Stendal l „Der Müll liegt mir schon sehr lange am Herzen“, erklärt Konrad Stender. Wenn er weniger Zeit mit seinem „Hobby“ verbringen würde, hätte er aber sicher kein Problem damit. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit dem Müllproblem und will für seine Anstrengungen nun wieder Mitstreiter gewinnen – so, wie es bereits mancher Stendaler Einwohner oder manche Organisation tat.

Schon 2005 sprach der mittlerweile pensionierte Lehrer mit der Volksstimme über „wilde Müllhalden“ in der Stadt – eine entstand sogar direkt hinter seinem Grundstück. Immer wieder laden Leute Sperrmüll, Flaschen und anderen Abfall illegal ab. Die Stellen sind zwar meist etwas abgelegener, dafür aber besonders für Fußgänger und Fahrradfahrer ein Ärgernis.

Illegale Müllkippen sprießen aus dem Boden

So ist bei einem einfachen Spaziergang durch die Stadt schon auf öffentlichen Grünflächen und Straßen eine Menge Kleinkram zu erkennen: Plastik, Müllbeutel, Zigarettenstummel – ein typisches Bild. Seltener frequentierte Wege werden umso häufiger von Menschen mit Müll im Gepäck besucht. Es scheint, als werden dort inoffizielle Sammelstellen für alle Arten von Unrat eingerichtet.

Über viele dieser Stellen hat er sich während seiner Fahrradfahrten ein Bild gemacht.Besonders kritische Stellen liegen etwa in der Nähe der Uengliner Straße, der Altmark-Oase, an manchen Friedhöfen oder am Stadtsee. Jede größere Grünfläche kann zur improvisierten Müllhalde werden.

Auch eine Verbindung zwischen der Blumenthal- und Frommhagenstraße ist betroffen, mit einem Stück, das mit dem Graffiti an den Wänden schon fast darauf ausgelegt wirkt, als Ablagerung für Unrat zu dienen. Als Stender mal vor Kurzem dran vorbeikam, wurde die Fläche zwar schon wieder geräumt – die erste Tüte mit Flaschen ist aber schon nachgerückt, und in den nahe gelegenen Büschen ist der Müll bereits ein fester Bestandteil des Gesamtbilds geworden.

Den Grund dafür erlebte Stender selbst: Er brachte ein paar Fahrradreifen zur Deponie, für deren Entsorgung er gleich ein paar Euro bezahlen musste. Kein sehr hoher Betrag, aber wer nicht beim unerlaubten Abladen erwischt wird, kann sich den sparen.

So kommt es, dass andere ihre alten Reifen, Fernseher oder Kühlschränke auf eigene Deponien bringen. Die bleiben lange genug liegen, dass schon „Gras über die Sache gewachsen“ ist, so Stender – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne, denn so richtig verantwortlich fühlt sich dafür wohl niemand mehr.

Es sammelt sich zu schnell wieder Müll an

Müllsammelaktionen gibt es in der Stadt natürlich regelmäßig, die entweder von Privatpersonen oder der Verwaltung organisiert werden. So sorgte die Johanniter-Rettungshundestaffel vergangene Woche am Borsteler Grund für Ordnung, ein Stendaler organisierte eine Aktion am Hartungswall, und auch in Zukunft stehen wieder Aktionen wie der Frühjahrsputz an. In den 70er Jahren beteiligte sich Stender zusammen mit seinen Schulklassen an diesen Unterfangen sogar selbst und sammelt seitdem immer wieder einzelne Stücke auf, über die er stolpert.

Doch der Müll staut sich schneller, als er weggeräumt werden kann, neue Initiativen werden also nie lange nach Arbeit suchen müssen. Eben so eine Initiative möchte Stender daher nun auch auf die Beine stellen, allerdings gehört noch einiges zur Organisation. Natürlich ist erstmal ein Fahrzeug notwendig, um das Gesammelte abzutransportieren. Dafür steht er mit dem Bauhof in Kontakt.

Dann müssen sich noch Leute finden, die bereit sind, ihre Hände schmutzig zu machen. Wer Konrad Stender also unterstützen möchte – in welcher Form auch immer – erreicht ihn jeweils mittwochs und freitags unter der Telefonnummer 03931/71 23 60.