Zerbst l Das Zerbster Schraubenwerk ist mit 40 Millionen Schrauben für die Befestigung von Bahnschienen Weltmarktführer, viel Konkurrenz hat der Traditionsbetrieb auch auf seinem zweiten Feld nicht: der Produktion von Schrauben für Windkraftanlagen. Und dennoch reicht es nicht, dass das Unternehmen wirtschaftlich gut dasteht, die Belegschaft in den vergangenen Jahren stetig anwuchs und von Lissabon bis Wladiwostock Zerbster Schrauben in den Bahnschwellen stecken, um beruhigt in die Zukunft zu schauen. Eckhard Schmidt, Geschäftsführer des Unternehmens, treiben Sorgen um: Es werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Arbeitskräfte fehlen.

Unternehmen fehlen Fachkräfte

Innerhalb der nächsten zwölf Jahre werden 35 Prozent der derzeit Beschäftigten im Rentenalter sein. Das gilt nicht nur für seine Branche. Aber auch. Deswegen hatten die Zerbster Schraubenwerke bereits bei der Premiere 2016 Gefallen an der Idee der Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG) Anhalt-Bitterfeld und der Agentur für Arbeit gefunden, Menschen in die Region zurückzulocken, die vor Jahren ihre Heimat wegen fehlender Jobangebote verlassen haben.

Die Schraubenwerke beteiligten sich am 27. Dezember vorigen Jahres am ersten Rückkehrer-Tag – einer Börse, auf der sich Unternehmen nicht nur unverbindlich vorstellen, sondern mit konkreten Jobangeboten Menschen von sich überzeugen wollen. „Die Zahl der Rentenabgänge wird höher sein als die der Schulabgänge. Wie diese Lücke geschlossen werden kann, dafür gibt es kein Drehbuch“, sagt Sabine Edner, Chefin der Arbeitsagentur Dessau-Roßlau-Wittenberg. Man müsse kreativ sein.

Die Idee hinter dem Termin: Zu Weihnachten und an den Tagen danach sind viele, die inzwischen verstreut in der Republik arbeiten, zum Kurzbesuch in der alten Heimat. Das Konzept sei aufgegangen, sagen Elena Herzel, Geschäftsführerin der EWG, und Agenturchefin Sabine Edner. Knapp 300 Menschen haben den Rückkehrer-Tag besucht, der beim Start nur in Bitterfeld stattfand. Die meisten aus Bitterfeld.

Zerbst setzt auf Zuzug

Die Zerbster Schraubenwerke haben dennoch 42 Info-Gespräche geführt, acht davon waren intensiver. Vier Vorstellungsgespräche sind daraus entstanden, und eine junge Frau wird am 1. Juli als Rückkehrerin aus Bayern ihren Job in dem Unternehmen antreten.

Wenn der zweite Rückkehrer-Tag nun direkt in Zerbst stattfindet, hoffen nicht nur die Organisatoren, dass mehr Leute aus diesem Bereich den Weg zur Veranstaltung finden. Auch der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) sieht in der Jobbörse eine Chance für Stadt und Region, an der auch der demografische Wandel nicht vorbeigehe und die froh über den Zuzug junger Familien wäre. „Hier gibt es nicht nur Arbeitsplätze. Zerbst kann mit Schulen und Kitas gute weiche Standortfaktoren dazusteuern. Wir haben hier eine hohe Lebensqualität.“ Selbst größere Grundstücke seien für Familien erschwinglich. Außerdem biete das Leben in der Kleinstadt und in den Dörfern mehr Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder als in der Großstadt.

Die Stadt stellt für den Rückkehrer-Tag den Ratssaal zur Verfügung. Sollte der nicht ausreichen, können weitere Räume im Rathaus genutzt werden.

Gefragt sind in den kommenden Monaten zunächst aber die Unternehmen. Wollen sie von der Börse profitieren, sollten sie, so EWG-Geschäftsführerin Elena Herzel, bis spätestens einen Monat vor dem Rückkehrer-Tag ihre freien Jobs für Fachkräfte angemeldet haben. Die Internetseite für den diesjährigen Tag ist bereits online. Dort gibt es unter der Rubrik „Unternehmen“ Formulare für die Anmeldung und die Stellenbeschreibung. Die Jobs können ab 1. Januar 2018 frei sein, müssen aber nicht. „Es können auch langfristige Stellen sein“, sagt Elena Herzel. „Es gibt ja auch Kündigungsfristen und mancher muss mit dem Gedanken ja auch erst einmal warm werden.“

Alles rund um den Rückkehrer-Tag finden interessierte Unternehmen und Fachkräfte hier.