Berlin (dpa) - BMW, Mercedes, Porsche, vier deutsche Fahrer, darunter der DTM-Titelverteidiger, und die Macher werben vor dem Showdown in Berlin auch noch mit einem Superlativ. "Neun Tage, sechs Rennen, ein Champion. Das intensivste Finale in der Geschichte des Motorsports."

Die Formel E hat aus der Corona-Not ein spektakuläres Rest-Programm geschaffen. Am Mittwoch geht's los mit dem Sixpack auf dem Tempelhofer Feld unter strengen Auflagen und wie in der Formel 1: ohne Zuschauer.

"Es wird große Herausforderungen geben, aber wir sind sehr gut gerüstet", sagt Maximilian Günther von BMW i Andretti Motorsport. Der 23-Jährige aus Oberstdorf ist Vierter im Klassement mit Chancen mindestens auf einen Podestplatz am Ende der sechs Rennen, die über den neuen Meister der Formel E entscheiden.

Im Heimatland die zweite Saisonhälfte zu beenden, sei etwas ganz Besonderes. "Wir sind nach der langen Pause unheimlich motiviert", betont Günther. Ein Sieg, ein zweiter Platz - seine Bilanz in dieser Saison, die am 22. November vergangenen Jahres in Saudi-Arabien begonnen hat und nach dem Rennen am 29. Februar in Marrakesch durch die Coronavirus-Pandemie unterbrochen worden war.

Bis jetzt. Mittwoch, Donnerstag, Samstag, Sonntag, Mittwoch, Donnerstag - das sind die Tage, an denen auf dem ehemaligen Flughafen in Berlin die vollelektrischen Rennwagen den Ton angeben. Neben Günther treten André Lotterer, 38 Jahre alt, dreimaliger LeMans-Gewinner, im Porsche, René Rast, 33 Jahre alt, zweimaliger DTM-Champion im Audi und Daniel Abt an.

Der 27 Jahre alte Allgäuer war wegen einer Schummelei bei einem virtuellen Rennen von Audi rausgeschmissen worden, das chinesische Team NIO 333 nahm den Allgäuer auf. "Für mich ist das keine Revanche, weil ich niemandem etwas übelnehme", sagt Abt. So konkurrenzfähig, dass er seinen Sieg von der Pole mit der schnellsten Rennrunde von 2018 in der Hauptstadt wiederholen könnte, ist der Wagen aber ohnehin bei weitem nicht. Dennoch betont Abt: "Berlin ist ein großartiger Ort für mich."

Für ihn letztlich aber auch das, was auch Rast, der Abts Cockpit bekam, antreibt bei dessen Gastauftritten nur wenige Tage nach dem Sieg beim Rennen in Spa in der schwerst angeschlagenen DTM. "Der Job in Berlin muss passen, um ein gutes Bewerbungsschreiben für die nächsten Jahre hinzulegen", sagt Rast.

Ungewohnt wird der Rennstresstest nicht nur für Rast, Abt, Lotterer oder Günther. Insgesamt dürfen sich höchstens 1000 Menschen in dem abgesperrten Areal aufhalten, dazu zählen auch lokale Lieferanten oder medizinischer Betreuungsteams. Alle weiteren Tätigkeiten werden aus der Ferne durchgeführt, heißt es von der Formel E.

Tests auf das Virus vor den Rennen, dazu tägliche Untersuchungen vor Ort nach der Ankunft an der Rennstrecke, Mund-Nasen-Schutz und Abstand halten - Normalität in Corona-Zeiten. So hat auch die Formel 1 ihre bisherigen Rennen in der Notsaison erfolgreich bestritten.

Dass es auch zu positiven Ergebnissen kommt, kann nicht wirklich überraschen. Wie die Formel E und der Internationale Automobilverband am Dienstag bekanntgaben, erwischte es bei den 1421 Tests vom Montag zwei Personen. Eine davon äußerte sich selbst: Teamchef Dilbagh Gill vom indischen Mahindra-Rennstall. Er warte nun auf einen zweiten Test. Er befindet sich wie die nicht genannte zweite Person vorerst in Selbst-Quarantäne.

In der Formel 1 musste zuletzt der Mexikaner Sergio Perez wegen eines positiven Befundes aussetzen. Die Fahrer der Formel E sind auch angehalten, alle Vorkehrungen einzuhalten und sich in der Blase der Rennserie in Berlin entsprechend aufzuhalten.

Sportlich müssen sie sich dabei auf drei verschiedene Layouts vorbereiten, um nicht sechsmal auf einem identischen Kurs zu fahren. Wie sonst auch finden vor den Rennen, die jeweils um 19.00 Uhr starten sollen (live bei Eurosport 1), Trainings und die Qualifikationen statt. Als Gesamtführender ist der Portugiese António Félix da Costa angereist. Zweiter ist nach fünf Rennen der Neuseeländer Mitch Evans vor dem Briten Alexander Sims und dessen deutschem Teamkollegen Günther.

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