Berlin (dpa) - Die Färöer Inseln sind, ähnlich wie Island, ein schier unglaublicher Hort musikalischer Kreativität. Jüngstes Projekt aus dem wolkenverhangenen Norden ist Ave - auf dem selbstbetitelten Debüt singt man auf Färöisch.

Zunächst ist Ave ein nordisches Duo, bestehend aus dem kreativen Mittzwanziger Benjamin Petersen und seinem zwei Jahrzehnte älteren Paten Petur Pólson. Pólson ist so etwas wie ein Spiritus Rektor der färingischen Szene. Es ist unmöglich, über die Musik der Färöer zu berichten, ohne den unnahbar wirkenden Poeten und Musiker zu erwähnen. Seit über 20 Jahren beeinflusst der Autor melodisch einfühlsamer Lyrik die Entwicklung mit vielen Projekten auf unterschiedlichste Weise.

Mit Clickhaze, die für ihren avantgardistischen Trip Hop bekannt waren, von einem Kritiker als tyggigummi rokkur (Kaugummi-Rock) bezeichnet, wurde Pólson ein Pop-Star und über den Archipel hinaus bekannt. Aus der Band gingen auch zwei der erfolgreichsten färöischen Musiker hervor: Eivør Pálsdóttir und Høgni Lisberg.

Der mit beeindruckenden Tätowierungen geschmückte Benjamin Petersen wird als kompletter Künstler beschrieben und war bereits in jungen Jahren in der Welt unterwegs. Er hatte dabei seinen Vater, einen Berufsmusiker, auf der Gitarre begleitet. 2013 war er mit seinem Trio bester Act beim G!Festival. Das Open-Air-Event findet seit 2002 jährlich am Strand von Syðrugøta statt und zieht bis zu 8000 Besucher an (bei 49 000 Einwohnern auf den Eilanden der Färöer!).

Dann ist Ave aber auch noch ein spontanes Gemeinschaftsexperiment, geboren aus Liebe zur Musik und der Idee, mit befreundeten Musikern eine Session zu starten. In der produktiven Szene kennt und unterstützt man sich gegenseitig und so stießen die verschiedensten färingischen Musiker dazu. Unter den Gästen, die von Banjo bis Bass ihren Teil zu den Songs des Duos beitrugen, finden sich auch so bekannte Namen wie Mikael Blak, der Gründer der Ethno-Jazz-Band Yggdrasil, und den hochgelobten Singer-Songwriter Teitur Lassen.

Im Laufe der Zusammentreffen wurde klar, dass die Gigs mehr als nur ein kleines Experiment werden würden, was Pólson und Petersen auch mit ihren Ave-Tattoos bekräftigen. So entstand ein Album voller akustischer Miniaturen, inspiriert von alten Musiktraditionen der Färöer. Der folkige und erdige Klang bezieht seinen Charme aus der Melodie der fremden Sprache, ist ehrlich und berührend. Ave ist authentische nordische Exotik.

Tutl Records