Berlin (dpa) - Es traf bereits Kollegen wie Ryan Adams oder Peter Silberman (The Antlers). Nun bekennt sich auch der britische Singer-Songwriter James Page alias Sivu zu Tinnitus und Hörverlust - ein gesundheitliches Desaster, das Musiker wohl noch stärker belastet als andere bedauernswerte Zeitgenossen.

"Sweet Sweet Silent" (Square Leg/Cargo) heißt Sivus zweites Album - der Titel dürfte kein Zufall sein. Denn wie erstrebenswert und erhaben kann Stille sein, wenn man stets ein fieses Pfeifen und Piepen im Ohr verspürt.

Der aus Cornwall stammende Sivu hat dem Geräuschterror nun - wie kürzlich schon Silberman mit "Impermanence" - eine Platte abgewonnen, die in ihrer reduzierten Schönheit durchaus beglückend und beruhigend wirkt. Nicht nur für James Page selbst (hoffentlich), sondern auch für Freunde des folkigen Indiepops der Marke Villagers, Damien Rice oder Elliott Smith.

Gelegentlich lassen sich in elektronischeren Passagen auch Radiohead oder Alt-J (deren Mitglied Charlie Andrew produzierte) als Inspirationsquellen des 29-Jährigen heraushören. Die Stimme von Sivu ist meist ein zurückhaltendes Falsett, manchmal lässt er seine Vocals aber auch dramatisch aufschäumen ("Flies").

Aber auch lediglich ein paar Streicher, Piano und Gesang reichen aus, um die Lieder des Engländers leuchten zu lassen ("Childhood House"). Am anrührendsten manifestiert sich der zart hingetupfte Sivu-Sound in den abschließenden Balladen "My Moon River" und "Wonder In Me".

Vor vier Jahren bekam Page die Diagnose seines unheilbaren Leidens "Morbus Ménières". Er besingt auf seinem zweiten Album in einem etwas raueren Track den "Drastic Change", der ihm damit widerfuhr. Man kann nur hoffen, dass sich der talentierte Songwriter von der Innenohrkrankheit nicht abhalten lässt, weiterhin so feine, harmonische Musik zu machen.

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