Neue Märkte für die Sportindustrie erschließen. Das war das wesentliche Argument, um die Olympischen Spiele 2018 nach Pyeongchang und nicht nach München zu vergeben. Man müsste also damit rechnen, hier in Südkorea Winterklamotten ohne Ende zu finden. Zum Beispiel, wenn einem der Reisverschluss der einzigen Schneejacke im Gepäck verlorengegangen ist.

Die Odyssee beginnt im Olympischen Merchandising-Store. T-Shirts gibt es hier, Hoodies, Plüschtiere, Pins, Münzen – einfach alles mit den Olympischen Ringen, was das Herz begehrt. Ein einziges Winterjacken-Modell im europäischen Schnitt findet sich nach mühsamer Suche auch. Allerdings nur in XS und S. Für einen 1,88-Meter-Mann definitiv ein bisschen zu klein. Also heißt die Devise am Abend danach frieren bei minus zehn Grad in der Langlauf-Arena.

Tags darauf geht’s in ein anderes Olympia-Geschäft. Hier gibt es Schlüsselanhänger, aber überhaupt keine Winterjacken. Draußen vor der Tür aber immerhin einen Taxifahrer, der nach einem Blick auf den kaputten Reißverschluss wortlos zum größten Kaufhaus der Stadt fährt. Ein paar wenige Jacken gibt es hier tatsächlich. Alle jedoch viel zu klein. Dann die Rettung: Mitten im Dschungel koreanischer Schriftzeichen ein Schild mit der englisch geschrieben Aufschrift „Big Size“. Die einzige Jacke dahinter ist schwarz und kuschelwarm. Und sie passt. Das mit den neuen Märkten ganz offenbar nicht…

Lars Becker (48) ist freier Journalist aus München und zum zwölften Mal bei Olympischen Spielen dabei, davon zum sechsten Mal bei Winterspielen. Lieblingssport: Skicross wegen der Action – und weil seine Kinder es auch gern fahren.