Dobritz l Erst wenn die Luft sich draußen auf mehr als 10 Grad Celsius erwärmt, beginnen die Bienen ihren Stock zu verlassen. In diesen Tagen mit den kalten Nächten bleiben die kleinen Insekten lieber zusammen. Dicht gedrängt stehen sie dann auf den Waben und wärmen sich gegenseitig. Dabei halten sie die Temperatur zu jeder Jahreszeit konstant in ihrem Stock.

Die ersten Pflanzen, wie Weiden und Hasel, öffnen vorsichtig ihre Blüten, hat der Dobritzer Berufsimker Eckhard Pruß beobachtet. „Aber die Bienen fliegen noch nicht raus. Vielleicht steckt mal eine den Kopf raus“, schildert er. Mit 35 Bienenvölkern startet er in dieses Frühjahr. Im vergangenen Jahr hatte er noch 50 Völker. Wegen der langen Trockenheit und der schwierigen Bedingungen, auch für die Bienen, hatte er sich von einem Teil der Bienen getrennt. Nun hofft er auf bessere Rahmenbedingungen in diesem Jahr.

Landwirtschaft im Fokus

Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Landwirtschaft. Er habe Unternehmen in der direkten Nachbarschaft, die Rücksicht auf die Insekten nehmen und die zugelassenen Spritzmittel entsprechend einsetzten. Es gebe aber auch Landwirte, die sich kaum um die Insekten kümmerten, schildert er seine Erfahrungen. In der jüngeren Vergangenheit habe er immer wieder Landwirte in der näheren Umgebung gesehen, die zur Mittagszeit mit Spritzmitteln über ihre Felder gefahren seien. Das könne sehr vielen Bienen das Leben kosten, weiß er aus langjähriger Erfahrung. Dabei müssen die Mittel nicht einmal giftig für die Bienen an sich sein.

Es reiche schon, wenn die Biene das Mittel abbekomme und anders rieche. Dann werde sie nicht mehr in den Stock gelassen und müsse verhungern. Vor allem aber sei der allzu sorglose Umgang mit den Mitteln auch eine große Gefahr für die anderen Fluginsekten, schätzt er ein. Die Zahl der fliegenden Insekten sei auch an seinem Wohnort rapide gesunken. Überall in der Bundesrepublik wird dies beobachtet. Schon jetzt habe dies auch Auswirkungen auf die Vielfalt in der Vogelwelt. „Ich sehe nur noch Spatzen und ab und zu mal eine Kohlmeise“, sagt er.

Jüngst hatte der Landesverband des BUND dazu aufgerufen, die Inhalte des bislang erfolgreichsten Bürgerbegehrens in Bayern zur Rettung der Artenvielfalt und der Bienen auch in Sachsen-Anhalt umzusetzen. „Ich würde so ein Bürgerbegehren sofort unterschreiben“, erklärt Eckhard Pruß. Schon seit Jahren befasse er sich mit der Artenvielfalt und habe dabei auch viele Fachleute erlebt, die vor dem Artensterben gewarnt hatten, erinnert er sich.

Die Menschen müssten in Zukunft bewusster mit dem Lebensraum Natur umgehen, um auch die kleinen Lebewesen zu erhalten. Es könne nicht mehr so weitergehen, mahnt er. Dazu sei die Natur zu komplex und die Abhängigkeiten und gegenseitigen Verquickungen zwischen den verschiedenen Arten zu groß. Die Imker decken mit ihren Bienen nur ein Teil der jährlichen Bestäubungsleistung ab. Die wilden Fluginsekten lieferten den weitaus größeren Beitrag, von dem letztlich auch die Landwirtschaft profitiere.