Zerbst/Kiel l Eine fast 20-köpfige Delegation des Internationalen Fördervereins Katharina II. brach kürzlich zu einer Kurzreise nach Schleswig-Holstein auf. Ziel war die Landeshauptstadt Kiel, wo die Zerbster zunächst von Stadtpräsident Hans-Werner Tovar offiziell empfangen wurden. Der Begrüßung schloss sich ein Rundgang durch das zwischen 1907 und 1911 nach Plänen von Hermann Billing erbaute Kieler Rathaus an.

Geschichte erleben

Neben dem Abstecher in die Architekturgeschichte wandelten die Katharinafreunde zusammen mit Mitgliedern des Kieler Zarenvereins Peter III. – dem ungeliebten Gatten der Zerbster Prinzessin Sophie Auguste Friederike und späteren russischen Zarin Katharina die Große – auf Spuren der vielfältigen dynastischen Verflechtungen der Herzogs-, Fürsten- und Königshäuser von Holstein, Anhalt, Russland und Dänemark.

So stand neben dem Besuch des 2013 in Kiel errichteten und vom russischen Bildhauer Alexander Taratynov geschaffenen Denkmals für Zar Peter III. ebenfalls eine Besichtigung von Schloss Glücksburg auf dem Programm. In einer fast zweistündigen Tour durch die Residenz erfuhren die Zerbster und Kieler viel Wissenswertes über den dänischen König Christian IX., den Stammvater der glücksburgischen Linie, die bis heute den dänischen Thron innehat. Seine Nachkommen hatten in fast alle europäischen Herrscherhäuser eingeheiratet, weshalb er auch den Beinamen „Schwiegervater Europas“ trägt. So vermählte er seinen Sohn Georg, der König von Griechenland wurde, mit Großfürstin Olga Konstantinowna, einer Ururenkelin von Katharina II. und Peter III.

Nach diesem Streifzug durch die europäische Genealogie ging es weiter zur so genannten russischen Grabkapelle in Bordesholmer Klosterkirche. Dort befindet sich die Grablege des 1739 verstorbenen Herzog Karl Friedrich von Holstein-Gottorf, der 1725 Anna Petrowna, die Tochter von Zar Peter I., geheiratet hatte. Dieser Ehe entstammte Peter III., der Gatte von Katharina II. Zudem sahen sich die Mitglieder der befreundeten Vereine die Grablege des Diplomaten Caspar von Saldern in der Bordeholmer Klosterkirche an. Von Saldern stand sowohl in Diensten von Peter III. wie auch in denen von Katharina II. Die Besichtigungstour fand seinen Abschluss im Besuch des Schlosses vor Husum und in einer Führung durch die nordfriesische Stadt selbst.

Streifzug durch die Historie

Gekrönt wurde der kulturelle Streifzug durch die Historie von den Abendessen, bei denen die Zerbster und Kieler in ungezwungener, lockerer Atmosphäre nicht nur ihre Erfahrungen mit der Vereinsarbeit austauschten. Darüber hinaus wurden die ersten Eckdaten eines weiteren gemeinsamen Projektes – einer 2018 geplanten Fahrt nach St. Petersburg – festgelegt.

Rückblickend auf das ereignisreiche Wochenende richten die Katharinafreunde ein herzliches Dankeschön an Johanna Lüdecke vom Vorstand ihres Vereins, die sich unermüdlich um die Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Vereinsexkursion nach Kiel kümmerte. Ein weiterer Dank geht an die Mitglieder des Kieler Zarenvereins, die ihre Freizeit und Fahrzeuge zur Verfügung stellten, um die Zerbster herumzufahren, obwohl sie selbst etwas unter Anspannung standen, da sie zeitgleich eine Ausstellungseröffnung im Schloss vor Husum vorzubereiten hatten.