Berlin (dpa) - Es war etwas ruhiger geworden um Sierra und Bianca Casady. Nun ist das Geschwisterpaar, besser bekannt als CocoRosie, mit einem neuen Album zurück - begleitet von der einen oder anderen Tierstimme.

Experimentell unterwegs war das avantgardistische Duo schon immer. Als "Instrumente" dienten in der Vergangenheit etwa Haarföns oder eine Popcorn-Maschine. Dazu gab es Harfen- und Flötenklänge, begleitet von fragilen Stimmen, die von kindlich bis operettenhaft reichten. Außerdem feenhafte Bühnenoutfits, abgestimmt auf die einzelnen Stücke.

"Put The Shine On" heißt das siebte Album von CocoRosie. Die Casadys kehren darauf wieder zu einer etwas reduzierteren Instrumentierung zurück. Wie sie die Zeit seit "Heartache City" (2015) verbracht haben, verrieten sie dem Magazin "The Fader": mit "neuem Leben, Tod, Heirat, Scheidung, Krankheit, Heilung, Heilung, Heilung".

Das klingt nach Zutaten, die für ein ganzes Leben reichen - doch nebenher schrieben die Schwestern nach eigenen Angaben noch "die ganze Zeit" Lieder oder sammelten "Aufnahmen von Farmtieren, die als beitragende Künstler in mehreren neuen Stücken gelandet sind".

Viele der melancholischen Stücke sind spärlich instrumentiert. "Where Did All The Soldiers Go" etwa kommt im wesentlichen mit programmiertem Rhythmus, Orgelakkorden und den einen Sog entfaltenden Stimmen der Schwestern aus. Man darf das nicht als Verlust begreifen: Was das Songwriting angeht, ist "Put The Shine On" womöglich das bislang kompletteste Machwerk der beiden Performance-Künstlerinnen.

Und trotzdem bleiben CocoRosie ein Projekt für Feinschmecker: Man muss sich auf den Stilmix einlassen, der kaum greifbar zwischen Pop, Folk, Oper und Hip-Hop mäandert. Wem das gelingt, der kann einiges entdecken - nicht nur das bislang weitgehend unerschlossene musikalische Potenzial von Farmtieren.

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