Berlin (dpa) - Dass Folk-Musiker aus Skandinavien gern Soundtracks für dunklere Jahreszeiten schreiben, mag ein Klischee sein. Auf Gustav Sigala Haggren trifft es aber wohl zu - wie nun auch seine erste Platte im Projekt Bells Fell Silent zeigt.

Vor zwei Jahren war der Schwede mit dem erhabenen Album "Horseman Pass By" hervorgetreten, das er zusammen mit Peder Gravlund als Duo Haggren Gravlund aufgenommen hatte. An dieser Stelle war von einem "perfekten Winter-Album" die Rede. Und jetzt, wieder kurz vor Jahresende, kommt "Bells Fell Silent" heraus, Haggrens Duo-Debüt mit dem Gitarristen Niklas Hegfalk - erneut auf dem kleinen Entdecker-Label Stargazer Records.

"Horseman Pass By" lebte vom Kontrast zweier Stimmen, die Platte hatte mit Liedern auf Basis von 14 Poemen des irischen Schriftstellers William Butler Yeats (1865-1939, Literatur-Nobelpreisträger 1923) einen sehr ambitionierten Hintergrund. Die Musik pendelte zwischen Folk-Balladen, Singer-Songwriter-Pop und Midtempo-Rock, die Arrangements waren mit Gastmusikern an Cello, Geige und Blasinstrumenten teilweise prachtvoll ausstaffiert.

Haggren/Hegfalk alias Bells Fell Silent lassen es nun etwas karger angehen, ohne dass die zehn Stücke des auf Vinyl und digital erschienenen Albums deswegen weniger schön wären. Das von einem durchgehenden Loop strukturierte "Backlight" etwa ist eine so zu Tränen rührende Ballade, dass dem Hörer bekanntere Songwriter-Kollegen wie Nick Cave, Stuart Staples (Tindersticks), Bon Iver oder Christian Kjellvander als Vergleiche einfallen.

Nach Platten mit Case Conrad, Gustav and The Seasick Sailors, Shooting John und den erwähnten Haggren Gravlund war der Sänger in eine gesundheitliche und psychische Krise geraten - Zeit zum Innehalten und für ein neues Projekt. Um sich bei einem Festival nicht mit dem Songmaterial der Vergangenheit konfrontieren zu müssen, schrieb der Schwede neue Lieder, in denen er auch seine Selbstzweifel thematisierte.

Daraus entwickelte sich schließlich "Bells Fell Silent", das Album. Es wurde - man meint es zu hören - in einer abgeschiedenen Waldhütte aufgenommen, wie Haggrens Label Stargazer berichtet. Eine tiefe Ruhe und latente Düsterkeit (die aber nicht herunterzieht) geht von den Liedern aus. Wieder ein Winteralbum, wieder ein Kleinod großer Songwriter-Kunst aus Skandinavien.

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