Zerbst l „Das sind keine Zustände. Ich reg’ mich jedes Mal auf“, sagt Hans-Joachim Schäm. Er spricht von einer „Sauerei“ und meint die Tatsache, dass es am Zerbster Bahnhof keine Toiletten gibt. Als Busfahrer hat er schon öfter Zugreisende erlebt, die vergeblich Ausschau nach einem stillen Örtchen suchten. Für ihn ist dies ein völlig unverständlicher Zustand, der schon öfter kritisiert wurde.

Die Deutsche Bahn sieht sich allerdings nicht in der Pflicht, diesbezüglich Abhilfe zu schaffen. Wie Pressesprecher Jörg Bönisch auf Nachfrage erläutert, gehören Toiletten zu den „Weiteren Leistungen“, für deren Vorhandensein keine rechtliche Gewähr beziehungsweise kein rechtlicher Anspruch bestehen.

Nutzung des Zug-WCs wird empfohlen

Die Ausstattung der einzelnen Verkehrsstationen sei in den „Infrastrukturnutzungsbedingungen Personenbahnhöfe“ geregelt. Demnach gehört der Haltepunkt Zerbst zur Kategorie 6 (von 7) und damit zu den mehr als 2500 kleineren Bahnhöfen, wo zusätzlich zur Grundausstattung für die Pendler und Zugreisenden eine Sitzgelegenheit und ein Wetterschutz angeboten werden – mehr nicht. „Reisenden empfehlen wir die Nutzung der WC in den Zügen, in denen diese in ausreichender Zahl vorhanden sind und kostenlos genutzt werden können“, erklärt Jörg Bönisch.

Auch seitens der Stadt ist derzeit nicht vorgesehen, im Bereich des Bahnhofs eine öffentliche Toilette zu errichten.

Eine Chance dazu gab es im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, für die im März 2016 der erste Spatenstich fiel. Als das Projekt im Vorfeld im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt wurde, sei durchaus bereits die Errichtung einer Toilettenanlage vorgeschlagen und diskutiert worden, blickt Heike Krüger zurück. Wie die Leiterin des Zerbster Bau- und Liegenschaftsamtes berichtet, damals waren die Voraussetzungen jedoch andere.

Stadt plant derzeit keine Toilettenanlage

So befand sich zum Zeitpunkt der Planungen im Bahnhofsgebäude noch ein Reisezentrum einschließlich eines kleinen Kiosks und eben einer Toilette. „Demnach bestand damals keine Notwendigkeit, eine zusätzliche Toilettenanlage zu errichten“, konstatiert sie.

Die Entwicklung des Bahnhofes sei natürlich abhängig vom Eigentümer, gibt Heike Krüger zu bedenken. „Mit dem auch für uns überraschenden Umzug des Reisezentrums wurde leider die vorhandene Toilette durch den Besitzer des Gebäudes nicht weiter betrieben“, so die Amtsleiterin.

Keine Kosten dafür eingeplant

Wie sie ausführt, verfolgt die Stadt momentan keine Pläne, auf dem Bahnhofsvorplatz eine öffentliche Toilette zu errichten. „Neben den Investitonskosten stehen für die Unterhaltung solcher Anlagen auch die Bewirtschaftungskosten zu Buche, diese sind bisher in der Haushaltsplanung mittelfristig nicht vorgesehen“, erläutert Heike Krüger. „Als nachhaltiger betrachten wir die Entwicklung des Bahnhofs insgesamt“, merkt sie an.