Zerbst l Auf dem oberen Markt sollten neben dem Blumengeschäft als Lückenschluss zwei Gebäude mit barrierefreien Wohnungen entstehen, die sich an der historischen Bausubstanz orientieren, wie der Gebäudehöhe und der Fassadengestaltung. Sollten! Denn nach Volksstimme Informationen ist der geplante Lückenschluss jetzt vom Tisch – zumindest vorerst.

Keine Reaktion

Der Investor, die Toepel Bauunternehmung GmbH in Magdeburg, wollte sich zunächst nicht zum überraschenden Aus des Projektes äußern. Das Bauunternehmen reagierte weder auf E-Mail Anfragen, noch wollte sich Geschäftsführer Frank Toepel telefonisch zu dem Sachverhalt äußern.

Auch die Stadtverwaltung zeigte sich überrascht im Bezug auf die Volksstimme-Nachfrage zum angeblichen Scheitern des Projektes. „Nach meinen Informationen sollte nach Fertigstellung der Pflegeeinrichtung im Frühjahr 2020 mit den Planungen und dem Bau der beiden Gebäude für den Lückenschluss auf dem Markt begonnen werden“, sagte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) auf Nachfrage.

Bilder

Dann sollte seiner Kenntnis nach auch ein Antrag auf Abbruch des Gewölbekellers am Markt 16 gestellt werden, „denn müsste das Gewölbe erhalten und der Keller überbaut werden, dann wäre ein Bau auf dem Areal unwirtschaftlich“, fasst der Rathauschef seinen Kenntnisstand zusammen.

Stadt weist Aussage zurück

Allerdings sei auch er schon von einer älteren Dame auf das Scheitern des betreuten Wohnprojektes auf dem Markt angesprochen worden. „Die Dame habe sich nach einer Wohnung in den beiden besagten Häusern, die auf dem Markt entstehen sollten, erkundigen wollen. Man habe ihr dann gesagt, dass dies nicht möglich sei, weil die Stadt gegen das Projekt wäre“, schildert der Rathauschef, der diese Aussage entschieden zurückgewiesen hat.

Auch das Bauordnungsamt beim Landkreis kann zum Markt-Projekt keine Auskunft geben. „Zur Thematik Lückenschluss am Zerbster Markt 14 und 16 kann ich Ihnen mitteilen, dass kein Vorgang dazu im Bauordnungsamt aktenkundig ist“, schreibt Udo Pawelczyk, Pressesprecher beim Landkreis auf Anfrage der Volksstimme.

Grobe Vorplanung

Im Rahmen der Bebauung Jüdenstraße habe sich der Bauherr Toepel-Bau locker nach der Bebaubarkeit des erwähnten Kellers erkundigt. „Man hatte sich darauf verständigt, dass der Bauherr zur weiteren Klärung der Bebaubarkeit des Gewölbekellers eine grobe Vorplanung vorlegt werden soll“, so Pawelczyk. Dies sei bislang jedoch nicht geschehen.

Auch beim Landesverwaltungsamt, das für einen eventuellen Abriss des Kellers zuständig wäre und diesen Abbruch auch genehmigen müsste, liegt bislang kein entsprechender Antrag vor, heißt es von der Behörde.

Etwas Licht ins Dunkel bringt Bauamtsleiterin Heike Krüger, die sich diesbezüglich im Auftrag des Bürgermeisters an das Bauunternehmen gewandt hat. „Das Bauprojekt Lückenschluss mit betreutem Wohnen auf dem Markt 14 und 16 wird tatsächlich nicht weiter verfolgt“, teilt die Bauamtsleiterin nach einem Gespräch mit Frank Toepel mit.

Unrealistischer Mietpreis

Das Unternehmen habe sich dahingehend geäußert, dass, um die Investionskosten zu decken, eine Kaltmiete von elf Euro pro Quadratmeter für den Neubau „betreutes Wohnen“ errechnet wurde. „Dieser Mietpreis sei für Zerbst unrealistisch. Dies könne sich kaum ein Senior leisten, so das Bauunternehmen. Man sei daher zu dem Schluss gekommen, das Projekt zu stoppen“, erklärt Heike Krüger.

Der Investor hat die Grundstücke am Markt gekauft. Die beiden Wohnhäuser, die hier geplant waren, sollten mit der dahinter liegenden im Bau befindlichen Pflegeeinrichtung durch einen Verbindungsbau gekoppelt werden. Der obligatorische Spatenstich für das Altenpflegeheim erfolgte Anfang September 2018. Die Inbetriebnahme ist für das nächste Frühjahr geplant. Rund 4,5 Millionen Euro investiert der Betreiber in den Neubau der Seniorenresidenz in Zerbst.

Nicht ganz gescheitert

„Doch ganz gescheitert ist der Lückenschluss wohl noch nicht“, sagt Heike Krüger. Investor und Betreiber des Altenheims wollen nach der Inbetriebnahme sehen, wie die Pflegeeinrichtung angenommen wird. „Wenn es gut läuft und der Bedarf da ist, plane man einen Erweiterungsbau des Altenheimes am Markt 14 und 16, möglicherweise auch mit einer anderen Konzeption“, so die Bauamtsleiterin.

„Ich habe zu diesem Thema am 19. September mit dem Betreiber der im Bau befindlichen Pflegeeinrichtung Jens Erxleben telefoniert, der sich erstaunlich uninformiert zeigte und mir zusicherte, sich zum Stand der Planungen bei der Firma Toepel zu erkundigen“, erklärt der Rathauschef zum Scheitern des Projektes.

Informationspolitik

„Die Informationspolitik des Unternehmens lässt hier deutlich zu wünschen übrig. Der Grundstücksverkauf erfolgte unter einem konkreten Planungsszenario“, reagiert Dittmann zerknirscht auf das still und heimliche Aus des Projektes.

Natürlich sei es städteplanerisch wichtig, die Lücke zu schließen und das würde auch mit einer Erweiterung des Pflegeheimes erreicht werden – soweit so gut. „Aber es war uns genauso wichtig, ein besseres Angebot an barrierefreiem und betreutem Wohnen zu bekommen. Ich sehe hier weiteren Gesprächsbedarf. Letztlich muss der städtebauliche Vertrag angepasst werden, der eben das betreute Wohnen vorsieht“, so Dittmann.