Zerbst l Mörtelreste fallen aus luftiger Höhe zu Boden. Hoch oben steht Steffen Neuhaus auf der zugigen Arbeitsplattform und fräst Fugen aus. Wie ein langgezogener Schal umhüllt das Gerüst den weithin sichtbaren Wasserturm.

„Jetzt bin ich optimistisch“, erklärt Sigrun Knäbel. Ein entspanntes Lächeln liegt im Gesicht der Vorsitzenden des Fördervereins, der sich seit 2009 um den Erhalt des technischen Denkmals bemüht. Die Sanierung der Außenhülle stellte in den zurückliegenden Jahren die größte Herausforderung her – vor allem eine finanzielle.

Sanierung dank Förderung möglich

Mit gut 431.000 Euro schlägt die umfassende Maßnahme zu Buche. Realisiert werden kann diese nun dank einer 90-prozentigen Förderung aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung. Für diese ersehnte Aufnahme ins Leader-Programm kämpften Sigrun Knäbel und ihre Mitstreiter lange. Ohne wäre die Instandsetzung des Klinkerbaus in weite Ferne gerückt. Auch jetzt beläuft sich der Eigenanteil des Vereins auf stolze rund 43.000 Euro.

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Mitte Mai fiel der offizielle Startschuss für den ersten der zwei Bauabschnitte. Sigrun Knäbel ist seither täglich vor Ort anzutreffen. „Ich kann ohne Turm nicht mehr leben“, gesteht sie schmunzelnd. Die anfänglichen Zweifel, ob das ambitionierte Vereinsziel gelingt, sind längst ehrgeiziger Initiative gewichen.

Umso glücklicher ist Sigrun Knäbel, die regelmäßigen Fortschritte zu verfolgen. Zumal im Sockelbereich des 38,42 Meter hohen Wasserturms bereits zu erahnen ist, wie das Ergebnis ausschauen wird. Dort „haben wir bereits die Fugen rausgeschnitten und grob gereinigt“, erzählt Steffen Neuhaus vom Walternienburger Baubetrieb André Weferling, der sich mit der Sanierung historischer Gemäuer auskennt. „Danach haben wir die Klinker abgesäuert, um die originale Farbe wieder vorzuholen und neu mit rotem Mörtel verfugt“, erläutert Neuhaus.

Aufwendige Arbeit in luftiger Höhe

Inzwischen ist das Gerüst deutlich in die Höhe gewachsen, so dass das Ausfräsen des verwitterten Mörtel von oben nach unten erfolgen kann, bevor sich die weiteren Arbeitsschritte anschließen. Bei der riesigen Fläche ist das eine zeitaufwendige Prozedur, wie Steffen Götz vom beauftragten Zerbster Planungsbüro bestätigt. Doch er weiß auch: „Wenn ordentlich verfugt ist, hält Klinker ewig.“

Allerdings sind inzwischen vereinzelt einige der historischen Ziegelsteine derart marode, dass sie ausgetauscht werden müssen. Hinzu kam, dass einst eine Laube an den Turmfuß angebaut wurde. „Dazu haben sie einfach Klinker rausgeschlagen“, schüttelt Sigrun Knäbel den Kopf über dieses Vorgehen. Mittlerweile ist die Stelle ausgebessert und nur noch beim gezielten Blick etwas zu erkennen.

Gusseiserne Fenster statt Glasbausteine

„Momentan läuft die Planungsphase für die Ausschreibung der Fenster“, berichtet Christian Ackermann von der Zerbster Bauverwaltung. Ein erhaltenes historisches Fenster, das sich aus mehreren Einzelelementen zusammensetzt, dient als Vorlage. Die dicken Glasbausteine sollen wieder den ursprünglichen gusseisenernen Fenstern weichen. Sieben große Rundbogenfenster und 20 kleinere Fenster betrifft das.

Bis Ende November soll die Instandsetzung der Außenhülle des Wasserturms abgeschlossen sein. Dann werden auch das Gesims und die Mauerkronen des 1894 errichteten Klinkerbaus saniert sein.