Pferdesport

Lena Neumeister: Reiten ist Familiensache

Die Gegend um Satuelle ist weitestgehend bewaldet und ganz im Grünen gelegen, befindet sich dort das Grundstück der Familie Neumeister.

Von Felix Hoffmann
Lena Neumeister vom RFV Uthmöden auf ihrem Pferd Quintana.
Lena Neumeister vom RFV Uthmöden auf ihrem Pferd Quintana. Foto: Christian Bogus

Satuelle - Lena ist mit 18 Jahren die älteste Tochter von insgesamt drei Geschwistern. Im Springreiten hat sie ihre Leidenschaft gefunden.

Satuelle ist ein kleiner, nördlich gelegener Ortsteil der Stadt Haldensleben. Die Ohre und der Mittellandkanal verlaufen westlich davon. Aus Richtung Haldensleben in das Örtchen einfahrend, zweigt von der Hauptstraße eine steinige Nebenstraße ab. Auf derer linken Seite zeigt sich dann das doppelstöckige Haus der Neumeisters. Es ist das letzte am Wegesrand. Am Zaun bellt der Hund und sofort kann der Eindruck gewonnen werden, dass Tiere hier einen hohen Stellenwert bei der Familie einnehmen.

Lenas Mutter führt mich am Haus vorbei durch den Garten zum familieneigenen Reitplatz. Es ist ein großes Grundstück und doch wirkt es komprimiert. Eine Laube teilt das Haus vom Garten ab, Bäume spenden Schatten und am Rand befindet sich eine kleine Stallung. Der Reitplatz liegt in der Sonne. Über den hinteren Zaun hinaus vermitteln Weide und Ackerland ein Gefühl von Weite und Raum. Lena dreht auf dem Pferd ihre Runde. Ihre Mutter bittet sie abzusteigen. Der Hof hinter dem Haus ist mit Schatten geflutet. Wir setzen uns vor die Laube, den Reiterhelm lässt sie dabei auf.

Lena Neumeister ist in Magdeburg geboren, doch schon immer in Satuelle ansässig und aufgewachsen. Sie ist das älteste von drei Geschwistern. Sie hat noch einen Tennis spielenden Bruder und eine Schwester, der sie das Reiten näherbringt, so wie es einst ihre Mutter für sie getan hat. Sie hat die Liebe zu den Pferden förmlich mit der Muttermilch mitbekommen und saß schon als Kleinkind im Schoße ihrer Mama auf dem Rücken eines Pferdes. Ihre Mutter reitet selbst von Kindesalter an und hat ihr die ersten Impulse gegeben. Erste Geh- und Stehversuche im Pony-Reiten unternahm Lena ebenfalls auf dem heimischen Hof. Noch war es mehr Spiel als Sport, doch die Ambitionen wurden schnell größer, wie sie erzählt.

„Das Material hat am Anfang einfach noch nicht so gestimmt“, blickt sie schmunzelnd zurück. Dann ging es in den Verein im benachbarten Uthmöden. Ihr langjähriger Trainer und Förderer dort war Daniel König. Im Alter von zehn Jahren begann sie an Turnieren teilzunehmen. Damals war sie noch auf Ponys unterwegs, erst mit 16 ging es aufs Pferd. Angst vor den Tieren blieb ihr durch frühe Gewöhnung fremd. Auch erste Stürze konnten sie nicht einschüchtern. „Da die Pferde, die wir hatten, nicht so kooperativ waren, musste ich mich schon immer durchbeißen“, resümiert Neumeister ihre frühen Begegnungen mit den Tieren. Heute helfen ihr diese Erfahrungswerte, sich auf ein Tier einzustellen. Eine Fähigkeit, die großen Nutzen offenbart, da sie derzeit vier verschiedene Pferde reitet. Zu ihrem Arsenal zählen Gwendolyn und Gwendolina, ein weiteres Pferd, welches auf den lieblichen Namen Goldstückchen hört und zu guter Letzt ihr ganzer Stolz, Queen Lathifa. Diese ist mit zwölf Jahren eine gestandene Dame und damit standesgemäß das Oberhaupt dieser Schar und ihr verlässlichster Begleiter.

Alle packen mit an

Der Alltag rund um die Pferde bedarf der Mithilfe der ganzen Familie. Auf die Frage hin, inwiefern sie ihre Eltern unterstützen, lacht die 18-Jährige kurz auf und antwortet: „in allem.“ Der Vater mistet aus, fährt Trecker und macht Futter. „Mama kommt immer mit zum Turnier, das macht ihr ja auch Spaß“, ergänzt Lena und schmunzelt ihrer Mutter zu. Es wurde am Ortseingang noch ein Stückchen Land gepachtet. In den dortigen Ställen finden ihre Sportpferde Unterkunft. Jeden Morgen bekommen sie ihr Kraftfutter. Arbeitsteilung gibt es nur ansatzweise, den Sportarten der Kinder nach geordnet. Papa fährt ihren Bruder zum Tennis, Mama ist fürs Reiten zuständig. Doch wenn es um Angelegenheiten wie Stallpflege geht, kommen alle zusammen und packen mit an. Es eint die Familie.

Familiäre Turnier-Atmosphäre

Das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches daraus entsteht, das gleiche Hobby gefunden zu haben, ergänzt sich ideal mit dem Wettbewerbscharakter der vielen Reitturniere, an denen Lena normalerweise teilnimmt. Wichtigen Turnieren begegnet sie mit positiver Anspannung, Adrenalin. „Bei normalen Turnieren bin ich mittlerweile relativ cool, da ich ja auch schon seit Kindertagen dabei bin“, fügt sie an. Der Wille sich zu messen, vor allem mit sich selbst, ist ein großer Anreiz. Kleinliche und vermeidbare Fehler nagen etwas an ihrem Gemüt, doch Fehler sucht sie zuallererst bei sich selbst: „Der Reiter ist schuld, wenn es das Pferd nicht schafft. Beide müssen zusammen harmonieren.“

Die Atmosphäre bei Turnieren empfindet sie als „sehr familiär und wohltuend, sehr angenehm.“ Auf ihre größten Erfahrungen und Erfolge angesprochen, verweist Lena Neumeister auf die Deutschen Meisterschaften, an denen sie letztes Jahr teilnehmen konnte. Damit ging ein Traum in Erfüllung. Enorm prägend war ebenfalls die Teilnahme an einem internationalen Turnier in Frankreich: „Es war einfach schön, dabei gewesen zu sein.“ Bei den vergangenen Landesmeisterschaften wurde sie Dritte und darauffolgend sogar Vizemeisterin. Im Landeskader verweilt sie seit nunmehr gut zehn Jahren.

Die Zukunft liegt im Lehramt

Die 18-Jährige verspürt das Bedürfnis, ein Stückchen weiter zu geben. Sie möchte etwas vermitteln und sieht sich daher in ihrem Berufsleben am Lehrerpult. Eine vorzügliche Bildung genoss sie freilich selbst. Sie spielte Klavier und legte ihr Abitur am Internationalen Gymnasium Pierre Trudeau in Barleben ab. Die Privatschule hat es sich zur ehrenvollen Verpflichtung gemacht , Weltbürger und wohlgeformte Menschen auszubilden. Sie begann ihr Lehramtsstudium für Geschichte und Geografie an der Technischen Universität in Dresden.

„Ich hoffe, dass ich ordentlich ins Berufsleben einsteigen kann und trotzdem noch Zeit für die Pferde finde. Weniger wird es auf jeden Fall werden, vor allem wenn ich eines Tages vielleicht auch eine eigene Familie gründe. Ganz möchte ich mich vom Reiten aber nicht verabschieden müssen. Wenn es meine Kinder dann später einmal wollen, wäre es mir ein Vergnügen, ihnen das Reiten ebenfalls beizubringen.“ Die Philosophie, das Reiten und die damit verbundene Empathie für die Tiere weiter zu geben, wird an Lena Neumeister nicht abreißen. Dieser Gedanke scheint ihr Freude zu bereiten. Allem was sie sagt, liegt ein optimistischer Tonfall bei. Überhaupt fallen ihre Mundwinkel im ganzen Gespräch kaum an den Ansatz einer neutralen Position, sodass über die ganze Länge mindestens ein konstantes Schmunzeln zu beobachten ist. Ihr Weg ist bestens geebnet, um als Lehrerin in Zukunft sattelfest im Leben zu stehen.

Neumeister folgt den Spuren ihrer Mutter, die ebenfalls Reiterin ist.
Neumeister folgt den Spuren ihrer Mutter, die ebenfalls Reiterin ist.
Foto: Stefanie Brandt