Doha (dpa) - Jonas Folger hat den Aufstieg in die MotoGP-Klasse geschafft. Zumindest kann man das vermuten, wenn man die Ergebnisse der Vorsaison-Tests betrachtet.

Ob es wirklich so ist, zeigt sich am Wochenende beim ersten Lauf zur Motorrad-WM in Katar. Mit seiner Yamaha YZF-M1, einem echten Prototyp, trug er sich in den Tests in die Top Ten der Zeitenliste und gleichzeitig als bester Rookie in der MotoGP-Klasse ein.

Dass der Weg des 23-Jährigen aus Bayern in die höchste Liga führen würde, ahnte der ehemalige Grand-Prix-Pilot Ralf Waldmann schon zu Beginn. Obwohl Vater Jakob und auch die Großmutter wenig davon begeistert waren, führte kein Weg an der Talente-Sichtung des ADAC für den Straßenrennsport vorbei. Bis dahin war Jonas Folger mit Motocross-Maschinen unterwegs, vornehmlich auf der Wiese hinter der Autowerkstatt seiner Eltern und bei lokalen Veranstaltungen.

Doch auf der Rundstrecke war er noch besser. Als einer der Ausgewählten der Sichtung wechselte er auf ein 50-Kubikzentimeter- Mini Bike und gewann im Alter von neun Jahren alle zehn Rennen in der deutschen Meisterschaft. Er dominierte auch in den folgenden zwei Jahren die Szene. Ralf "Waldi" Waldmann schwärmte: "Der Junge fährt die Kurven quer an. Das wird ein ganz Großer."

Folger wurde trotz seiner Jugend schnell als neue deutsche Hoffnung des Motorradsports gehandelt. Die Aufnahme in die MotoGP-Academy war ein Meilenstein. Dabei handelt es sich um ein Jugendförderprogramm, das Talente aus allen Ländern der Welt in den Grand-Prix-Rennsport bringen soll. Nur zwei von 21 potenziellen Anwärtern wurden 2005 genommen. Folger war einer von ihnen.

Bereits eine Saison später bestritt er die spanische Meisterschaft in der Klasse bis 125 ccm, eine der härtesten Nachwuchsklassen weltweit. Der damals 12-Jährige musste weit weg von zu Hause nicht nur auf der Rennstrecke kämpfen, sondern auch Sprachbarrieren überwinden "Mit dem Häufchen Schulenglisch sollte ich den Mechanikern plötzlich erklären, wie sich das Motorrad beim Fahren anfühlt", erklärte er.

2009 nahm Folger seine erste komplette Saison in der Motorrad-Weltmeisterschaft in Angriff. Seine Karriere begleiten bis heute etliche Hochs und Tiefs - doch er kam immer wieder an die Weltspitze zurück. Nach 137 Grand Prix in der 125-ccm-WM, der Moto3- sowie der Moto2-Klasse ist er dort angelangt, was Traum eines jeden Rennfahrers ist: der MotoGP.

Der fünffache Grand-Prix-Sieger ist zwar ohne WM-Titel aufgestiegen, doch er gilt als eine Mischung aus Talent, Erfahrung und unglaublichem Ehrgeiz. Seinen Platz in der Königsklasse hat er sich verdient. Die ersten Tests mit dem großen 1000-ccm-Motorrad versetzten nicht nur sein Team, sondern auch die Konkurrenz in Staunen. Vor dem ersten Rennstart bremst er aber zu hohe Erwartungen. "Trotz der guten Tests müssen wir den Ball flach halten. Aber gepaart mit dem Spektakel des Nachtrennens gibt es keinen besseren Ort, um die Meisterschaft zu starten", sagte Folger vor dem ersten Training.

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