Fußball

Aerosolforschung: Corona-Infektionsrisiko im Amateurfußball minimal

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) haben mit großem Interesse das öffentliche Positionspapier der deutschen Gesellschaft für Aerosol-forschung zur Kenntnis genommen. Darin haben führende Aerosolforscher gegenüber der Politik in Bund und Ländern angemahnt, in der Bekämpfung der Pandemie den Unterschied zwischen Aktivitäten unter freiem Himmel und in geschlossenen Räumen stärker zu beachten.

Statt als Corona-Treiber könnte der Amateursport im Freien nach den Erkenntnissen der Gesellschaft für Aerosolforschung als Lösung des Problems angesehen werden. Das macht auch dem SV Förderstedt um Roder Sulaiman (l.) Hoffnung.
Statt als Corona-Treiber könnte der Amateursport im Freien nach den Erkenntnissen der Gesellschaft für Aerosolforschung als Lösung des Problems angesehen werden. Das macht auch dem SV Förderstedt um Roder Sulaiman (l.) Hoffnung. Foto: Tobias Zschäpe

Magdeburg/Staßfurt

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Der Anteil von Infektionen im Freien liege nur im Promillebereich. Der DFB sieht sich in seiner Haltung bestätigt und erkennt ein weiteres Signal für den organisierten Freiluftsport. Dr. Rainer Koch, zuständiger Vizepräsident für den Amateurfußball, sagt: „Die Ausführungen der Gesellschaft für Aerosolforschung bestärken uns einmal mehr in der Position, die wir seit Monaten klar vertreten. Die Angst vor dem Amateurfußball als Corona-Treiber ist unbegründet.

Das Infektionsrisiko auf dem Spielfeld unter freiem Himmel ist nach allen bisherigen Erkenntnissen und Untersuchungen minimal. Der Amateurfußball ist kein pandemisches Problem, sondern fester Teil der Lösung. Er ist wichtig für unsere Gesellschaft, er ist wichtig für die Gesundheit. Der Sport gibt Menschen Bewegung und Lebensfreude zurück, ganz besonders Kindern und Jugendlichen.“

DFB-Vizepräsident Koch richtet mit einer deutlichen Botschaft den Blick nach vorn: „Die Diagnose haben wir und wir haben auch das Rezept. Der Ball muss wieder rollen. Der organisierte Vereinssport bietet hier mit seinen Strukturen und bewährten Hygienekonzepten einen sehr wichtigen Anker, ohne pandemische Risikoquelle zu sein. Im Gegenteil: Sport unter Aufsicht muss endlich als sinnvoll und notwendig begriffen werden.“

Der DFB setzt sich seit Monaten intensiv für sinnvolle Verbesserungen im Sinne des Breitensports in der Pandemielage ein. DFB-Präsident Fritz Keller wendete sich mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin und Regierung, die Konferenz der Präsidenten aus den Regional- und Landesverbänden ging mit einem gemeinsamen Appell an die Öffentlichkeit. Auch der Fußballverband Sachsen-Anhalt schloss sich dem an. Einen weiteren offenen Brief adressierten Fritz Keller und Rainer Koch an die 24.500 Vereine und 7,1 Millionen Mitglieder, die unter dem Dach des DFB organisiert sind.

Hilfe des gesamten Amateursports möglich

Die Kerninhalte sind: Der Fußball unterstützt jegliche Maßnahmen zur nachhaltigen Bekämpfung der Pandemie. Der Fußball und der gesamte Amateursport können helfen. Ein anhaltendes Sportverbot im Verein schadet der Gesundheit - körperlich und psychisch. Das Infektionsrisiko bei Spiel und Training ist äußerst gering. Die Hygienekonzepte im Amateurfußball haben sich bewährt. Und: Der Fußball kämpft – gegen die Krise, für den Weg zurück auf den Platz.

In dem Schreiben der Gesellschaft für Aerosolforschung heißt es nun: „Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass drinnen die Gefahr lauert.“ Die Krisenkommunikation müsse sich auf diesen Umstand konzentrieren. Die begrenzten Ressourcen der Gesellschaft sollten daher auf eine Umsetzung sinnvoller Maßnahmen beschränkt werden.

Das geringe Infektionsrisiko während des Fußballspielens hatte zuletzt bereits eine gemeinsame Studie der Universität des Saarlandes und der Universität Basel unterstrichen. Im Zeitraum von August bis Dezember 2020 waren mehr als 780 Partien aus Profiligen und dem Amateurbereich mit mindestens einem SARS-CoV2-verdächtigen Spieler analysiert. Ziel war - neben der Erfassung infektiöser Kicker in Spiel oder Training - eine Einschätzung des individuellen Infektionsrisikos für die Beteiligten. Dabei konnte nur in einem Fall eine Infektion mit SARS-CoV-2 während eines Spiels nicht gänzlich ausgeschlossen werden. „Diese Ergebnisse stehen auch im Einklang mit der umfangreich gesichteten internationalen Literatur, beispielsweise den kürzlich veröffentlichten Resultaten aus dem englischen Rugby“, sagte Prof. Dr. Tim Meyer, Leiter der Medizinischen Kommission des DFB, vor wenigen Wochen.

Nur eingeschränktes Training erlaubt

Aktuell ist der Trainingsbetrieb im Fußball je nach Bundesland nur sehr eingeschränkt oder zum Teil gar nicht möglich. DFB-Präsident Fritz Keller und Vizepräsident Dr. Rainer Koch hatten in einem gemeinsamen Statement Ende März nach dem damaligen Bund-Länder-Gipfel erklärt: „Bei aller gebotenen Vorsicht angesichts steigender Infektionszahlen bedauern wir es sehr, dass aktuell abermals Verbote im Mittelpunkt stehen und nicht Lösungen, die Wege bieten, angemessen mit der Pandemie umzugehen. Denn die hat der Sport aufgezeigt. Gerade der Fußball verfügt über erprobte und funktionierende Konzepte, das haben die Wochen, als in Vereinen wieder trainiert werden konnte, zum wiederholten Male unter Beweis gestellt. Wir haben auch unsere etablierten Strukturen angeboten, wenn es beispielsweise darum geht, endlich breit angelegte Testungen umzusetzen.“

Jörg Bihlmeyer, zuständiger Vizepräsident für Spielwesen beim FSA, sagt zu den Ergebnissen der Aerosolforschung: „Die Ergebnisse untermauern unseren Standpunkt, den wir schon im März mit einem offenen Brief an die Landesregierung verdeutlicht haben. Das Ansteckungsrisiko an der frischen Luft ist minimal und gerade den Kindern fehlt der Sport im Freien. Ich wünsche mir, dass die Bundespolitik diese Forschungsergebnisse zur Kenntnis nimmt und diese in weitere Entscheidungen mit einfließen lässt.“