Zerbst l Ein Absperrzaun markiert derzeit die Baulücke auf der Breite, durch welche die neue Zufahrt zum einstigen Frauenkloster angelegt werden soll. Anders, als es die Beschlussvorlage nahelegt, handelt es sich um keine Anliegerstraße, wie Nico Ruhmer gegenüber der Volksstimme erklärt. Der Amtsleiter für Zentrale Dienste ist verantwortlich für das nicht ganz unumstrittene Kloster-Vorhaben, in das über 2,5 Millionen Euro Fördermittel fließen.

Mit dem Geld soll der hintere Teil des Gebäudekomplexes umfassend instandgesetzt werden, um dort in naher Zukunft neben dem historischen Archiv auch das Bau- und Liegenschaftsamt der Stadt Zerbst unterzubringen. „Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens ist der Nachweis zu erbringen, dass die Feuerwehr im Brandfall das ehemalige Frauenkloster über den Großen Klosterhof erreicht“, erläutert Ruhmer.

Denn die Zufahrt über die Breite ist für die modernen Löschfahrzeuge zu schmal und stellt keine Rettungswege-Option dar, wie es Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) einmal ausdrückte. Das trifft ebenfalls auf die jetzige Straße „Großer Klosterhof“ zu. Durch die äußerst enge Bebauung kommt auch dort beispielsweise der Hubsteiger der Zerbster Feuerwehr nicht durch.

Von Puschkinpromenade aus erschließen?

Aus dem Grund musste die Stadt nach einer Alternative suchen. Diese mündete im Kauf mehrerer Grundstücke zur „Erweiterung der öffentlichen Verkehrsfläche der Straße ,Großer Klosterhof‘“, wie es in der Beschlussvorlage heißt, die der Stadtrat bei fünf Enthaltungen, drei Gegenstimmen und 18 Ja-Stimmen verabschiedet hat. Eine Diskussion gab es nicht. Einzig Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst), einer der Hauptkritiker des Kloster-Projektes, meldete sich zu Wort.

Die Sanierung der denkmalgeschützten Klosterhöfe sei eine Thematik, die den Stadtrat bereits seit 1993 beschäftige. „Dennoch stehen wir ganz am Anfang“, erinnerte er an den bislang fehlenden Bebauungsplan für dieses historische Viertel. Zugleich erwähnte Seidler noch einmal seinen Vorschlag, das Klostergelände von der Puschkinpromenade zu erschließen: „Die Zufahrt steht weiter im Raum.“ Allerdings ging keiner der Stadträte auf seine Anmerkung ein.

Vielmehr erfolgte die mehrheitliche Beschlussfassung zur möglichen Schaffung der Feuerwehrzufahrt, sprich, der Gewährleistung der Überfahrt, wie es Nico Ruhmer formuliert. „Die Zufahrt wird sich vorerst als aufgeschotterte Zuwegung darstellen, welche nur der Feuerwehr dient“, erläutert der Amtsleiter und betont: „Eine endgültige Lösung ist darin nicht zu sehen.“

Diese könnte sich im kommenden Jahr abzeichnen. So hat die Stadt Fördermittel zum Ausbau des Großen Klosterhofes beantragt und für 2020 bewilligt bekommen, wie Nico Ruhmer ausführt. Innerhalb der dann notwendigen Planung für dieses kleinteilige, mit Fachwerkhäusern bebaute Areal soll eine dauerhafte Lösung im Zusammenhang mit der Parkplatzgestaltung erarbeitet werden.

Ausbau ist für 2020 geplant

„Eine Beauftragung der Planung ist noch nicht erfolgt. Insofern wird sich bis zum Vorliegen der Planung nichts am derzeitigen Status Quo für die Anwohner und zur Straßenführung ändern“, erklärt der Amtsleiter. Sobald die Planung allerdings vorliege, werde diese öffentlich vorgestellt und diskutiert, „so dass dann insbesondere die Anwohner ihre Vorschläge dazu einbringen können“, bemerkt Ruhmer.

So befürchteten Anwohner bereits den Ausbau der neuen Zufahrt als Straße, in deren Umfeld das Parken nur noch eingeschränkt möglich ist. Immerhin muss eine Feuerwehrzufahrt jedezeit zugänglich sein, was zu absoluten Parkverboten führt.