Sport

Osterburg: Siebenkämpferin Anna Hinkelmann träumt von Olympia

Siebenkämpferin Anna Hinkelmann (14) aus Osterburg hat den Schritt in die „Eliteschule des Sports“ nach Halle gewagt. Bei den Mitteldeutschen Meisterschaften holte sie Gold.

Von Ingo Gutsche
Anna Hinkelmann aus Osterburg, die viele Jahre Mitglied beim Arneburger Leichtathletikverein war, ist stolz auf ihre Goldmedaille bei den Mitteldeutschen Meisterschaften im Siebenkampf. Die 14-Jährige ist für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert.
Anna Hinkelmann aus Osterburg, die viele Jahre Mitglied beim Arneburger Leichtathletikverein war, ist stolz auf ihre Goldmedaille bei den Mitteldeutschen Meisterschaften im Siebenkampf. Die 14-Jährige ist für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Foto: Ingo Gutsche

Osterburg/Arneburg - Die 14-jährige Anna Hinkelmann hat ein großes Ziel: In einigen Jahren möchte die Osterburgerin eine Teilnehmerin der Olympischen Spiele sein und damit zu den Besten in ihrer Sportart zählen. Auch wenn es noch weit scheint. Sie befinde sich auf einem guten Weg, attestiert ihr ihre ehemalige und langjährige Trainerin Isolde Schenk vom Arneburger Leichtathletikverein (ALV). Ehrgeiz und Trainingsfleiß zeichnen Anna aus. Und dass die Jugendliche, die seit fast zwei Jahren beim SV Halle trainiert, in ihrer Altersklasse zu den Talentiertesten im Siebenkampf gehört, stellte sie vor einigen Tagen bei den Mitteldeutschen Meisterschaften unter Beweis

Deutsche Meisterschaften im September in Wedel

Die Osterburgerin konnte ihrer bereits großen Medaillensammlung eine weitere hinzufügen: eine goldene. Anna beherrschte ihre Konkurrentinnen aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und einigen anderen Bundesländern, da der Wettkampf als ein offener ausgeschrieben wurde. Über 4000 Punkte standen nach den sieben Disziplinen zu Buche. „Es war der erste Wettkampf nach einem Jahr“, blickte die 14-Jährige zurück. Entsprechend aufgeregt war sie vor den Titelkämpfen, die in Halle stattfanden. Die pandemische Lage sei auch für Leistungssportler eine schwierige Zeit. „Die Wettkämpfe sind ja auch dazu da, Erfahrungen zu sammeln“, hätten diese ihr in den vergangenen Monaten gefehlt. Dennoch konnte Anna überzeugen. Während die Trainer das Ziel ausgaben, bei den „Mitteldeutschen“ die Norm für die Deutschen Meisterschaften zu packen, „wollte ich auch gewinnen“, hatte sie sich ein persönliches Ziel gesetzt. Mit der hohen Punkteausbeute qualifizierte sie sich für die Deutschen Meisterschaften der Altersklasse W 15 im September in Wesel (Nordrhein-Westfalen).

Dort möchte Anna ebenfalls auf sich aufmerksam machen und den Sprung auf das oberste Treppchen schaffen. „Sie hat das Zeug dazu“, weiß Isolde Schenk, die sie in Arneburg sechs Jahre lang unter ihren Fittichen hatte und trainierte. Sie verfolgt genau ihren sportlichen Weg, hält Kontakt und ist überzeugt davon, dass sie später bei den Frauen zur nationalen Spitze im Siebenkampf zählen wird.

Um ihr großes Ziel zu erreichen, wechselte Anna 2019 zur „Eliteschule des Sports“ nach Halle. Rund 180 Kilometer vom Elternhaus entfernt. Ihre Eltern unterstützen und fördern ihre sportliche Entwicklung, begleiteten sie meist zu ihren Wettkämpfen. „Anders ist das auch nicht möglich“, weiß Mutter Nicole Hinkelmann aus eigener Erfahrung. Als Jugendliche war sie ebenfalls in einem Sport-Internat, trainierte in der Schwimm-Abteilung des SC Magdeburg.

In Halle ist das Training an die Schule angepasst. Das Trainingspensum deutlich höher als zuvor. Am Dienstag beispielsweise bestimmt zunächst der Sport den ersten Teil des Vormittags: „Von halb acht bis halb zehn wird trainiert. Um 9.50 Uhr beginnt dann die Schule“, gibt sie einen Einblick in diesen Tag. Bis halb drei drückt Anna dann die Schulbank, ehe sie sich wieder ihre Laufschuhe anzieht. „Das zweite Training startet dann um 14.45 Uhr.“ Dann wird nochmals 90 Minuten oder länger geschwitzt. Sprint, Ausdauer, Weit- und Hochsprung, dazu die Wurfdisziplinen. Das fünfmal in der Woche. Die Wege zwischen Schule, Sportplatz und Internat sind kurz. Während der Corona-Phase war oftmals Distanz-Unterricht angesagt, dazu gab es einen Trainingsplan. „Mit lustigen Challenges“, sagt Anna und denkt unter anderem an „verrückte Yoga-Übungen“ zurück. Trainingseinheiten mit Spaß gepaart.

Einige Trainingsstunden konnte sie an ihrer alten Stätte, beim Arneburger LV, absolvieren. Bei Isolde Schenk. Schon früh habe sie das Talent von Anna erkannt – „Sie war sehr gut im Sprint und auch im 800-Meter-Lauf“. Eher eine Seltenheit unter Leichtathleten. „Das hat sich im Alter von zehn, elf Jahren herauskristallisiert“, erinnert sich Isolde Schenk zurück. Der 100-Meter-Lauf ist ihre Lieblingsdisziplin. Eine Strecke, wo sie ihre Gegnerinnen oftmals beherrscht. Das gilt übrigens auch für die lange Strecke beim Siebenkampf. Die in Halle gelaufenen 2 Minuten 22,42 Sekunden beim 800-Meter-Lauf waren nicht nur in ihrer Altersklasse, sondern auch bei der weiblichen Jugend U 18 das Maß der Dinge.

Tägliches Training in den Pfingstferienj

Bei den technischen Disziplinen hat die Osterburgerin zugelegt. Isolde Schenk erinnert sich an einen Wettkampf zurück, wo Anna mit dem Speer so ihre Probleme hatte. Mittlerweile wirft sie das Gerät über 40 Meter. „Das ist spitze.“

Allerdings ist Erfolg nicht immer planbar. Das bekam Anna bei den Deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr zu spüren, als sie nach drei Fehlversuchen im Weitsprung aus dem Wettbewerb ausschied. Aus Fehlern lernt man. „Ich mache zu Beginn einen Art Sicherheitssprung“, ist nun ihre Strategie. Sie möchte weiterhin hart an sich arbeiten, um sich in allen Disziplinen weiterzuentwickeln. Sie liebt ihren Sport. Und nimmt für das Erreichen ihrer Ziele einiges in Kauf: Selbst in den jetzigen Pfingstferien ist Anna täglich auf dem Hallenser Sportgelände.

Anna Hinkelmann (rechts) und Lara Ballentin (beide SV Halle) beim Training während der Corona-Phase in Arneburg.
Anna Hinkelmann (rechts) und Lara Ballentin (beide SV Halle) beim Training während der Corona-Phase in Arneburg.
Foto: Isolde Schenk
Anna beim Weitsprung während der Mitteldeutschen Meisterschaft in Halle. Sie kam auf eine Weite von 5,65 Metern.
Anna beim Weitsprung während der Mitteldeutschen Meisterschaft in Halle. Sie kam auf eine Weite von 5,65 Metern.
Foto: SV Halle