Zerbst l Mit ausgewaschenen JVA-Klamotten, einem roten T-Shirt und einer blauen Jeans, in Handschellen und in Begleitung zweier Justizbeamter erschien am Mittwoch der Angeklagte vor dem Zerbster Amtsgericht. Ihm zu Last gelegt wurden abermals Vergehen in Zusammenhang mit entwendeten Kfz-Kennzeichen, das Fahren ohne Fahrerlaubnis und der Besitz eines Schlagringes.

Eigentlich sollte eine Zeugin, die in der Hauptverhandlung vor genau drei Wochen unentschuldigt fehlte, dieses Mal vor Richter Thomas Krille aussagen. Aber erneut erschien diese nicht. Selbst die vom Richter angeordnete Abholung durch die Polizei schlug fehl: Die Zeugin war schlichtweg nicht anzutreffen. Trotzdem räumte der angeklagte 24-jährige Zerbster zu Beginn der Verhandlung die Straftaten ein.

Diebstahl und Bedrohungen

Richter Thomas Krille las dennoch den Auszug des mehrfach vorbestraften Zerbsters aus dem Bundeszentralregister in der Fortsetzung der Hauptverhandlung vor. Einige Minuten dauerte dies. Schon im Jahr 2011 fiel der Angeklagte negativ auf. Meist in Stendal und Burg verstieß der nach eigenen Angaben Crystal-Meth-Süchtige gegen das Strafrecht. Immer wieder gab es Verurteilungen aufgrund von Diebstählen, Bedrohungen, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Urkundenfälschungen und Fahren ohne Fahrerlaubnis mit gestohlenen Kennzeichen.

Während des Vorlesens aus dem Bundeszentralregister schnaubte die als Besucherin erschienene Verlobte des Angeklagten mehrfach durch und blickte dabei zu dem Angeklagten selbst. Dieser, der vorher noch grinsend immer wieder zur Verlobten geschaut hatte, blickte nun zu Boden.

Mindestens 12 Monate für alle Vergehen

Die Staatsanwältin forderte ein Strafmaß von insgesamt zwölf Monaten für alle Vergehen, die der Angeklagte zugegeben hatte. Seine Verteidigerin Annegret Schumann erwähnte, dass das Einräumen der Straftaten zugunsten des Anklagten ausgelegt werden müsse, und forderte insgesamt neun Monate.

Nach kurzer Überlegung verlas Richter Krille das Urteil: Elf weitere Monate Haft für den Angeklagten, der seit einiger Zeit schon in der JVA-Raßnitz untergebracht ist. Als Begründung führte der Richter die vielfachen Vorstrafen an. Am Ende wünschte er dem Angeklagten dennoch viel Glück. Denn: Dieser möchte gerne seine restliche Haftzeit in der JVA in Burg verbringen, die deutlich näher an Zerbst liegt.