Berlin (dpa) - Schon der Name von Charlotte Brandis vorherigem Pop-Projekt sprach für gehöriges Selbstbewusstsein: Me And My Drummer, also "Ich und mein Schlagzeuger" (namens Matze Pröllochs). Das ungewöhnliche Duo erntete mehr als nur Achtungserfolge und war auch live ein Kracher.

Mit ihrem ersten Soloalbum "The Magician" (Pias Recordings/Rough Trade) liefert Brandi nun den Beweis, dass sie nicht blufft. Ihre elf Pianopop-Songs gehören derzeit zum Premium-Angebot aus deutscher Musikproduktion, sie sind eine der ersten großen Überraschungen dieses Jahrgangs.

Man kann, muss aber gar nicht auf tolle Singer-Songwriterinnen wie Kate Bush, Tori Amos, Feist oder Julia Holter verweisen, um die ambitionierten Klanggemälde der Multiinstrumentalistin aus Berlin zu würdigen. Denn Brandi ist auch jetzt wieder eine sehr eigenständige Komponistin, die sich in ihren Liedern kreativ austobt, ohne aufdringlich britische oder amerikanische Vorbilder zu zitieren. Zumal die Jazz-Elemente von "The Magician" ohnehin eher bei Kurt Weill andocken als bei Joni Mitchell.

Brandis Indie- und Dreampop-Band Me And My Drummer brachte 2012 und 2016 zwei Studioalben heraus, ehe sich beide Mitglieder mehr Zeit zur Weiterentwicklung und für neue Projekte wünschten. Im Streit ging man zum Glück nicht auseinander: Pröllochs sitzt jetzt bei fast allen "Magician"-Songs am Schlagzeug.

Um die beiden alten Bekannten herum gruppiert sich eine bis zu neunköpfige Musikerschar, die Liedern wie "Veins", "Defenseless", "Two Rows", "Aliferous" oder "A Word" mit formidablen Orchester- und Chor-Arrangements auflädt. Hauptinstrument ist aber das Klavier, an dem Brandi zeitweise auch solo spielt und singt ("Sitting Bull", "Where The Wind Blows").

Ein Piano hatte Brandi schon früher, als Jugendliche in ihrer Geburtsstadt Dortmund, im elterlichen Wohnzimmer stehen. Umzüge nach Köln, nach Tübingen und schließlich nach Berlin machte es nicht mit - nun hat sich die Musikerin für ihre Neuköllner Wohnung wieder ein altes, restauriertes Instrument gegönnt. Und sie lässt es auf "The Magician" gleich die Hauptrolle spielen - besonders hübsch drauflosklimpernd im himmelwärts strebenden Pop des abschließenden "New Linen".

Fast übertrumpft hier und in einigen anderen Songs die üppige Produktion Brandis markanten Gesang - ein beabsichtigter Effekt. "Je stärker die Musik in den Vordergrund trat, je bescheidener sich die Stimme in die musikalische Landschaft einfügte, desto demütiger wurde ich", sagt sie. "Ein wichtiger Schritt nach der extrovertierten Synthie-Pose von Me And My Drummer. Ich bin nun mit mir und der Musik in einer schönen Balance."

Im April/Mai geht Charlotte Brandi mit vierköpfiger Band auf "The Magician Tour 2019" - man darf gespannt sein, wie sie den opulenten Pop-Entwurf ihres Solodebüts dann auf die Bühne bringt.

Die Konzerttermine: 04.04. Leipzig - Naumanns, 05.04. Erfurt - Franz Mehlhose, 06.04. Mainz - Schon Schön, 07.04. München - Ampere, 08.04. Wien - Chelsea, 10.04. Nürnberg - Club Stereo, 11.04. Hamburg - Nochtspeicher, 12.04. Berlin - Silent Green, 14.04. Dresden - Polimagie Festival @ Beatpol, 03.05. Bochum - Christuskirche

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