Streit um Kreisverkehr

Verkehrsministerium lehnt Kreisel an der Kreuzung B 184 zum Ahornweg in Zerbst ab

Von Thomas Kirchner
Die Stadträte hätten sich am Ortseingang aus Richtung Dessau einen Kreisverkehr gewünscht, auch um den Kreuzungsbereich zum Ahronweg, der künftig zur Bundesstraße 187a wird, sicherer zu machen. Foto: Thomas Kirchner

Zerbst

Kreisverkehre wirken verkehrsberuhigend und sind relativ sicher. Auch die Zerbster Stadträte hätten gerne ein paar davon, am liebsten „an den beiden ,Einflugschneisen' der Bundesstraße 184 – sowohl aus Richtung Magdeburg wie auch aus Richtung Dessau“, wie es Stadtrat Steffen Grey (FDP) jüngst formulierte. Auch an der Kreuzung am Frauentorplatz wurde bereits eine Kreisellösung diskutiert.

Doch die Wünsche der Stadträte stoßen bei der Landesstraßenbaubehörde (LSBB) Ost und bei Sachsen-Anhalts Verkehrsministerium in Magdeburg regelmäßig auf taube Ohren. Zuletzt erst vor wenigen Tagen. Die Stadt hatte durch ein Ingenieurbüro eine Kreisellösung für die B 184 und die Einmündung zum Ahornweg, der in Kürze zur Bundesstraße B 187a heraufgestuft wird, prüfen lassen.

Kreuzung könnte künftig Stanadort einer Wasserstofftankstelle werden

„Der Kreuzungsbereich könnte zudem bei Realisierung des grünen Wasserstoffprojektes auch Standort einer Wasserstofftankstelle werden“, sagte Bürgermeister Andreas Dittmann während der Stadtratssitzung im Februar. Aus diesem Grund wollte er mit Unterstützung der Stadtwerke und des Biomassehofs diese Projektidee am 4. März Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) vorlegen.

Zwei Varianten für einen Kreisverkehr hatte das Büro erarbeitet. Beide sind nun im Verkehrsministerium durchgefallen, wie in einem Schreiben des Hauses Ende April mitgeteilt wurde. „Die Einmündung Ahornweg ist im Bestand ausreichend leistungsfähig und verkehrssicher gestaltet. Sie ist weder eine Unfallhäufungsstelle noch unfallauffällig und die Fahrbahn weist keine Mängel auf“, heißt es in dem Antwortschreiben.

Sachsen-Anhalts Verkehrsministerium moniert fehlende Gutachten

Der innerörtliche Knotenpunkt sei 1999 grundhaft um- und ausgebaut worden. Im Zuge der Baumaßnahmen seien an der Einmündung ohne Ampelanlage mit vorfahrtsregelnden Verkehrszeichen ein Linksabbiegestreifen auf der B 184 in den Ahornweg, ein Fahrbahnteiler auf dem untergeordneten Ast des einmündenden Ahornwegs und ein straßenbegleitender Zweirichtungsradweg, der über den Fahrbahnteiler geführt wird, errichtet worden. „Für eine etwaige Errichtung einer Ampelanlage sind außerdem bereits Leerrohre verlegt“, schreibt das Ministerium weiter.

Im Hinblick auf den vorgelegten Variantenvergleich sei festzuhalten, dass dieser lediglich zwei Varianten-Skizzen zur Ausbildung eines drei- beziehungsweise vierarmigen Kreisverkehrs enthält. „Darüber hinaus gehende Erläuterungen im Hinblick auf die Veranlassung zum Umbau, Aussagen zur Verkehrsbelastung der jeweiligen Kreisverkehrsäste, zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, Kostenschätzung zum Eingriff in Natur und Landschaft oder mögliche Grunderwerbsbetroffenheiten liegen nicht vor“, heißt in dem Schreiben weiter.

Ampelanlage vor Kreisverkehr

Die vorgelegten Varianten der Kreisverkehre mit einem jeweiligen Außendurchmesser von 45 Metern seien gemäß den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen zu vermeiden. Außerdem würden die vorgelegten Varianten erhebliche Sicherheitsdefizite aufweisen. Vor diesem Hintergrund sei eine ausführlichere und abschließende Stellungnahme zu dem vorgelegten Variantenvergleich nicht möglich, so die Behörde.

„Aus Sicht der Straßenbauverwaltung besteht aktuell keine Veranlassung, den Knotenpunkt zu einem Kreisverkehr umzubauen. Des Weiteren bestünde zunächst die Möglichkeit, aufgrund der bereits verlegten Leerrohre eine Lichtsignalanlage zu errichten, sofern dies anlassbezogen erforderlich werden sollte“, so das ernüchternde Fazit des Verkehrsministeriums.

Stadt möchte Verkehrsinseln an den Ortseingängen der B 184

„Das Schreiben hat uns nicht unvorbereitet erreicht. Vorausgegangen war eine sehr sachliche Diskussion mit Vertretern der Landesstraßenbaubehörde-Ost, bei der uns dargelegt wurde, warum zumindest derzeit keine andere Entscheidung getroffen werden wird“, kommentiert Dittmann die Absage aus Magdeburg. Der sachlichen Darstellung von Verkehrsflüssen und zur Aufnahmefähigkeit der bestehenden Kreuzungssituation im Abgleich zu definierten technischen Standards könne er wenig entgegensetzen.

„Es wurde auch dargelegt, dass verlässliche Verkehrsdaten erst nach fünf Jahren in Folge von Aufstufungen von Straßen messbar seien.  Genau darum geht es beim Ahornweg, der ja demnächst zur Bundesstraße 187a werden soll. Wir haben außerdem über kleine Verkehrsinseln in den Bundesstraßen an den Ortseinfahrten gesprochen“, sagt Dittmann. Dabei hätte man auf die Situationen im Nachbarland Brandenburg verwiesen.

„Dass diese zur Verringerung der Fahrgeschwindigkeit führen, war noch konsensfähig. Allerdings wird der Einbau sogenannter Fahrbahnteiler seitens der sachsen-anhaltischen Fachbehörden kritischer bewertet, als dies in Brandenburg der Fall ist, was eben regelmäßig zur Ablehnung führt. Einig waren wir uns indes, dass es nicht das letzte Gespräch war, denn Radwege und die Parkplatzsituation in der Magdeburger Straße sind weitere Themen, die uns auf den Nägeln brennen“, erklärt der Rathauschef.