Garitz l Der letzte schwere Unfall ereignete sich vor zwei Wochen, am 9. Mai gegen 12.30 Uhr. Eine 36-jährige Opel-Fahrerin war auf der Kreisstraße 1255 aus Dobritz kommend in Richtung Dessau unterwegs. Dabei übersah sie offensichtlich einen 56-jährigen Motorradfahrer, der aus Richtung Ragösen kam.

Diskussionen im Netz

Beim Zusammenstoß wurde die Pkw-Fahrerin leicht verletzte und durch den Rettungsdienst in die Zerbster Klinik gebracht. Der Fahrer des Krads wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Diese Unfallmeldung war es auch, die heftige Diskussionen im Netz ausgelöst hat:

„Schon wieder, wann wird endlich gehandelt, damit diese gefährliche Ecke entschärft wird“, schreibt Doreen Schulze bei Facebook.

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„Diese Kreuzung ist lebensgefährlich! Doch die behördlichen Stellen sehen das nicht so. Immer wieder weisen wir auf diesen Unfallschwerpunkt hin. Doch gehandelt wird nur in zu geringem Umfang. Ein weiteres Stoppschild haben wir seit dem letzten tödlichen Unfall bekommen, und das auch nur durch Hinzuziehung des Landrates“, schreibt Ortsbürgermeister Mario Rudolf und hat Angst um die Kinder, die diese Kreuzung queren müssen, wenn sie zum Sportplatz wollen.

Stadtwehleiter Denis Braycza erklärt: „Wie viele Menschen müssen denn an dieser Kreuzung noch zu Schaden kommen, bevor die Behörden handeln? Es ist höchste Zeit.“

„Auf Grund der hohen Zahl an Verletzten und schweren Unfallschäden innerhalb der verhältnismäßig geringen Anzahl an Verkehrsunfällen bedarf dieser Kreuzungsbereich natürlich einer näheren Betrachtung durch die Polizei – gleich wenn dieser bisher nicht als Unfallschwerpunkt geführt wurde“, sagt Susann Dornfeldt, Sprecherin des zuständigen Polizeireviers Anhalt-Bitterfeld.

Die Landkreisverwaltung äußert sich eher zurückhaltend. Da der unteren Straßenverkehrsbehörde zum jetzigen Zeitpunkt keine Informationen zum neuerlichen Unfallhergang vorliegen, könne man hier noch keine konkreten Schlüsse ziehen, heißt es in der Stellungnahme. „Nach den vorliegenden Unfallzahlen aus den Jahren 2016 bis dato kann zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht von einem Unfallschwerpunkt gesprochen werden“, schreibt Landkreissprecherin Marina Jank.

Kommission vor Ort

Da sich hier jedoch in diesem Jahr bereits zwei Unfälle mit Personenschäden ereignet haben, werde sich in naher Zukunft eine außerturnusmäßige Unfallkommission am Unfallort einfinden und eventuelle Maßnahmen besprechen, kündigt Jank an. „Ob und inwieweit dann tatsächlich Maßnahmen ergriffen werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden“, heißt es in der Mitteilung der Landkreisverwaltung kurz und knapp.

Ortsbürgermeister Mario Rudolf bleibt skeptisch. „Es ist ein positives Signal, dass sich die Behörden die Kreuzung ansehen wollen“, sagt Rudolf, befürchtet allerdings, dass die Maßnahmen, falls denn überhaupt welche vereinbart werden, nicht ausreichen werden, um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen. „Die Ortsansässigen, die auf der Hauptstraße unterwegs sind, bremsen im Kreuzungsbereich und schauen ob niemand aus der untergeordneten Kreisstraße kommt“, schildert Rudolf. Dies führe zu einer großen Verunsicherung.

Bei den fünf Unfällen in den letzten 24 Monaten wurden insgesamt sieben Personen verletzt, darunter waren fünf Leichtverletzte, ein Schwerverletzter und eine getötete Person.

„Unfallursache bei allen Verkehrsunfällen war die Missachtung von vorfahrtregelnden Verkehrszeichen, in diesen Fällen das Stoppschild, seitens der Verkehrsteilnehmer auf der untergeordneten Kreisstraße“, sagt Susann Dornfeldt.

Und noch etwas haben alle Unfälle gemein. Keiner der Unfallbeteiligten stand unter Einfluss von Alkohol oder Drogen.

Abgesehen vom Vor-Ort-Termin regt die Polizei Schwerpunktkontrollen in Garitz an, um die Fahrzeugführer in Bezug auf die Einhaltung der Haltepflicht an den Stoppschildern zu sensibilisieren.