Fußball

Ligen könnten weiter aufgebläht werden

Der Fußball Verband Sachsen-Anhalt (FSA) wird mit den Mannschaften auf Landesebene die zukünftige Ligen-Struktur für die neue Saison 2021/ 2022 diskutieren.

Von Thomas Koepke und Marc Wiedemann
Mit wie vielen Mannschaften sich die Letzlinger um Andreas Schnecke und die Salzwedeler mit Phillip Müller in der kommenden Saison messen müssen, steht seitens des FSA noch nicht fest.
Mit wie vielen Mannschaften sich die Letzlinger um Andreas Schnecke und die Salzwedeler mit Phillip Müller in der kommenden Saison messen müssen, steht seitens des FSA noch nicht fest. Foto: Thomas Koepke

Salzwedel - Nachdem bereits die Spielzeit 2019/2020 wegen der immer noch anhaltenden Corona-Pandemie und deren Auswirkungen abgebrochen werden musste, so konnte auch die vergangene Spielzeit 2020/2021 nicht zu Ende gespielt werden.

Für und Wider hinsichtlich der Staffelstärken

Vor einigen Wochen beschloss der Fußball Verband Sachsen-Anhalt (FSA) den Abbruch auf Landesebene, musste sich aber hinsichtlich der Auf- und Abstiegsmodalitäten noch etwas gedulden und auf die Entscheidungen des übergeordneten Nordostdeutschen Fußball Verbandes (NOFV) warten.

Die Maßgabe war dabei: Sollte der NOFV Aufsteiger zulassen, so wollte das auch der FSA weitergeben und ebenfalls Aufsteiger (nach Quotientregel) zulassen.

Nun, das führte aber bereits in der vergangenen Saison zu einigen Problemen, da es keine Zwangsabsteiger gab. Die Teams konnten sich – auch wenn sie unter dem berühmten Strich standen – wieder für die gleiche Liga entscheiden.

Und auch diesmal wird es keine sportlichen Absteiger aus den ländlichen Ligen des FSA geben. Allerdings ließen die Kreise Aufsteiger zu, so dass es langsam sehr kuschlig in den jeweiligen Ligen werden könnte.

Doch der FSA hat einige Varianten parat. So könnte es zum Beispiel eine zweigleisige Verbandsliga (Volksstimme berichtete) und eine dreigleisige Landesliga geben. Die Landesklassen-Staffeln könnten von sechs auf neun erhöht werden.

Dazu haben die Trainer der altmärkischen Region allerdings klare Meinungen.

„Erst einmal wäre es natürlich schön, wenn wir überhaupt erstmal wieder auf den Platz können. Eine gewisse Aufblähung der Ligen wäre für mich in der ersten Saison nach der Pandemie ja noch okay, da der Pokal aus der letzten Saison auch fortgesetzt werden soll und dadurch auch einige Spiele wegfallen. Doch spätestens für die nächste Saison würde ich da meine Bedenken anmelden. Der Spielraum hinsichtlich der Termine war schon in den vergangenen Jahren immer sehr eng. Man darf dabei immer nicht vergessen, dass wir immer noch Amateurfußball spielen“, hätte Dirksen Höft, Trainer des FSV Heide Letzlingen, zumindest kurzfristig Verständnis.

Michael Piotrowski, Übungsleiter beim SV Liesten 22, sieht das Problem eher direkt beim FSA und dessen Entscheidungen. „Für mich ist das ein selbst gemachtes Problem. Wenn man nach sieben Spielen Aufsteiger zulässt, sollte man auch Absteiger zulassen. Irgendwie ist das ja schon grotesk, dass Jerichow in zwei Jahren gefühlt nur fünf Punkte holt und trotzdem in die dritte Landesklasse-Saison gehen kann. Daher ist für mich vieles, was der FSA macht, unverständlich. Wir nehmen es sportlich und wie es kommt“.

„Ich würde es gut finden, wenn der Verband die Landesklasse auf neun Staffeln zu je zwölf, 13 oder 14 Mannschaften aufstockt. Ich bin mir nicht sicher, ob eine Mannschaft freiwillig absteigt, aber sonst hätten wir ja bis zu 18 Mannschaften. Das finde ich zu viel“, plädiert Klaus-Dieter Steckhan, Trainer des TSV Kusey, für eine Ausweitung der Staffeln.

„Ich halte von einer Erweiterung überhaupt nichts. Dadurch wird das Niveau noch weiter gesenkt. Unabhängig von der Corona-Situation sollte eine Staffel schon auf mindestens 14 Mannschaften kommen, um einen ordentlichen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Aber wenn man immer wieder Aufsteiger zulässt, aber keiner absteigt, braucht sich der FSA nicht wundern“, so Helge Kietzke, Coach des SV Eintracht Salzwedel 09.

Michael Banse, Trainer des MTV Beetzendorf, sieht auch die Qualität gefährdet. „Aufgeblähte Staffeln erhöhen ja nicht unbedingt die Qualität. Im Umkehrschluss denke ich, dass es in ein paar Jahren wieder zu einer Staffelreduzierung kommen wird. Dann heißt es wieder vier bis fünf Absteiger. Große Staffelstärken wären aber eine Herausforderung in Zeiten, wo man nicht weiß, ob man sie überhaupt zu Ende spielen kann“.

„Man muss gucken, wer im Endeffekt aufsteigen und absteigen möchte. Allerdings wären 18 Mannschaften ganz schön viel. Keine weiß, wann es wirklich losgeht. Keiner hat was davon, wenn wir wieder abbrechen müssten. Für mich ist das schwer zu bewerten. Man muss vielleicht doch den Meldeschluss am 31. Mai abwarten und vor allem auch die Vereine befragen, was die davon halten“, fasste Potzehnes Trainer Steffen Schulze aus seiner Sicht zusammen.