Lindau l Die Zuckerrübenernte bleibt in diesem Jahr weit hinter den Erwartungen zurück. „Im Schnitt sind wir bei 50 Prozent“, sagt Joachim Wuttig, Vorstandsmitglied der Agrico in Lindau. Die Ernte läuft in dem Unternehmen bereits seit einigen Wochen und wird noch bis zum Jahresende andauern. Es sei trotz der geringen Niederschläge erstaunlich, dass die Rüben überhaupt so gewachsen sind, sagte der erfahrene Landwirt. Dennoch sei die Ernte eine mittlere Katastrophe.

Verluste überwiegen

Vor allem auch, weil die Betriebe ihre Rüben schon vor der Ernte verkauft haben. Der Preis dafür habe bereits festgestanden. Selbst wenn die Preise in der Zukunft steigen, womit er rechne, hätten die Unternehmen erst im kommenden und darauf folgenden Jahr etwas, sagte er weiter. Zwar ist der Zuckergehalt bei den Rüben in diesem Jahr etwas höher. Dennoch überwiegen die Verluste. Außerdem gebe es Zucker auf dem Weltmarkt aktuell im Überfluss, sagt Peter Gottschalk.

Der zweite Vorstand der Agrico weiß, dass vor allem aus Asien aktuell sehr viel des süßen Stoffes geliefert wird. Trotz der schlechten Ernte könne das Unternehmen in Zukunft nicht auf die Zuckerrübe verzichten. Die Pflanze sei schon wegen der Fruchtfolge und wegen ihrer Wirkung auf den Boden nicht zu ersetzen, sagt Joachim Wuttig. Das Lindauer Unternehmen werde deshalb auch in Zukunft auf die Zuckerrübe setzen, kündigt er an.

Auswirkungen sind groß

Die Rübenernte reiht sich in diesem Jahr allerdings in eine ganze Reihe von Minderernten ein. Über alle Feldfrüchte und Kulturen hinweg haben die Lindauer im Durchschnitt deutlich weniger geerntet. Die geringeren Erntemengen hätten zeitverzögert ebenso Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft, ist Joachim Wuttig überzeugt. Die geringeren Erträge führten in den Unternehmen dazu, dass geplante Investitionen in die Zukunft verschoben werden. Das wiederum habe Auswirkungen auf die Baubranche, wenn die Nachfrage nach Leistungen sinke, sagt er. In der gegenwärtigen Situation würden die Betriebe das Geld zusammenhalten und erst einmal abwarten, ist er überzeugt. Dafür seien die aktuellen Bedingungen einfach zu unsicher. Nicht generell kritisieren wollen die beiden Vorstände die Beihilfen für Unternehmen. Die Verbände hatten in dieser Woche die Beihilfebedingungen kritisiert. Zu kompliziert seien sie, hieß es.

Die Beihilfen hätten auch anders verteilt werden können, sagt Peter Gottschalk. In Polen hätten die Landwirte eine pauschale Entschädigung erhalten. Dort hätten sich die Fachleute die Flächen angesehen und den Minderertrag ermittelt. Dann hätten die Betriebe entsprechende finanzielle Beihilfen erhalten. „Die haben ihr Geld schon“, sagt er.

Mittel nach Bedarf

Dennoch sei er als Steuerzahler der Meinung, dass die Hilfen nicht pauschal mit der Gießkanne verteilt werden dürften. Als Steuerzahler könne er schon verlangen, dass die Mittel nach Bedarf verteilt werden. Dass einige Unternehmen in der aktuellen Situation in der Landwirtschaft erhebliche Probleme bekommen können, wolle er auf keinen Fall ausschließen.

Auch bei der Agrico gebe es zu dem Thema Beihilfen noch Gesprächsbedarf. Antragsberechtigt sei das Unternehmen, heißt es. Die Erträge hätten im Schnitt deutlich unter 30 Prozent der durchschnittlichen Erträge gelegen. Sachsen-Anhalt hat unter der Dürre in diesem Jahr besonders gelitten. Seit April fielen viel zu wenig Niederschläge. Die Böden sind entsprechend ausgetrocknet. Das habe auch Auswirkungen auf die kommenden Ernten, beobachten die Landwirte in Lindau die weitere Wetterentwicklung ganz genau. Bislang waren die erhofftem Niederschläge auch im Herbst weitgehend ausgeblieben. Das kann noch zum Problem werden.