet. Ansprechpartner ist Hans Ulrich Müller. Er sagt: „Seit 25 Jahren ist es uns nicht möglich, mit sauberen Schuhen in die Stadt zu gelangen. Weder auf dem Brauereiweg noch auf der Lepser Straße oder im Parkweg existiert ein ausgebauter Fußweg.“ Nach dieser langen Zeit „halten wir es für mehr als überfällig, dass endlich in irgendeiner Form das Gehwegs-Manko beseitigt wird“, formuliert er im Anschreiben, dem eine Unterschriftenliste folgt. Innerhalb von knapp drei Wochen sammelte Hans Ulrich Müller in der Siedlung Steinstücke, wo er das Anliegen der Initiative schriftlich an rund 110 Haushalte verteilte, 60 Unterschriften.

Anliegen hat Bürgermeister erreicht

Die Unterzeichner fordern Bürgermeister und Stadtrat auf, dass „vorzugsweise im Brauereiweg mindestens ein ein Meter breiter Gehweg ausgebaut wird“. Und damit sozusagen der bereits zwischen Paul-Kmiec-Straße und Dr-Hermann-Wille-Straße vorhandene Fußweg bis zur Lepser Straße hin verlängert wird. Zugleich verweisen sie darauf, dass sie seinerzeit bereits Erschließungskosten gezahlt hätten, „ohne gefragt zu werden“.

Mittlerweile hat das Anliegen der Initiative auch Andreas Dittmann erreicht. „Ich habe die Unterschriftenliste erhalten“, bestätigt der Bürgermeister auf Volksstimme-Nachfrage. „Der nächste Schritt wird sein, dass der neue Bau- und Stadtentwicklungsausschuss darüber informiert wird und der Initiator erhält hierüber eine schriftliche Information“, schildert der Rathauschef das weitere Vorgehen.

Planerisch wäre es seiner Aussage nach möglich, einen Fußweg wie gefordert anzulegen. „Es wäre aber eine Erschließung, die zu 90 Prozent von den Anliegern des Brauereiweges zu tragen wäre“, betont Dittmann. Wie diese dazu stehen, könne man sich vorstellen. „Bereits bei Bekanntwerden der Pro-Gehweg-Initiative hieß es im Brauereiweg, dass dort der Weg nicht benötigt werde“, sagt der Bürgermeister.

Viele Unterschriften

Auch auf die von Hans Ulrich Müller vorgetragene Argumentation, bereits Erschließungskosten gezahlt zu haben, geht er ein. „Dies trifft nur auf die Erschließung im Baugebiet Steinstücke zu und stellt keine Vorauszahlung auf andere Wege dar“, erläutert Dittmann.

Letztlich liege die Entscheidung ausschließlich beim Stadtrat. „Ob dieser gegen den Willen und zu Lasten der Anlieger des Brauereiweges die Errichtung eines Gehweges durchsetzt, kann ich nicht abschätzen“, so der Bürgermeister.