Dessau/Hohenlepte l Die 4. Strafkammer des Landgerichts Dessau-Roßlau hat die Berufung eines 42 Jahre alten Angeklagten verworfen. Sie sprach ihn der Unterschlagung schuldig. Der Mann muss eine Geldstrafe in Höhe von 8000 Euro zahlen. „Wir haben keine Zweifel daran, dass es sich so zugetragen hat, wie es der Vermieter dargetan hat“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Knief.

Demnach hatte der wegen Diebstahls, Betrugs und gefährlicher Körperverletzung vorbestrafte Angeklagte, der sich in dem Verfahren selbst verteidigte, im Frühjahr 2018 aus einem gemieteten Einfamilienhaus in Hohenlepte zahlreiches Inventar abmontiert und mitgenommen. Zu den aus dem Gebäude entfernten Gegenständen gehörten zum Beispiel eine Badewanne, mehrere Heizkörper, Fenster, eine Treppe, Bodenbeläge und ein Durchlauferhitzer.

Unterschlagung statt Diebstahl

Die Staatsanwaltschaft war Anfang März 2020, als erstinstanzlich beim Amtsgericht Zerbst verhandelt wurde, noch von Diebstahl ausgegangen. Nunmehr teilte der Anklagevertreter Olaf Braun die Auffassung des Gerichts, dass der die Tat bestreitende Angeklagte – in Erfurt geboren und derzeit in Berlin-Tempelhof lebend – eine Unterschlagung beging. Zusätzlich zur Geldstrafe muss der 42-Jährige knapp 16.000 Euro an den geschädigten Vermieter zahlen.

Knief bezeichnete die in Zerbst verhängte Geldstrafe, an der nicht gerüttelt werden durfte, weil nur der Angeklagte in Berufung ging, als „übermäßig freundlich“. Gemeinsam mit seiner Noch-Ehefrau – das Paar lebt in Scheidung – sei der Berliner „faktisch Mieter des Hauses“ gewesen. Gewohnt habe dort eine Tochter. Zur Tat sei es gekommen, als man mit dem Vermieter in Streit geriet, weil der die Tochter, mit welcher er liiert war, vor die Tür setzte.

Angeklagter beteuert Unschuld

„Die Tat geschah aus charakterlichen oder ganz grundsätzlichen Defiziten“, schätzte Knief ein. Der Angeklagte („Wie gesagt, ich bin unschuldig und habe mit der Sache nichts zu tun.“) kündigte unmittelbar nach der Urteilsverkündung an, dass er gegen die Entscheidung Revision einlegen werde. Für die Begründung, die binnen fünf Wochen nach Zustellung des schriftlichen Urteils vorzuliegen hat, muss er freilich einen zugelassenen Rechtsanwalt zu Rate ziehen.

Die rechtliche Bewertung des Falles hatte die Berufungskammer korrigiert, weil bei allen Dingen, die ein Mieter eventuell in einer Wohnung abbaut und die dadurch zu einer beweglichen Sache werden, es der Mieter ist, der die Sachherrschaft über die Gegenstände besitzt. Insofern können sie – ein Bruch fremden Gewahrsams fand nicht statt – nicht gestohlen, sondern veruntreuend unterschlagen werden.